A t e g n i t 5.
«^'ie Hauptstadt eines durch seine Industrie ausgezeichneten Regie-rungsbezirks. der Theile von Niederschlesien und der Oberlausitz begreiftund auf 250 sHM> über 800.000 meistens Protestant. Einwohner zählt,liegt in einer schönen und fruchtbaren Ebene, am Zusammcnstuffe derreißende» Katzbach und des Schwarzwassers, 33°. 32' L. 57°, 12', 30"Br.. 8'/z Meile westlich von Breslau, 7 Meilen von Glvgau entfernt.Es ist sehr regelmäßig gebant. hat 4 Borstäbte, von welchen eö ei» Wall-graben und Gärte» trennen, lange und ziemlch breite Straßen, einengroße» und kleinen Marktplatz und schöne, ansehnliche Hauptgebäude. Dergrößere Theil der Stadt ist »ach dem siebenjährigen Kriege von Steinaufgebaut worden. Die Zahl der Häuser mag um 1380, die der Ein-wohner etwa >4,000 betragen, worunter über 2,000 Katholiken. Nochzu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts — >807 — zählte Liegnitz kaum7200 Einwohner. ES wird nächst Breslau für die größte, schönste undreichste Stadt von Schlesien gehalten. Wir bemerken vier Thore: dasBreslauer, Goldberger, Hapnauer und Glogauer Thor. Die Vorstädtehaben einen uugemcin fetten Boden, weshalb die Aecker hier und in derNähe die besten Gartengewächse und seine Gemüse hervorbringen, womitjährlich über 100,000 Thlr. verdient werdet,. Liegnitz war bis zum Jahre1758 Festung, wo Friedrich II. die Werke abtragen ließ. Sie wurden inGärten und Baumgänge verwandelt, wovon der Lüneviller am schönstenist. Der Kreis Liegnitz bringt alle Arten von Gctraide in Menge hervor,so daß die Gebirgsbewohner noch davon beziehen können, wodurch derVerkehr in der Hauptstadt sehr gewinnt. Die Einwohner der Stadt sindfleißig und großentheils wohlhabend. Sie unterhalten viele Fabriken undManufakturen, z. B. in Barchent, Baumwollen, Leinwand, Strümpfen,Leder, Tabak und Stärke. Schon 1808 konnte die Tuchnianufaktur vonRussen auS Goldberg leicht gegen 300 Menschen beschäftigen. Auch Passiv-Handel wird getrieben und zwar mit Zucker, Kaffee, Speccrci- und Ma-terialwaaren; nicht nur die Einwohner der fruchtbaren und bemitteltenUmgegend der Kreisstadt beziehen Vieles aus derselben, auch ins Gebirgeund andere Gegenden von Schlesien gehe» die Handelsartikel ab. Brauereiist ein nicht unbedeutender Rahrungszweig. Die Stadt hält jährlich vierJahrmärkte, nämlich zwei Vieh- und zwei Wollmärkte, wozu wöchentlich»och der große Getraive- und Garnmarkt kommt, die gewöbnlich stark be-sucht werde». liegnitz besitzt gute BildungSanstaltcn, ein protestantischesGymnasium, die Ritterakademie und andere Schulen. Die Nitterakadcmiein einem schöne», großen Gebäude, wurde ron Joseph I. 1708 zur Bil-dung des jungen schlesischen Adels gestiftet und glänzend ausgestattet.Neuerdings ist sie in eine Lehr- und Erziehungsanstalt verwandelt, dieauch bürgerliche Knaben als Pensionäre annimmt und nur bestimmteStellen, >4 an der Zahl, dem Adel aufbewahrt; ihre Bibliothek hat über6000 Bände, ihr Naturalienkabinet ist gut, auch hat sie sonst Apparate zuwissenschaftlichen Zwecken. Unter den schönen Kirchen von Liegnitz nen-nen wir zuerst: St. Peter und Paul, auch die Oberkirche genannt.Sie ist anfangs von Boleslaw den. Kahlen errichtet, aber schon 1333 vonder Bürgerschaft aus Stein gebaut worden. >333 brannte sie ab, beiwelchem Feuer auch das NathhauS litt und viele Dokumente der Stadtverloren gingen. Der Thurm wurde 1592 verbessert, brannte aber amMartinStag 1643 ab und die Glocken schmolzen. Diese Oberkirche ist schönund hoch, reich an Werken der altdeutschen Kunst, hat eine schöne Orgel,
