K c h w e t d n i t z.
El-
er z» dkm Regierungsbezirk Brcslau gehörige Schweidnitzer Kreis,uinschlosscn von den Kreisen Breslau, Neumarkt, Striegan, Waldenbnrg,Neichendach und Nimpsch, ist zwar bergereich, aber auch fruchtbar. DieKreisstadt und Festung Schweidnitz, im Lateinischen 8,ii<inmi»>» genannt,liegt 6Vz Meile im S.W, von Breslau, auf dem linken Ufer der Wcistritzooer des Schweidnitzer Wassers, über welches hier eine steinerne Brückefübrt, 34° 15' 30" L. 50° 47', 8" Br. und 779 Fuß über der Ostsee.Die Umgebung der Kreisstadt ist reizend und wird unter die schönstenGegenden des an Naturschönheiten gewiß nicht armen Schlesiens gerechnet.Die Stadt selbst gehört zu den ansehnlichsten des Landes. Sie hat siebenThore, zwei öffentliche Plätze, gegen 800 Hänser und jetzt über 10 000Einwohner, während es noch vor 40 Jahren nur etwa 7600 zählte, wiesich aus der statistischen Uebersicht bei Siuapius (Menschenzahl der schle-sischen Städte im Jahr 1807) ergibt, wo es mit 7623 Menschen angeführtwird Man hat in der Stadt 8 katholische Kirchen von verschiedenemAltert die katholische Pfarrkirche hat den höchsten Kirchlhurm in ganzSchlesien, von welchem man eine weite Aussicht genießt; auch enthält sieschöne Gemälde. Die evangelische Kirche ist eine der drei Friedenskirchen,welche der König Ferdinand in dem westfälischen Frieden erbauen zu wolle»versprach. Das Rathhaus der Stadt, ein altes und ansehnliches Gebäude,hat einen Thurm, einen Natbskelter und ein Theater. Wichtig ist diedaselbst befindliche Urkundensanimlung, sowie einige Alterthümer, z. B.ein Schwert von Herzog Bolko >. ans dem 13. Jahrhundert und 7 Fußlang, einige Pauken ans derselben Zeit. Zu den Unterrichtsanstalteii ge-hört em protestaniisches Gvninasiui»; im Kloster der Ursulinerinnen isteine Mädchenschule ähnlich wie die Erzichnngsanstalten derselben Schwesternzu Breslau, Köln und Frankfurt. Auch gibt es hier Waisen-Bcherbergungs-nnd Unterstiitzungs-Anstalten anderer Art, sowie ein städtisches Armen-iliid Arbeitshaus. Die thätige» Bewohner unterhalten vielerlei Fabriken.z.B. in Tuch, Handschuhen, Zwirn, Leder. Band Nasch Strümpfenu. dgl., auch gibt es Tabaksfabrrkantcn. Seifensieder und Prefferküchlerhier, welche letztere besonders bekannt sind und beliebte Waare liefern!der Handel wird auch mit Papier, Getraide, Gar», Wolle und Vieh ge-trieben, sowie nicht weniger die Braiiiitweliibreiiiiereic» und Bierbrauereienzu erwähnen sind. Letztere scheint jedoch in den letzten Jahrzehnten etwasabgenommen zu haben. Schon Siuapius bemerkre 1808: „Ehedemwar die Bierbrauerei ei» Hauptnahrungszweig der Stadt, indem man dashiesige Bier weit und breit verführte." Er setzte hinzu: „Es würbe sichsehr der Mühe lohne», den Ursachen nachzuspüren, warum die Brauereienso vieler schlcsischcn Städte gegenwärtig das nicht mehr sind, was sie ehe-dem waren." Ob dies jetzt noch gilt, wissen wir nicht anzustthreu, aberdie Hauptursache bleibt wohl die immer steigende Bierkultur, bei welcherjetzt viele deutsche Städte ein vortreffliches Bier selbst liefern, deren Ge-bräu man sonst gar nicht wollte oder kannte, so daß die einst durch ihrBier berühmten Orte deshalb weniger Absatz haben können. Zu diesenStädten, deren Bier in vorigen Jahrhunderten weit berühmt war, ge-
