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^reSlau, die Hauptstadt Schlesiens, liegt fast in der Mitte desLandes, an den Ufern der Oder, die hier mehrere Inseln bildet, infruchtbarer Ebene, die auf der Süd- und Westseite von mäßigen Höhenumschlossen wird. Sie zerfällt in die eigentliche oder innere Stadt undin die Vorstädte. Die eigentliche Stadt liegt am linken Oderufer undwird von der Ohla, einem kleinen Flüßchen, das am Nordwest-Endeder Stadt in die Oder mündet, durchflossen. Seitdem ihre ehemaligenWälle und Festungswerke im Jahr l8M gesprengt worden, wird sie seitdem Jahre >314 von schattigen Baumalleen, Anlagen und Gärten um-geben, blos die ehemalige Taschen - und Ziegel-Bastei sind als herrlicheAussichtspunkte stehen geblieben und mit Anlagen geschmückt. Dieseeigentliche innere Stadt liegt auf einem unregelmäßigen Vieleck, dessenFläche bei einem Umfange von >370 und einem mittleren Durchmesservon 367"/z Ruthen, 690 Morgen preußisch (nach einer andern Angabe,mit Einschluß des Bllrgerwerders und des Mühlplatzes, nur 650) be-trägt. Die größte Länge von West nach Ost (d. h. von der eisernenoder Königs-Brücke bis ans Zicgclthor) hält 430 Ruthen; die größteBreite von Süd nach Nord (d. h. von der Brücke über den Stadt-graben am Ausgange der Schweidnitzer Straße bis ans Oderufer hinterder Universität) 305 Ruthen. Unmittelbar an die Stadt schließen sichdie weit ausgedehnten Vorstädte, die blos durch den Stadtgrabe» oderdurch den Oderstrom von ihr getrennt sind. Drei derselben, nämlichdie Nikolai-, Schweidnitzer und Ohlauer Vorstadt, befinden sich aufdem linken; die übrigen, nämlich die Sandvorstadt, der vordere undHintere Dom, die Odervorstadt und der Bürgerwerder, theils auf In-seln, theils auf dem rechten Ufer der Oder. Die Verbindung mit die-sen letztgenannten, durch den Strom getrennten ^Stadtthcilen wird durchdrei hölzerne Brücken, die Mühl-, Sand- und Odcrbrücke, unter denendiese die längste ist, vermittelt.
Die Stadt, die sich schon in der Ferne durch ihre zahlreichen Thürmeund Kirchen als die alterthümliche Metropole des ganzen Landes dar-stellt, bietet von den verschiedenen Seiten die verschiedensten Ansichten.In ihrer ganzen Länge und Ausdehnung entfaltet sich die Stadt demBeschauer von der Paßbrücke bei Scheitnig, desgleichen von den ver-schiedenen Punkten der obcrschlesischen Eisenbahn aus; enger zusammengedrängt erscheinen die Massen der Thürme, wenn man auf der Frei-burgcr Eisenbahn sich der Stadt nähert; noch interessanter erscheint dieStadt an der Stromseite, wenn man von der Ufergasse aus den Oder-strom hinabblickt, der sich hier zwischen den Masse» der Kirchen gleich-sam hindurchzudrängen scheint.
Breslau ist der Sitz des K. Obcrpräfidiums, des General-Com-mando's, der höchsten Civil- und Militär-Behörden der Provinz, undzugleich des Fürstbischofs des Breslaucr Bisthums. Stadt und Vor-städte enthalten im Ganzen 33 größere und kleinere öffentliche Plätzeund >36 Straßen und Gassen. Die Zahl der Kirchen und Gotteshäuser
beträgt seit der im I. >810 erfolgten Aufhebung der geistlichen Stifterund Klöster nur noch 33, wovon die Mehrzahl den Katholiken gehört.Außerdem enthält die Stadt nebst den Vorstädten: 297 Staats- oderzu Gemeinde-Zwecken bestimmte Gebäude, 4036 Privat-Wohnhäuser,274 Fabriken, Mühlen und Privat-Magazine, >86l Ställe, Scheunenund Schoppen. Nach der neuesten, zu Ende des Jahres >843 veran-stalteten Zählung hatte die Stadt mit Einschluß des hiesigen Militärs>03282 Einwohner, wovon 66450 evangelisch, 30483 katholisch, und6349 jüdischer Religion waren.
Wir gehen zur Beschreibung der einzelnen Stadttheile über.
I. Die innere oder eigentliche Stadt.
Sie ist von Allee» und einem stets bewässerten und durch Schwänebelebten Stadtgraben umgeben, an der Nordseite dagegen wird sie vonder Oder und ihren Nebenarmen begrenzt. Sie hat sechs Thore odervielmehr Ausgänge mit Brücken, nämlich das Nikolai-, Schweidnitzer«,Ohlauer- und Ziegel-Thor, und, nach der Oderseite hin, das Sand-und Oder-Thor. Die Straßen dieser inneren Stadt sind meist ziemlichbreit, geradlinig und regelmäßig. In der Bauart herrscht die Giebel-form vor. Die Häuser sind von Stein und größtcntheils sehr hoch;nur in dem östlichsten Theile der Stadt, der sogenannten Neustadt,sind die Häuser theilweise niedriger und unansehnlicher.
Den Mittelpunkt der eigentlichen Stadt bildet der Ring sim Volks-munde der große Ring genannt), der zugleich der schönste, geräu-migste und großartigste ihrer öffentlichen Plätze und auch der be-lebteste Centralpunkt alles städtischen Verkehrs ist. In der Mitte desweiten, von stattlichen Häusern umgebenen Vierecks erhebt sich das imedelsten gothischen Stil unter Kaiser Karl dem Vierten (um >350—>360)erbaute Rath Haus mit seinem zierlichen Thurme, dessen kupferne,mit vergoldeten Knöpfen verzierte Spitze zweimal durchbrochen ist. DieSüdseite des Rathhauses mit den beiden zierlichen Erkern, die mitherrlichen Steinarbeiten und Bildwerken geschmückt sind, wurden erstim I. >47> vollendet, und zwar in dem späteren, reich verzierten, fastüberladene» gothischen Baustil. Ganz in der Nähe des Ringes steigenauch die beiden evangelischen Hauptkirchen der Stadt, die St. Elisa-beth- und die Maria Magdalencn - Kirche mit ihren stolzenThürmen empor, jene an der Nordwestseite des Platzes!, diese nahe ander Ostscite desselben.
Die Kirche zu St. Elisabeth, eine der ältesten und größtender Stadt, wurde bereits im >3. Jahrhundert und zwar binnen vierJahren (von >253 —>257) aufgeführt. Sie ist in ihrem Inneren reichan Denkmälern aus Erz und Stein, desgleichen an trefflichen Schnitz-werken und Gemälden, besonders aus der letzten Hälfte des >5. unddem Anfange des >6. Jahrhunderts; auch ist sie die Begräbnißstätte fastaller bedeutenden Männer, welche die Stadt im >5., >6. und >7. Jahr-