der neue» Lehre zu und suchte diese in den ihm unterworfenen Lan-den einzuführen, wobei ihm jedoch das Domcapitel und die Ständekräftig entgegentraten. Nachdem er vom Pabste 1347 seiner Würdeentsetzt auf das BiSthum verzichtet hatte, wurde Rembert von Kersen-broch erwählt, welcher die Protestant. Prediger aus der Stadt wiesund alle Spuren der Reformation im ganzen Bisthum vertilgte. Nochwirksamer waren die Maaßregeln seines Nachfolgers, Johannes 11,zur Befestigung des kath. Kultus, trotz der Unterstützung, welche Land-graf Wilhelm von Hessen den Abgefallenen gewährte. Dennoch glimmtedas verhaltene Feuer unter der Asche fort, und brach unter dem BischofTheodor von Fürstenberg (1585 — 1618) noch einmal heftig hervor.Hatte schon die Gründung des Jesuitenkollegiums 1592 bei dem, demLutherthume geneigten Magistrate Unwillen erregt, so wurden die Ver-hältnisse noch verwickelter durch einen Streit der Bürger mit demMagistrate selbst, dessen Stellen zur allgemeinen Unzufriedenheit dererster» in gewissen Familien gleichsam erblich waren, welche die Ein-künfte der Stadt höchst eigennützig verwalteten. Tue aufrührerischenBürger fanden bald in einem gewissen Liborius Wichards, der ausder Verbannung zurückgekehrt war, einen verwegenen Anführer. Die-ser setzte den bisherigen Magistrat ab und leitete die Volkswuth auchgegen den Fürsten, welchen er in seinem Schlosse Neuhaus mit einerKanonade bedrohte. Uebermüthig durch die bisherige Straflosigkeitfing er nun an, auch die Bürger der Stadt auf das grausamste zu behan-deln, und verschloß, auf gehoffte hessische Hülfe gestützt, dem Bischöfe, derdie Stadt zur Uebergabe aufforderte, die Thore. Letzterer befahl nuneine allgemeine Erhebung des Landvolks, wodurch erschreckt, die Bürgerdie Thore öffneten und diesen Paderborner Robespierre dem Fürstenauslieferten, wecher ihn einen schimpflichen Tod erleiden ließ.
Während des 3üjährigen Kriegs hatte P. mit dem ganzen Hoch-stift alle im Gefolge desselben einherziehenden Plagen, Raub undMord, Hunger und Pest zu erdulden. Den Anfang machte der soge-nannte tolle Christian, Herzog von Braunschweig, der auch den Domseiner Kostbarkeiten beraubte. Nachdem während dieser Schreckenszeitsogar die Existenz des Hochstifts mehrfach bedroht worden und diesesdurch schwedische Gewalt dem Landgrafen von Hessen zuerkannt undvon letzterem mehrmal in Besitz genommen war, machte endlich derwestfälische Friede dem Elend ein Ende. Sowohl der kath. Cultus,als auch das Bisthum blieben von nun an ungefährdet bis die franz.Revolution, die so manches lange Bestandene aus den Fugen rückte,auch dem mehr als tausendjährigen geistlichen Staate ein Ende berei-tete. Durch den Frieden von Lüneville 1802 wurde das Bisthum unterdem 54. Bischöfe Franz Egon secularisirt und der Krone Preußen alsEntschädigung zuerkannt, welche seitdem — die Dauer des westfälischenKönigreichs (1306—1813), zu welchem P. geschlagen war, abgerechnet —stets im Besitze geblieben ist. Das Domcapitel, dem die Bischofswahlzusteht, wurde unter dem verstorbenen Könige neu organisirt und demgeistlichen Gebiete des Bisthums nach andern Seiten hin ersetzt, wases nach der einen verloren hatte.
Wenden wir uns nun zur nähern Beschreibung der Stadt undihrer Denkmäler.