hörte Schwcidnitz, vas sogar mit der Hauptstadt Brcslau wetteiferte, wieuns aus der Geschichte des Schweidnitzer Kellers bekanntwird. DieserKeller unter dem Breslauer Rathhaus soll schon 1356 gebaut wordensein. Zuerst zapfte man nur Wein, darauf das in Breslau gebraute BierSchöps. Als aber nachmals das Schweidnitzer Bier den Schöps über-traf. wurde dieses hier gezapft, der Keller erhielt seinen, noch jetzt bei-behaltenen Namen und hatte lange das Recht des ausschließlichen Bier-schanks, wodurch er natürlich immer mehr in Aufnahme kam.*)
Das Schicksal der Stadt, über deren älteste Geschichte wenig Zu-verlässiges ermittelt wird, war immer mit dem von Schlesien auf dasGenaueste verbunden. In den Jahre» 1449 und 1453 fanden hier heftigeJudcnverfolgnngen statt. Durch den Berliner Hauptfriedensvcrtrag kamSchwcidnitz 1742 an den König von Preußen. In früherer Zeit bestandihre Befestigung aus einer dreifachen Mauer, in der Weise der mittel-alterlichen Festungsanlagen. Der König Friedrich ll. ließ sie von 1748an mit abgesonderten Forts befestigen. Weil diese aber nicht verbundenwaren, so umgingen die Oesterreicher 1757 ein Fort, eroberten alsdanndie Festung und machten die preußische Besatzung zu Kriegsgefangenen.Als diese Eroberung geglückt war, fingen zwar die Kaiserlichen an, Ge-meinschaftslinien zu neuer Befestigung zu erbauen. Diese waren abernoch keineswegs fertig, als die Preußen 1758 wiederum ein Fort er-stiegen, nach dreizehntägiger Belagerung sich von Neuem der Festung be-mächtigten und auch diesmal die Besatzung kriegsgefangen nahmen. DiePreußen suchten nun die Verbindungslinien in einen guten Stand zusetzen, hinderten aber gleichwol damit nicht, daß Laudon am I. Okto-! der 176l und zwar diesmal ohne eine vorausgegangene Belagerung dieFestung im Sturm eroberte und den Gcncrallieutenant nebst 3000 Mannals Kriegsgefangene in seine Gewalt bekain. Die Linien wurden nundurch die Ocsterreichcr noch weiter vervollkommnet und man hielt dieFestung für wichtig genug, eine starke Besatzung hierher zu verlege», wo-durch dann die Preußen zu einer neuen Belagerung, welche diesmal vom7. August bis 9. Oktober 1762 dauerte, genöthigt wurden. Ueber dieseletztere Belagerung liegt eine besondere Schrift (Hannover, >774) voruns. worin behauptet wird, „daß sowohl der Angriff als die Vertheidigungnach allen Regeln der Kunst und mit der größten Herzhaftigkcit geführtund vorzüglich die Minen und Gegenminen von beiden Theile» zur Be-förderung von eines Jeden Absicht sehr schön angewendet worden." Nachder Ansicht des ungenannten Verfassers dieser kleinen Abhandlung würdesich die damalige Besatzung von Schwcidnitz wohl noch eine Zeit langgehalten haben, wenn nicht ihr „vornehmstes Pulvermagazin" aufgeflogenund dadurch „daS angegriffene Fort in der Köhle geöffnet worden wäre".Damals nun geriethe» 9016 Mann in Gefangenschaft; ihr Befehlshaberwar Gcncrallieutenant von Gnasco; die Belagerer führte Gcnerallicu-
In den Zimmern zeigte man allerlei Merkwürdigkeiten und Sonderbarkeiten. Lächerlicheund anstößige Gebrauche der alten Biergäste sind abgeschafft.