hundert aufzuweisen gehabt hat. Der kolossale Thurm der Kirche wurdeerst später erbaut, und zwar das Mauerwerk in den Jahren 1452 —1456; in der Folge, im I. 1482, erhielt er eine unverhältnißmäßighohe, mit Kupfer und Blei gedeckte, ppramidalische Spitze, die demThurm eine Höhe von 227 Breslauer Ellen (462 pariser Fuß) gab.Indeß der kühne Bau bestand nur 47 Jahre. ES war am Abend des24. Februars 1529, als ein heftiger Nordsturm, die gewaltige Spitzebis zum steinernen Umgange abbrach und in zwei Stücke zerbrochen aufden Ring herabwarf. Der Rumpf des Thurmes erhielt sodann imI. 1534 seine jetzige, weit niedrigere, kuppelartige Spitze oder viel-mehr Haube. Gleichwohl ist er immer noch der höchste Thurm Schle-siens, und, ohne Knopf und Spille, noch 324 pariser Fuß hoch. Vonseinem steinernen Umgange genießt man eine herrliche Aussicht auf diethurmreiche Stadt und auf einen Theil des mittleren Schlesiens. —Die Kirche zu St. Maria Magdalena wendet ihre Stirnseite nebstden stattlichen, mit Kupfer gedeckten Doppelthürmen dem Ringe zu.Der Bau derselben fällt gewiß noch in die zweite Hälfte des 13. Jahr-hunderts. Die Vorhalle zwischen den Thürmen, obwohl schon längstihres früheren Schmuckes beraubt, hat doch noch mehrere alte Figurenund Bildwerke von Stein aufzuweisen. Aelter und prachtvoller, ja einseltenes Meisterwerk altdeutscher Bildnerei und Stcinarbeit ist die großeHalle an der Südseite, welche, sicheren Nachrichten zufolge, erst imI. 1546, nach Zerstörung der alten Abtei und Kirche zu St. Vincentaus dem Elbing, von daher an die gegenwärtige Stelle versetzt wurde.Jene zerstörte Kirche war aber im 12. Jahrh, und zwar im byzantini-schen oder Rundbogen-Stil erbaut, und so gehört denn diese kunst- undfigurenreiche Bogenhalle ebenfalls jener Zeit an. Wann die älteste An-lage zu den beiden Thürmen gemacht worden, ist nicht mehr zu ermit-teln. Einer alten lateinischen Inschrift zufolge, wurde der Bau deseinen, oder vielleicht beider, im I. 1481 durch die Baumeister DavidJentsch und George Anton Hartcmberg vollendet. Beide Thürme warenursprünglich weit höher als jetzt, und trugen ppramidalische, mit Bleigedeckte Spitzen, die man indeß um die Mitte des 16. Jahrhundertsabtrug, und sodann (im I. 1565) die jetzt noch stehenden aufsetzte.Das innere der Kirche hat seit der Reformation den größten Theildes früheren alterthümlichen Ausschmuckes verloren, und bietet daherwenig Merkwürdiges dar.
Außer dem Ringe find unter den öffentlichen Plätzen der Stadtnoch folgende zu nennen:
Der Blücherplatz, ein regelmäßiges, mit schönen Häusern um-gebenes Viereck, stößt unmittelbar an den Ring. Den größten Theilder Westseite dieses Platzes nimmt das geräumige, von Baurath Lang-hans dem Jüngeren im neurömischen Baustil in den I. 1822—24 auf-geführte Börsengebäude ein, in dessen oberem Stockwerke die Ver-sammlungssäle, die Bibliothek und die Gemäldesammlung der SchlefischenGesellschaft für Vaterländische Kultur sich befinden. Die Mitte desPlatzes aber schmückt das im I. 1827 errichtete, bronzene Standbilddes Fürsten Blücher von Rauchs Meisterhand. Unmittelbar vom Blücher-platze führt die sehr kurze Schloßstraße zu dem von Friedrich rem Großenim I. 1766 erbauten Königlichen Schlosse, das sich weder dwrchBauart noch Größe auszeichnet. Die nach dem Exerzierplätze hinge-wendete Rückseite des Schlosses ist erst neuerdings im I. 1344 nach einemEntwürfe des K. Ober-Bauraths Stlller aufgeführt, und macht mitihren Rundbogen-Fenstern, ihrer zierlichen Dachgallerie und den zu bei-den Seiten angefügten Colonnaden einen sehr gefälligen Eindruck. Un-weit davon in der Karlsstraße befindet sich die in den Jahren 1747—56in einfachem modernen Stile aufgeführte Hofkirche mit niedrigem,spitzenlosem Thurme.
Die dritte Stelle unter den Plätzen der innern Stadt nimmt derNeu markt ein, — ein großes regelmäßiges Viereck, aber in Hinsicht
seiner Gebäude den oben genannten Plätzen nachstehend. In der Mittedesselben steht der aus Sandstein verfertigte Neptunus-Springbrunnen.
