preußisches Geld ward überall in Umlauf gesetzt. Die Feind-seligkeiten zwischen Preußen und England (1896) lasteten inihren Folge» schwer auf dieser vielfältig heimgesuchten Stadt,die es nicht bloß mit der Ebbe und Fluth der Menschenmassenzu thun hatte, sondern auch oft von dem Elbstrom und dessenübertretenden durch die Deiche brechenden Wassern Noth leidenmußte.
Die Annäherung Englands an Frankreich stellte die Rück-gabe der hannövcrschen Churlande an Georg III. wieder inAussicht. Preußen., das sich genöthigt sah, den Krieg gegenFrankreich hinfort hauptsächlich auf seine Schultern zu nehmen,sträubte sich Hannover zu räumen, fand sich aber gezwungen,diesen Schritt zu thun. An der Stelle der Preußen trafen bald,im November 1896, französische und holländische Truppen inHarburg ein. Mit dem Jahre 1897, dem Stiftungsjahre desKönigreichs Wcstphalen nahmen die Kriegsplagen in Harburgimmer mehr überHand. Einquartirung, Kricgscontribution,Conscription und tausend Blutsauger entkräfteten das Land.Im Jahr 18l9 hatte Harburg das Glück Se. neugebackeneMajestät den König Hieronpmus innerhalb seiner Mauern be-grüßen zu dürfen. Der König nahm, wie er seiner geschwächtenLcibcsumstäiide wegen gern that, ein Wcinbad und ein Dejeuners la kourckelle und bekümmerte sich um die guten Harburger,die allerlei auf dem Herzen und ihm vorzutragen hatten, nichtim Geringsten.
Im Jahre 1811 ward das Departement der Elbmündungenbekanntlich dem französischen Kaiserreich einverleibt, und mitdiesem neuen Ereignisse stieg die Noth in Harburg noch höherals unter dem Regiment des Königs Hieronpmus. Die Fran-zosen sorgten für Verbesserung der Landstraßen, versperrtenaber durch das berüchtigte Contincntalspstcm, die Straßen aufdem Meere. Die Harburger mußten den hermetischen Verschluß,in welchen? der Coutinent vor der englischen Berührung gehaltenwurde, bitter empfinden. Statt Colonialwarcn zu verpackenund zu versenden, gab es nichts als Soldatcnkolonien zu trans-portiren. Die Gränzwächter hausetcn längs der Elbküste schreck-lich, Mordbrennern nicht unähnlich; der verführerische Schmug-gelhandel stürzte Viele ins Verderben, entsittete das Volk undmachte Einzelne, welche den mit ihm verknüpften Gefahren mitGlück zu trotzen wußten, reich. Manche heutzutage angeseheneund reiche Männer in Hamburg und dessen Umgegend verdan-ken Ansehen und Vermögen der damals gäng und gebcncnSchmuggelei.
Nach dein verunglückten Zuge der Franzosen gegen Ruß-land und dem im darauf folgenden Jahre stattfindenden Ab-marsch der Franzosen aus Harburg erhielt Harburg wiederCosackische Einquartirung, Tettenborn unternahm von hieraus
seine Augriffe auf die französische Armeeabtbeiluiig, welche un-ter Morand ihre Stellung an der Elbe zu behaupten suchte,während aber General Morand auf Lüneburg zog, wo er be-kanntlich iin Gefecht fiel, wandte sich ein französisches Corpsunter General Bandamme wieder nach Hainburg, von wo ausdie Franzosen Harburg einnahmen. Im Jahre 1813 wurdeauf des Kaisers Befehl von Davoust eine eben so großartige alsmerkwürdige, eine Meile lange Brückenverbindung zwischen Har-burg und Hamburg hergestellt. Im Jahre 1818 wurde siewieder abgebrochen. Im Mai 1813 brannte die Schloßkircheund ein Theil des Schlosses zu Harburg ab. Das Feuer ent-stand durch Nachlässigkeit der französischen Soldaten die sichdurch ihre Plünderungen in der Umgegend, welche sich sogarauf die Kirchhöfe ausdehnte, und durch manche Frevelthatensehr verhaßt machten.
Die Alliirten suchten die in Harburg fest verschanztenFranzosen immer mehr in die Enge zu treiben. Nach denSchlachten bei Göhrda, Großbeeren, Dresden, Kulm undLeipzig wurden diese Angriffe entscheidender und mit größererEnergie als zuvor fortgesetzt.
Im October 1813 mußten alle Bewohner Harburgs,welche nicht im Stande waren, sich auf 6 Monat zu verpro-viantiren, auswandern. Die um die Stadt liegenden Häuserwurden von den Franzosen niedergebrannt, die alle Anstaltenzu einer verzweiflungsvollen Gegenwehr trafen. Alle Leidenund Schrecken einer belagerten Stadt mußten die Harburgerausstehen bis Davoust, nach dem Einzüge der Verbündeten inParis, seinen Soldaten das Ende des Kriegs ankündigte und am29. April 1814 die weiße Fahne am Thurme ausstecken ließ.Die ausgewanderten Harburger kehrten in die Stadt zurück,welche von den Franzosen vom 23 — 30 Mai geräumt wurde.
Dreißig Jahre des Friedens sind dieser unvergeßlichen unddrangsalrcichen Kriegs-Katastrophe gefolgt. Harburg ist durchden Segen dieses Friedens für alle ausgestandenen Leiden ent-schädigt und es scheint noch in viel höherem Grade entschädigtwerden, und zum vollen Genuß der Vortheile gelangen zusollen, welche ihm seine günstige Lage verspricht. Mit 1829 istzwischen Hamburg und Harburg eine regelmäßige Dampfschiff-fahrt, eine schönere Brücke als die von den Franzosen erbaute,hergestellt; gegenwärtig kann man während des Sommers fastalle zwei Stunden von einem Ort zum andern gelangen. DieFahrt ist kurz und höchst interessant; sie dauert weniger alseine Stunde und bietet fast mit jeder Schiffslänge eine neue rei-zende Aussicht auf die wasser- und wiesenreiche schöne Elbge-gend dar. Durch die Anlage der Eisenbahn nach Hannoverund einer Zweigbahn nach Lüneburg, deren Eröffnung bevor-