Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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Geld, die alte Stadtkirche renoviren, die morsch und dem Ein-sturz nahe war, und trug zur Verbesserung der Straßen undWege Vieles bei. Nach dem 30jährigen Kriege blieb Har-burg, als befestigter Gränzort, verhältnißmäßig stark besetzt.

Nach dem Tode Ludwigs regierte der Herzog Georg Wil-helm von Zelle auch über Harburg. Unter seiner Regierunglitt der Verkehr auf der Niederelbe drückende Hemmungen, zudenen der erste Anlaß unter den Gesandten der freien Reichs-städte und deutschen Fürsten am kaiserlichen Hofe zu Wien ge-geben war. Es scheint, daß die Gesandten der reichen Han-delsstadt Hamburg denen des Herzogs von Zelle und Harburgsich in Wien oft vorgezogen sahen. Die Geldaristokratie mochtediesen Vorzug der Adelsaristokratie gegenüber geltend macheu,genug, es trat zwischen den Rivalen eine solche Spannung undfeindliche Haltung ein, daß diese auf die Staaten selbst über-ging und Hamburg in einen Krieg mit dem gegenüber liegen-den Hcrzogthume verwickelt zu werden Gefahr lief. Die Ge-sandten des Herzogs in Hamburg betrugen sich in der Reichs-stadt eben so anmaßend als pöbelhaft und mußten, um derRache des Volks zu entgehen, über Harburg nach Zelle flüch-ten. Nun wurden an beiden Ufern Repressalien ergriffen. DerHerzog rückte mit seinen Schaaren gegen das Hamburger Ge-biet und die Hamburger duldeten weder Lüneburger noch Har-burger Schiffe auf der Elbe und hemmten den Handel überHarburg gänzlich. Harburg litt unter solchen unglückliche» Zu-ständen ganz bedeutend, denn der Holzhandel, der des freienWasserverkehrs besonders bedürfte und der vorzüglich Harburgzum Markt gewählt hatte, war in den letzten Jahren sehr um-fangreich geworden. Auch die Passage zwischen Hamburg undHarburg, die sehr lebhaft geworden war, hatte gänzlich aufge-hört. Durch Vermittelung des Churfürsten von Brandenburgund des Königs von Dänemark wurde dieser Streit, der beidenTheilen wenig Ehre machte, beigelegt; die zellischcn Truppen,welche das zu Hamburg gehörende Bergedorff bereits besetzthatten, kehrten wieder über die Elbe zurück, und der Verkehrans derselben nahm bald wieder den früheren lebhaften Cha-rakter an.

Nach dem Aussterben der Zelleschcn Linie gelangten dieLüneburg-Zellescheu Lande unter die Herrschaft der Churfürstenvon Hannover, zunächst an Georg Ludwig (später König vonGroßbritannien Georg I.), dem Harburg zu Anfang des acht-zehnten Jahrhunderts huldigte. Der Churfürst bestätigte nichtallein sämmtliche Privilegien, deren sich Harburg erfreute, son-dern fügte denselben auch noch neue hinzu. Die Bürger wur-den von allen lästigen Hof- und Herrendiensten auch besondersvon dem Jagddicnste entbunden, der Magistrat der Stadt er-hielt Wahlrecht und durste die Rathsglieder selbst einsetzen, er

wurde für alle Angelegenheiten der niederen Gerichtsbarkeit fürcompetent erklärt. Der neue Landesherr ermunterte die Stadtzu Bauunternehmungen und zur Erweiterung des Handels, erversprach Allen, die sich in Harburg niederlassen und Handelund Gewerbe treiben wollten, seinen Schutz und Befreiung vonAbgaben während 14 Jahren; er gab völlige Religionsfreiheitund schenkte denen, die sich anbauten, nicht bloß die nöthigenPlätze, sondern auch noch Geld zur Bestreitung der Baukosten.Jeder Kaufmann erhielt auf 15 Jahre das Recht seine Waa-ren im fürstlichen Kaufhause unentgeldlich lagern zu dürfen;die ganze Einfuhr bekam als Prämie den 10. Theil des Zollszurück.

Solche kräftige Anstalten zur Hebung und Belebung desOrtes konnten ihren Zweck nicht verfehlen Im Jahre 1708errichteten die Engländer in Harburg eine HandelS-Compagnieund setzten in der Stadt viel Geld um. Der Churfürst machteder letzteren mit dem herrschaftlichen Kaufhause ein Geschenk,das noch heute einen höchst wohlthätigen Einfluß auf die städ-tischen Verhältnisse ausübt und der eigentliche Lebensnerv derStadt geworden ist, der durch die jüngsten Beschlüsse der ge-genwärtigen Negierung und die Bewilligung ansehnlicher Geld-mittel zum Ausbau des Hafens, so wie durch die im Bau be-reits weit vorgerückte Eisenbahn noch viel bedeutender zu wer-den verspricht.

Unsere Leser mögen sich durch einen Blick auf das west-liche Bild des Harburger Kaufhauses eine Vorstellung von demtäglichen Leben und Treiben in und vor dem Gebäude machen.Hier werden die Waaren aus den entferntesten Theilen derErde, nach der langen Seereise auf große Frachtwagen ver-laden und tiefer ins Land verschickt. Die Eisenbahn wird zwarin dem System des Landtransports große Veränderungen her-vorbringen, auf den regen Verkehr im Harburger Kaufhauseaber nur belebend wirken.

Zu kühnen Hoffnungen gab der Stadt Harburg die Er-hebung des Churfürsten Georg Ludwig zum Könige von Groß-britannien Anlaß (1714). Georg I. trachtete von Englandaus einen innigen Handelsverkehr zwischen dem Churfürsten-thum und dem englischen Königreiche zu erzielen. Harburgschien zur Verwirklichung seiner Plane ganz besonders gut ge-legen zu sein. Der Engländer Ackworth, der sich lange Zeitmit der Idee beschäftigt hatte, Harburg zu einem Hafen fürSeeschiffe zu gestalten, arbeitete einen umfassenden Plan ausund legte denselben dem Könige zur Einsicht vor. Georg I.beauftragte einen erfahrnen Seemann, den Capitän Mitchel,das Flußbett der Elbe von der Mündung bis Harburg genauzu untersuche» und über die Möglichkeit einer großen Hafen-anlage bei Harburg Bericht abzustatten. Zu gleicher Zeit wur-