den die Interessen der Elbschifffahrt überhaupt in Erwägunggezogen. Es wurden Karten und Plane entworfen und wennauch zur Verbesserung der Elbschifffahrt, namentlich der aufder Oberelbe keine wesentlichen Schritte gethan wurden, dien-ten die angestellten Untersuchungen und Beobachtungen dochdazu, den Strom kennen zu lernen.
Georg I. starb bei seiner Anwesenheit zu Osnabrück (1727)ohne die Hoffnungen erfüllt zu haben, welche der HarburgerHandel auf ihn gesetzt hatte. Dennoch wurden die unter sei-ner Regierung angeregten Interessen des Handels und der In-dustrie auch unter der Negierung seines Nachfolgers Georg II.lebhaft gefördert. Mit besonderer Vorliebe wurde der Plan,Harburg zu einem künstlichen Seehafen umzuwandeln, wiederaufgenommen. Georg II. ließ das Bett der Elbe abermalsgenau untersuchen und beauftragte die Sachverständigen Ack-worth und Armstrong mit dieser Arbeit. Zu einem von denHarburgern sehnlichst gewünschten Resultat führten aber allediese Untersuchungen, Vermessungen, Plane und Vorschlägenicht, theils, weil die in der Nähe liegende WelthandelsstadtHamburg längst zum Hauptsammelplatz aller überseeischen Han-delöbewegungen geworden und jede Concurrenz mit Hamburgeine Aufgabe war, die schon an der bloßen Oertlichkeit Har-burgs, an dem niedrigen Wasserstand der Elbe scheitern mußte,theils weil durch den Ausbruch des siebenjährigen Krieges, inwelchem der König von England, als Bundesgenosse Frie-drichs II. auftrat, die Aufmerksamkeit der Welt wieder vonallgemeineren Interessen absorbirt wurde.
Im Jahr 1729 besuchte Georg II. das Churfürstenthumund auch die Stadt Harburg, wo sich wenige Jahre daraufviele aus dem Salzburgischen emigrirte Protestanten ansiedelten.Noch jetzt heißt eine jener Wohnungen, in welchen zu jenerZeit die Flüchtlinge aufgenommen wurden, das „SalzburgerHaus." Harburg übte an den Unglücklichen eine erinnerungs-werthe Gastfreundlichkcit.
Der dritte schlesische Krieg führte die Franzosen bis zurElbe. Am 3. September 1757 rückte der französische Obrist-lieutenant Grandmaison mit einer kleinen Mannschaft in Har-burg ein und besetzte die Stadt. Die Besatzung des Har-burger Schlosses weigerte sich zwar anfangs dem Feinde dieThore zu öffnen, capituline jedoch, der Uebermacht weichend,am 4. September des erwähnten Jahres und zog ab. Ehedie Franzosen sich von der Elbe nach dem Rhein zurückzogen,vertheidigte sich die unter dem Befehl des französischen Com-mandanten Marquis de Perrcuse stehende Garnison der Stadtund des Schlosses gegen die Angriffe der Alliirte». Der HerzogFerdinand von Braunschweig leitete thcilweise selbst den An-griff auf den Feind, der sich im Schlosse zu Harburg ver-
schanzte, persönlich. Pcrreuse erklärte auf die Aufforderung sichzu ergeben, er werde sich bis auf den letzten Mann verthei-digen. Ferdinand eröffnete nun eine förmliche Belagerung ge-gen das Schloß; er ließ Batterieen errichten und drei hannö-versche Bataillons in die Stadt rücken.
Am 39. Novbr. 1757 eröffneten die auf dem Schwarzenbergeerrichteten Batterieen bei Anbruch des Tags ihr Feuer gegenden Feind und warfen 189 Kugeln an einem Tage ins Schloß.Das Bombardement mußte indeß eingestellt werden, weil derHerzog von Braunschweig sich genöthigt sah, sich mit der Mehr-zahl der Belagerungstruppen den von Lüncburg vorrückendenFranzosen entgegen zu werfen. Perreuse benutzte diesen Um-stand zu einem Ausfall in die Stadt; er nahm 132 Personenbeiderlei Geschlechts und von dem verschiedensten Alter gefangenund führte sie als Geißel mit ins Schloß. Die Belagerer be-gannen bald daraus wieder ihre Geschütze gegen die Feindespielen zu lassen. Diese machten häufig Ausfälle, fouragirtenNachts in der Umgegend und nahmen den Ufcrbewohnern be-deutende Mengen Schlachtviehs. An Munition fehlte es ihnen,so daß sie das Feuer der Alliirten nicht beantworten konnten.Eine von der Elbe kommende für die Besatzung des Schlossesbestimmte Zufuhr an Pulver wurde von den hannöverschenTruppen aufgegriffen, besonders heftig wurde das Schloß am23. und 24. December beschossen. Am 26. Abends wurde einFlügel des Gebäudes in Brand geschossen. Das Feuer konntenur mit der allergrößten Anstrengung gelöscht werden. Da dieNoth der Franzosen von Tag zu Tag stieg und sie sich mehrund mehr umzingelt und der nothwendigsten Lebensbedürfnisseund Kriegsmaterialien beraubt sahen, fingen sie, nach einer 4Wochen langen, hartnäckigen Gegenwehr, am 27. Decemberan, wegen Uebergabe des Schlosses zu unterhandeln. Die Feind-seligkeiten wurden sogleich eingestellt und am 31. December1757 räumten die Franzosen ihre Stellung und zogen nachBremen. Die Bedingungen der Kapitulation waren für die Fran-zosen ehrenhaft, sie durften mit klingendem Spiel abziehen undverpflichteten sich dagegen in dem Kriege nicht mehr gegen dieAlliirten zu dienen.
Das Schloß wurde nun von hannöverschen Truppen be-setzt und die Harburger Bürgerschaft organisirte aus ihrer Mittezwei Compagnieen Bürgermilitär, welche in der Stadt dieThorwachen bezogen und zur Wiederherstellung der Ruhe undOrdnung das Ihrige beitrugen.
Nach dem Abmarsch der Franzosen erholte sich Harburgbald wieder von den Verlusten und Schrecken, welche dieschwere Zeit des siebenjährigen Krieges für seine Bewohnermit sich geführt hatte. Besondern Aufschwung nahm der Tran-sitohandel, durch den auch Nichtkauflcute bedeutenden Verdienst