Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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stände. Hier ist ein Theater. Die berühmte Armbrust, in der Wart-stubc des Rathhauses hängend, ist von einem gewöhnlichen Mann nichtzu spannen. Sie soll >661 hierher gekommen sein und es knüpft sich einebekannte Sage an dieselbe. *) Zunächst dem Glogauerthor auf einerAnhöhe ist die Burg, jetzt Sitz der königl. Behörden. Man erblickt nochWälle, Mauern und zwei Thürme des 1170 errichteten Schlosses. DieBurg muß sehr fest gewesen sein, weil sie zweimal in höchst kritischenZeiten sich halten konnte, einmal, als am 9. April 1241 nach der Tar-tarenschlacht die Stadt von allen Bürgern verlassen in Flammen anfging;und dann >430. als die Husfiten hier hausten. Im I. >711 brannte sieab. Die Kapelle der Burg war zum Gottesdienst des der reformirtenLehre ergebenen Fürstenhauses bestimmt; sie wurde nachmals den Katho-liken eingeräumt, dient aber längst nicht mehr zu kirchlichen Zwecken.

Die Umgebung von Licgnitz gibt z» schönen Spaziergänge» (z. B.Sophicnthal, Lindenbulch u. a t Anlaß, oder man macht Ausflüge nachWahlstadt. l V« Meile von hier. In der Nähe der Stadt sind 3 Schlacht-felder, die einen geschichtlichen Namen haben. Vor dem Goldbergerthorsiegten an, 13. Mai 1634 die Sachsen unter Arnheim über die von Collo-redo geführten Kaiserlichen. Vor dem Glogauerthor gewann am 15. April>760 Friedrich der Große eine Schlacht. Er hatte eine Stellung ein-genommen, in welcher Dann ihin eine Schlacht zu liefern gedachte. I»der Nacht vom 14. änderte Friedrich dieselbe. Laudon rückte in der Däm-merung vor und beabsichtigte einen Ueberfall wie bei Hochkirch. Alleiner wurde mit Macht zurückgeworfen. In der Dunkelheit konnte er Fried-richs Stellung nicht beurtheilen, seine Reiterei gab daher die Flanke Preis,in welcher sie die preußischen Kürassiere znrücksprcngten. Mit dem Tagegriff nun Friedrich noch stärker an und fast die ganze Linie der Kaiserlichenwurde gefangen. Wenige Stunden nach Sonnenaufgang endigte die Schlachtmit der völligen Niederlage Laudons. Dann, der nun die Preußen iyder alten Stellung angriff, merkte bald was vorgegangen war, und zog.

*)Liegnitzische Merkwürdigkeiten v. Wahrende» ff" enthält diese Sage in Versen: dasseltene Buch gibt über die Kirchen. Inschriften und andere Seltenheiten der Stadt sehrgenaue Nachrichten.

als Friedrich anrückte, bei Liegnitz über die Katzbach zurück. Diese Schlachthatte große Folgen. Friedrich fürchtete vorher, daß das stärkere russisch-österreichische Heer ihn zurückdränge, oder daß seine und des PrinzenHeinrich Streitmacht einzeln vernichtet werde. Jetzt konnte er sich mitdiesem Prinzen verbinden und nöthigte, als es geschehen, die Russen überdie Oder zurückzuweichen, wodurch auch die schlcsische Hauptstadt für jetztgerettet war. An der Katzbach siegte endlich Blücher. 26. August1813 über die Franzosen; nach dem Kloster Wahlstadt, in dessen Näheer sie schlug, wurde er Fürst von Wahlstadt genannt. Bei diesem Klo-ster war schon 124l die Tartaren- oder Mongolenschlacht, wo dieHerzoge Schlesiens zwar von den asiatischen Horden überwältigt wurden,aber doch deren Kraft gebrochen hatten. Eine Tcufelsfratze scheint dieChristen hauptsächlich erschreckt zu haben. Der Körper Heinrichs desFrommen wurde ohne Kopf da gefunden, wo jetzt der Altar der evangel.Kirche steht. Bald erhob sich eine Kapelle über dem Platz und reihten sichHäuser an, so daß der Orl entstehen konnte. Zum Andenken an die welt-hlstor.sche Begebenheit wird alle Jahre Sonntag nach Ostern indieser Kirche die Beschreibung der Schlacht verlesen. Das Benediktiner-kloster auf einer Anhöhe ist mit Brannau in Böhmen verbunden. AuchWald au, Vz Meile von Liegnitz, in der schlesischen Geschichte nicht un-wichtiger Ort, verdient einen Besuch des Reisenden.

Die Geschichte der deutsche» Literatur nennt uns bei Liegnitz den Na-men eines Dichters: Hans Aßmann von Ab schätz, der zwar nicht zuden bedeutendsten gehört, doch in der traurigen Zeit des >7. Jahrhundertsimmerhin erwähnt zu werden verdient. Er war zwar zu Wörbitz inSchlesien geboren, erhielt aber auf der hohen Schule zu Liegnitz seine Bil-dung und starb in dieser Stadt 1699 als Landeshauptmann, nachdem erbei den Breslauer Fürstentagen als Liegnitzer Abgeordneter eine nicht un-bedeutende Rolle als Staatsmann gespielt hatte. Einfachheit in der Dar-stellung und Correktheit zeichnen seine Dichtungen in jener Zeit aus.

Eine Fürstin von Liegnitz kommt noch in der neuesten Geschichtedes preußische» Königshauses vor. denn der letztverstorbene König legteseiner zweiten Gemalin, einer geborenen Gräfin Harrach. diesen Titel bei.