Büchersammlung und Handschriften. Von dem Thurme genießt man eineschöne Aussicht. nicht nur auf die Stadt selbst, auch nach Wahlstadt, Glv-gau , Grunberg u. s. w. hin. Nächst dieser bemerken wir die Kirche II n sre rLiebe» Frauen, die im Gegensatz zu der Erste» auch Nicderkircheheißt. Sie ward im Jahre IlSI gebaut. In ihr hörte Herzog Heinrichder Fromme zuerst die Messe, ehe er 1241 gegen die Tartaren zog; vollEiser erwartete er aber nicht den Segen, und man erzählt, daß als erdurch das BreSlaucr Thor reiten wollte, ihm ein Ziegelstein von der Kircheauf den Kopf fiel, was man wie natürlich für ein schlimmes Vorzeichenannahm. DaS Thor mußte freilich damals der Kirche noch näher sein,als in späterer Zeit. Schon 1524 wurde in dieser Kirche das heil. Abend-mal unter beiderlei Gestalt gespendet. — Eine dritte Kirche ist die St.Johannes des Täufers. Zu ihr legte Herzog Heinrich V. den Grund1294. Er übergab sie auch nachher den Franziskanern, die er von Breslauhierherbrachte. Sie wurde mit dem Kloster 1341 erweitert. Als dieHussiten 1423 heranzogen, wollte Herzog Ludwig II. die Stadt in gutenVertheibigungSzustand bringen, ließ daher den Dom vor dem GlogauerThore abbreche» und Kanoniker und Vikarien an diese Kirche setzen. Schon1522 wurde Luthers Lehre daselbst eingeführt. Später war die Kirche Be-gräbnis der Herzoge und ihrer Hofleute. 1617 setzte der Herzog Rudolfreformirte Prediger an diese Kirche, die aber bald wieder entlassen wur-den. 1698 entfernte der Kaiser Leopold die evangelischen Prediger undgab das Gotteshaus den Jesuiten. Die ansehnliche Bibliothek wurde aufdas Schloß gebracht und 1709 der Ritterakademie zugetheilt. Die alteKirche ward 1714 eingerisseu und der Grund zur Neuen gelegt. Dasschöne Gebäude hat zwei Thürme und ist im Innern geschmackvoll. DerKunstfreund wird unter den Gemälden besonders von zwei — ChristiTaufe von Krause — und dem heil. FraneiSkus von Willmann —angezogen werden. An der Nordseite der Kirche liegt die Fürstengrust,über ihr eine Kapelle. Hier sehen wir in vier Nischen drei Metallsärge;zuerst den der Herzogin Luise von Anhalt, 51680; der vertrocknete Körperist noch zu erblicken. Daneben steht der Sarg ihres GemalS, 5 1672; diedritte Nische ist leer, sie war für eine Tochter der Genannten bestimmt,die aber nachher zum katholischen Glauben übertrat und ein anderes Graberhielt. In der vierten Nische steht der offene Sarg dcS Sohnes jenesEhepaars, der >675 starb, und mit welchem der Stamm der Piastenerlosch. Friedrich der Große gewann später seine Rechte auf die seitdemverwaisten Fürstenthümer mit gewaffueter Hand. Auch in der eigentlichenGruft ruhen mehrere fürstliche Leichen. — Nahe dem BreSlaucrthor amDominikanerkloster ist die Kirche zum heil. Kreuz. Sie ward 1277 er-baut und den Dominikanern übergeben. Schon 1290 ward das Klosterein Raub der Flammen. Als >526 die Zahl der evangelischen Bekenncrin der Stadt zunahm, kamen die Dominikaner von Liegnitz weg. HerzogFriedrich II., der seit 1529 auf kaiserl. Befehl die Stadt befestigte und dieReste des Doms vollends niederriß, gab das Kloster den Benediktiner-nonnen. die es bis 1810 bewohnte». Das Kloster ist jetzt Schulgedäude.— Vor dem Hapnanerthor liegt das 1707 — 9 gebaute und 1310 auf-gehobene FrauciSkanerkloster, mit einem schöne» Garten und dem bekanntenHcdwigSbrunnen. In dem ehemaligen Jesnitencolleg — einem ansehn-lichen Gebäude, ist jetzt eine Fabrik. — Das NathhanS der Stadt, mitseinen Nebengebäuden 1732 aufgeführt, hat einige altcrthümliche Gegen-