mit dem außer seinem Bruder, dem Bischof von Munster, fast ganz West-falen verbündet war, nicht gewachsen zu sein glaubte, warf sich demHerzog Johann von Cleve in die Arme, mit dessen Hülfe es endlich sieg-reich aus dem Kampfe hervorging, obgleich es Dietrich mehrere Male undzuletzt 1447 mit einem Heer von 80,000 Mann heftig bestürmte, in wel-cher letzten Noth es nur durch verzweifelte Gegenwehr, ^an welcherselbst die Frauen Theil nahmen, gerettet wurde. Soest blieb nun un-ter Clevischer Hoheit, bis es nach dem Tode des letzten Herzogs JohannWilhelm, im I. 1609 an Johann Sigismund von Brandenburg kam,der einen Theil der Clevischen Lande besetzt hatte. Nachdem Soest auchdie Einwirkung der Reformation erfahren, welche mit bachantischemTaumel, fast wie in Münster, von einem Theil der Einwohner auf-genommen wurde, sank es seit dem 16. Jahrh, immer tiefer von seinerHöhe herab, bis im 30jährigen Kriege der sogenannte tolle Christian vonBraunschwcig, Spanier, Hessen und Kaiserliche das Vcrheerungswerkum die Wette betrieben. Auch seit dieser Zeit ist mehr zerstört, als auf-gebaut worden, ja, mehrere werthvolle Baudenkmale, wie die Set.Georgskirche, alle Thorthürme, welche zugleich Kapellen enthielten, bisauf einen, verlor es durch Engherzigkeit der Jetztzeit, die kaum dasErbe der Väter zu erhalten weiß, erst in neuester Zeit. Die Unzahlleerer Bauplätze innerhalb des Mauerringes, jetzt zu Gärten undFeldern verwendet, lassen einer Bevölkerung von kaum 8000 Einwoh-nern hinlänglich Raum, wo einst über 40,000 freie Bürger lebens-kräftig schaffeten und wirkten.
Bieten nun die Häuser und Straßen der Stadt außer der Umge-bung des mit einem Kaufhause gezierten Markts, des Domplatzes undder angrenzenden Theile viel Aermliches, wenig Bemerkenswerthcs, sobesitzt sie dagegen an kirchlichen Baudenkmalen aus den verschiedenenPerioden ihres Glanzes, welche sich über das Elend der Neuzeit erhe-bend, das ehemalige Stadtgebiet stolz überschauen, und in der Eigen-thümlichkeit ihrer Kunstformen auf eine selbstständige Kunstschule Soestsschließen lassen, einen wahren Schatz. Den ersten Rang nimmt dieehemalige Stifts- jetzt katholische Hauptkirche zu Set. Patroklus ein, vonderen Westseite unser Werk eine Ansicht gibt. Sie ward vom Erzbi-schof Bruno, einem Bruder Otto's d. Gr., begonnen, welcher ihr 963die Reliquien des h. Patroklus schenkte, die noch in einem sehcnswer-then, kostbaren Sarkophag, vom Goldschmied Rigcfried um 1313 ge-fertigt, ausbewahrt werden. Diese Kirche, eine im Rundbogenstpldurchgehends gewölbte Basilika, vielleicht die älteste ihrer Art von sol-cher Größe, zeichnet sich besonders durch eine Empore aus, welche denriesigen, auf Arkaden ruhenden Hauptthurm von 3 Seiten umgebend,im obern Stock den Blick ins Innere frei läßt, während das untere
sich in schön ausgeführten Bogengängen als Halle nach außen öffnet.Diese Einrichtung, welche sich auch an der gegenüberliegenden, obenschon erwähnten Petrikirche findet, wird noch merkwürdiger durch dieim obern Stock befindliche noch einen Vorrath von.Pfeilen und Arm-brusten enthaltende Rüstkammer der Stadt, welche sich als Gewährder Sicherheit dort im Schutze des Stadtheiligen befindet — ein Ge-genstück zu den in den Thorthürmen angebrachten Kapellen und dieselbe,das Mittelalter charakterisirende Vermischung des kriegerischen Geistesmit dem religiösen bekundend. — Trägt dieses ehrwürdige Denkmalnebst der merkwürdigen von 2 Säulen getragenen Nicolaikapelle denreinen frühromanischen Rundbogenstpl an sich, so zeigen die später zu-gefügten Theile der Petrikirche, die Set. Pauls-, Set. Thomas- undMarienkirche zur Höhe mehr oder weniger das Erwachen des Spitzbo-genstpls, der sich an der jetzt verödeten grauen Klosterkirche in groß-artiger Einfachheit, an der Marienkirche zur Wiese jedoch zur höchstenBlüthenpracht entfaltet findet. Letztere Kirche, von deren Südportal unserWerk eine Ansicht bietet, gehört, wenn auch leider in den Thürmen unvoll-endet, zu den schönsten Mustern des deutschen Stpls, welcher hier in einer,fast weibliche Grazie athmenden Harmonie und Zierlichkeit der Formenund Verhältnisse ausgeprägt ist. Bei mäßiger Ausdehnung in Längeund Breite erhebt sich das Gewölbe zu einer Höhe von beinahe100 Fuß, von.kaum 4 Fuß dicken Pfeilern getragen, deren scharfeGliederungen ohne Unterbrechung senkrecht aufsteigend, sich als Ge-wölberippen oben ausbreiten. Die höchste Pracht in Gliederungen undSculpturen entfaltet aber das Chor des Mittelschiffs, in welchem eineInschrift das Jahr der Gründung, 1331, und zugleich den Namen desBaumeisters, Joh. Schendeler, verkündet. Die 70 Fuß hohe» Fensterenthalten in theilweise wohl erhaltenen Glasmalereien Darstellungen ausdem Leben der h. Jungfrau, so wie im Innern noch manche wohlerhalteneGemälde und Schnitzwerke, zum Theil aus andern Kirchen hierher versetzt,die hohe Blüthe der mittelalterlichen Kunst in Soest bezeugen. Erst kürz-lich hat der König von Preußen 40,000 Thlr. zur Herstellung dieses einzi-gen Bauwerks, wie auch eine namhafte Summe zur Reparatur des in un-serem Werke ebenfalls dargestellten Osthofer Thors verwilligt, welches letz-tere dem Alter nach die Reihe der Bandenkmalc des Mittelaltcrs schließt.
Soest ist der Gcburts- und Wohnort des berühmten Goldschmieds,Malers und Kupferstechers Heinrich Aldegrever, der zu Anfangedes 16. Jahrh, lebend, besonders als letzterer Ausgezeichnetes leistete,wie seine zahlreichen Werke »och jetzt bezeugen.
Einiges Leben erhält Soest durch die hindurchführende, beide Lan-dcstheile verbindende Hauptstraße. Sie besitzt ein Gymnasium undLehrerseminar, ein Stadtgericht und mehrere städtische Behörden.