Das wichtigste darunter ist der Dom. Von Hathumar 797 zuerstbegründet, ward er im I. >000 ein Raub der Flammen. Rethar, der9. Bischof, starb über dem Neubau; sein Nachfolger Meinwerk vollen-dete diesen 1015 nach einem erweiterten Plane. Doch schon in demgroßen Brande von 1058 sank die Kirche wieder in Trümmer. Diewiederaufgerichtete wurde 1068 eingeweiht, aber schon 1133 wiedermit dem größten Theile der Stadt vom Feuer verheert Bernhard I.1127—1160 baute nun den in seinen Haupttheilen noch jetzt erhaltenenDom, welcher jedoch i» der Folgezeit, namentlich im 13. Jahrhundertmehrere wichtige Zusätze, wozu die Gewölbe und Fenster zu rechnensind, erhielt. Das besonders durch sein Inneres imponirende Gebäudehat eine Länge von 350, eine Breite von 100 Fuß. Mächtige 12 Fußdicke, 40 Fuß hohe Pfeiler tragen ein vom Boden 66 Fuß sich erhebendesGewölbe. Der colossale Hauptthurm an der Westseite hat, wie auf
unseren Ansichten des Domsund der Paderguelle» ersichtlich ist, spätermehrere Erhöhungen erfahren; das schlecht passende Thurmdach erhielter 1815, als ein Blitzstrahl das ältere zerstört hatte. Bemerkenswerthan und in dem Dom sind ferner: Das prachtvolle Südportal untereiner Vorhalle, das Nordportal, das Grabmal Rotho's des 11. Bi-schofs, im hohen Chor und die 3schiffige, 107 Fuß lange, 42 Fußbreite Krypta, die wohl noch von dem Baue Meinwerks übrig ist. —Westlich vom Dom ist die Stätte der von Meinwerk 1015 gegründetenberühmten Benedictinerabtei Abdinghof; bei Secularisation des Stiftsward auch es aufgehoben, seine ehrwürdige Kirche mit dem Grabe ih-res Gründers erst zu Pferdeställen, dann zu einem Zeughause verwendetund die Klostergebäude in eine Caserne verwandelt. Nördlich vom Domund nur durch einen schmalen Hof von diesem getrennt liegen die Ge-rolds- und Bartholomäuskapelle, die merkwürdigsten und ältesten Denk-male der Stadt. Erstere, von Gerold, einem Schwager Karls d. Gr.um 782 zu Ehren der heil. Jungfrau erbaut und anfangs wahrschein-lich mit dem Dome verbunden, besteht, so weit sie noch erhalten ist,aus einem einfachen Tonnengewölbe. Durch eingesetzte Wände jetzt in3 Theile getheilt, wovon die äußern zum Bedarfe des darüber gebau-ten Hauses benutzt werden, dient der mittlere als Durchgang in dieBartholomäuskapelle. Dieses prachtvolle, noch wohl erhaltene Bauwerkward von Meinwerk um 1020 mit einer der Folgezeit fremden Pietätunmittelbar an der Geroldskapelle errichtet, um dadurch jenes uralteDenkmal besser zu erhalte». Sechs schlanke, 14 Zoll dicke, 14 Fußhohe Säulen tragen das aus lauter Kuppeln gebildete Gewölbe, welcheEigenthümlichkeit, wie der Stpl des Ganzen, sich daraus erklären läßt,daß die Kapelle „per opei-urioz t-rueeos" erbaut wurde. Von dem Innernfindet sich in unserem Werke eine Ansicht. Ein anderes von Mein-werk herrührendes, noch größtentheils erhaltenes Denkmal ist die ost-wärts vom Dom gelegene ehemalige Stiftskirche S. Peter und Andreaszum Bustorf. Dieselbe wurde nach der Form der heil. Grabkirche zuJerusalem erbaut, deren Maaße der deshalb dorthin gesandte AbtWino mitbrachte. Das damit 1036 verbundene Chorherrenstift wurdeerst in neuerer Zeit aufgehoben. Die beigegcbene Ansicht ist aus demvon den alten Kreuzgängen eingeschlossenen Hofe aufgenommen undnur zu bedauern, daß dieser durch hohes Alter und Bauart ausge-zeichnete Theil, theilweise des Daches beraubt, seinem baldigen Unter-gange entgegen geht. Ans dem 12. Jahrh, stammt die südlich vom Domeliegende, früher mit einem Bencdictinerinncnconvente verbundene Gokirche,deren ursprüngliche Bestimmung als Pfarrkirche der neuangesiedelten Vor-städte schon ihr Name andeutet.
Von den neuern Kirchen muß vor allen die in eigenthümlichem Stplezu Anfang des 17. Jahrh, erbante Jesuitenkirche neben dem ehemaligenCollegium, dessen Gebäude jetzt zu einem kath. Priesterseminar und zumGymnasium dienen, erwähnt werden. Dann ist die Kirche des Frauzis-kanerklosterö, die des englischen Fräuleinconvents, deren Vorderseite manauf der Ansicht der Paderquellen gewahrt, ferner die des ehemaligenKapuzinerklosters und die des ebenfalls aufgehobenen, jetzt zu einem vonbarmherzigen Schwestern besorgten Hospitale verwendeten Kapuzinessen-klosters, alle 4 im 17. Jahrh, erbaut, sowie mehre Kapellen in undaußerhalb der Stadt zu nennen.
An weltlichen Gebäuden hat die Stadt außer dem im 16. Jahrh,erbauten Rathhause nichts Bemerkenswerthes aufzuweisen. Die höchstunregelmäßig um den Kern der Stadt, den Dom, gruppirten Straßen sindmeist mit unansehnlichen Häusern besetzt, dem Character der ganzen Ge-gend getreu, deren Wohlstand darnieder liegt, woran wohl großentheilsdie Aufhebung der vielen geistlichen Stiftungen, deren reiche Einkünftejetzt zu fernen Staatszwccken verwendet werden, schuld sein mag. Handelund Gewerbe der nicht viel über 5000 Einwohner zählenden Stadt sindunbedeutend und hauptsächlich auf die Bedürfnisse der geistlichen und welt-lichen Behörden angewiesen. Außer dem hier residirenden Bischöfe, demDomcapitcl und dem mit einer theologischen Facultät verbundenen Semi-nar und Gymnasium ist sie der Sitz eines Oberlandesgerichts und Stadt-gerichts, wozu noch einige städtische und Verwaltungsbehörden kommen.