Außerdem ist blos noch der Ritterplatz zu nennen, von läng-licher, eben nicht regelmäßiger Gestalt, mit guten, zum Theil sehr an-sehnlichen Häusern besetzt. Die Nordseite desselben begrenzen dreiKirchen: die St. Vincent-, die Ursnliner- und die katholische Gym-nafialkirche zu St. Matthias. — Die ehemalige Stiftskirche zu St.Vincent nebst dem dabei befindlichen Kloster wurde von Herzog Hein-rich II., der in der Tatarenschlacht bei Liegnitz fiel, im I. 1246 ge-gründet. Kirche und Kloster waren ursprünglich dem h. Jacob geweihtund mit Minoriten besetzt; seitdem sie indeß im I. 1536 den vom El-bing (einer Vorstadt Breslaus) vertriebenen Prämonstratensern über-wiesen worden, erhielten beide ihre spätere Namen. Der in Gestalteines türkischen Minaret's schlank und leicht aufsteigende Thurm ist bisoben zur Spille hinauf gemauert, und um das I. 1445 erbaut. Daslange, schmale, hvchgewölbte Hauptschiff nebst den beiden niedrigernSeitenschiffen wird nur durch die Fenster der Ost- und Südseite spär-lich erhellt. Sowohl dies als auch der alterthümliche Ausschmuck derAltäre, die vielen Gemälde (worunter mehrere von Willma»n), dieBildwerke in Erz und Stein, die zierlichen Schnitzarbeiten, die kunst-reichen metallenen Gitterwerke im Innern machen auf den Eintretendeneinen tief ergreifenden, wahrhaft mittelalterlichen Eindruck. Im Chorder Kirche befindet sich auch das Grabmal Herzog Heinrich II.; er selbst,in Stein gehauen, liegt lebensgroß in der fürstlich-ritterlichen Trachtseiner Zeit oben auf dem Sarkophage. Das nördlich an die Kirchestoßende, sehr geräumige, ehemalige Stiftsgebäude ist gegenwärtig Sitzdes Königlichen Oberlandesgerichts. — An das Westende der Vincent-kirche grenzt das früher den Clarisserinnen gehörige Kloster u. die Kirchezu St. Clara, welche seit Aufhebung jenes Ordens den für Jugend-erziehung so wohlthätig wirkenden Ursulinerinnen eingeräumt sind. DasStift ist sehr alt, bereits von der Herzogin Anna, Gemahlin des obengenannten Heinrichs II., gegründet und der Bau desselben im I. 1266vollendet. Die frühere Kirche enthielt die Grabstätten der meisten Her-zoge Breslaus. Das jetzige Klostergebäude nebst Kirche und Thurmist erst in neuerer Zeit, im I. 1699, aufgeführt. — An der Westseitedesselben, und zwar nur durch ein schmales Gäßchen davon geschieden,erstreckt sich das weitläufige, im schönsten und großartigsten Baustil imViereck aufgeführte, ehemalige Matthiasstift mit der vormaligenKirche zu St. Matthias entlang. Die erwähnte Herzogin Anna grün-dete bereits im I. 1256 an dieser Stelle ein Hospital zu Ehren derh. Elisabeth und übertrug die Aufficht darüber den Kreuzherren mit demrothen Stern. Sie und ihr Sohn, Herzog Heinrich III., überließendem Orden zur Errichtung eines Klosters und einer Kirche ihre fürst-lichen Residenzen, die an dieser Stelle standen, und ihre damals schonvorhandene Hofkirche zu St. Matthias. Die in Krcuzesform gebauteKirche ist augenscheinlich eines der ältesten Gebäude Breslaus, das In-nere hat indeß nichts Alterthümliches. Der daneben stehende achteckigeThurm hat eine ungewöhnlich konstruirte, moderne Blechspitze. Dassehr hohe und im Stil fürstlicher Paläste zu Anfang des 18. Jahrhun-derts erbaute Stiftsgedäuve wendet seine Schauseite, die ehemaligePrälatur, mit zwei stattlichen Giebeln, einer herrlichen Kuppel undeinem erkerartig vorspringenden, oben an der Plateforme mit Statuengeschmückten Thorthurm, dem Strome zu, der hier leider keine rechteTotalansicht des schönen Gebäudes gestattet, das gegenwärtig nebst derKirche dem hiesigen katholischen Gymnasium überwiesen ist.
Wenden wir uns jetzt wieder zum Hauptplatze und Mittelpunkte derStadt, dem sogenannten Ringe, zurück. Die ansehnlichsten Straßen,die von ihm ausgehen, sind: die Schweidnitzer-, Ohlauer-, Albrechts-straße und die Schmiedebrücke. Die Schweidnitzer Straße, die nachder gleichnamigen Vorstadt führt, erweitert sich an ihrem Ausgangc zu