Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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bisckof über das Hamburgische und Bremer Kirchengcbict er-nannt; er regierte mit allen Vorrechten eines weltliche» Fürstenund verschaffte dem Krummstab großcö Ansehen. Nach seinemAbleben begannen nicht allein die räuberischen Einfälle derheidnischen Nachbarn, sondern selbst die getauften Slaven undWenden empörten sich gegen ihre Anführer und machten mitdem Feinde gemeinschaftliche Sache. Unter der RegierungKaisers Heinrich II. ward Sachsen von zahllosen Horden dieserAbtrünnigen und Heiden überfluthet; sie sengten und branntenalle christlichen Städte und Dörfer der Sachsen nieder undlödteten die Bewohner derselben oder schleppten sie als Sklavenfort. Harburg wurde von ihnen der Erde gleich gemacht.Auch später unter Kaiser Heinrich IV. Regierung fielen dieWenden und Obotriten in die festen Plätze am Ufer der Elbeund beunruhigten Nordsachsen.

Nicht minder verhängnißvoll für Harburg war die langeKricgszeit, welche Heinrich der Löwe gegen Ende des 1?. Jahr-hunderts über die sächsischen Lande brachte. In den Iahren1166 und 1l67 belagerte der Herzog die Harburg, die jedochvom Erzbischof Hartwig I. wohl besetzt worden war und sichtapfer hielt In der blutigen Fehde, welche der Herzog Otto I.das Kind von Lüncburg" geheißen, gegen den Erzbischof vonBremen, Gerhard II. führte, fiel Harburg, nach einer unterWolderich von Hadeln und Johann von Kerkdörpe geleitetenhartnäckigen Gegenwehr, in die Hände des Herzogs. Erst umdie Mitte des 13. Jahrhunderts kam die zertrümmerte Stadt,unter Herzog Albrecht, wieder ein wenig zu Kräften. UnterOtto II. wurden 1296 eine Reihe von Gesetzen (Oksrta Ut-tonis vuois) erlassen, nach denen sich die neuen Gemeindenlängs der Niederelbe richten sollen. Die Stadt Harburg er-hielt ums Ende des 13. Jahrhunderts mehrere Privilegien.Die weltliche Macht trug allmählig den Sieg über die Pfaffen-herrschaft davon, die Städte duldeten lieber das Regiment derrittcrhaften Fürsten, die sie doch auch zu schützen verstanden,wenn es Noth that, als das Regiment des Krummstabs, dassich oft so feig als hinterlistig erwiesen hatte.

Der Lüncburger Erbfolgekrieg (13691388), der unterHerzog Magnus II. (Torquatus) zwischen der kursächsich-aska-nischen und der braunschweigischen Linie geführt wurde, zer-rüttete abermals die Zustände der Stadt, die sich aber unterMagnus Söhnen, Bernhard und Heinrich, nach und nachwieder crkräftigte. Beide Fürsten residirtcn in Harburg, vondessen Schloß sie oft Ausflüge nach Lüneburg und andernOrten unternahmen.

Um diese Zeit wurde besonders von Hamburg aus kräftigiur die Sicherheit der Elbschifffahrt gearbeitet. Die Hansa,welche 1239 ins Leben getreten war und an hundert Städte

zu Bundesgenossen zählte, gerieth mit dem auf dem HarburgerSchlosse residirendeu herzoglichen Brüderpaar in Streit, weildiese die Schifffahrt zwischen Lüneburg und den Elbstädte» un-terbrochen hatten, indem sie die Ilmenau versperrten, um sichan Lüncburg, wegen der von dieser Stadt bewiesenen Wider-spenstigkeiten zu rächen Harburg ward von den Hamburgernbelagert, die Feuerkugeln und Brände in das Schloß schleuderten.Diese Fehde, welche durch den Ausbruch einer großen Pest anSchrecken zunahm, endete damit, daß Harburg von dem inseinen Finanzen gänzlich erschöpften Herzoge Heinrich an Lüne-burg verpfändet, und daß der Friede wieder hergestellt wurde.

Einen wahren Aufschwung nahmen die städtischen Verhält-nisse Harburgs nicht eher, als unter der Regierung Otto I.,Herzogs zu Harburg (15271549). Bei seinem Einzüge indie Stadt fand er außer dem Schlosse einige Reihen schlechterBaracken, ärmliche Wohnungen für Schiffer, Fischer und Hand-werker, so wie wenige bessere Häuser, in denen die Wohlha-benderen wohnten. Der Herzog ließ fleißig bauen, Brückenaufschlagen, Deiche auswerfen, den Hafen verbessern; unterihm gewann die Stadt, die bisher eigentlich nur ein Dorf ge-wesen war, ein wirklich städtisches Ansehen, und erfreute sichder Einräumung bedeutender Privilegien. Der Herzog legteunter andern auch den Grund zu einem der bis auf den heu-tigen Tag bedeutendsten Institute der Stadt, zum Kaufhausenämlich, in welchem schon damals die Verladung der Gütervorgenommen, und wo bedeutende Waarcnmassc» aufgespeichertwerden konnten. In der Nähe der Stadt, hinter dem Schwar-zenberge, ließ sich der Herzog ein Jagdschloß bauen und führtedie damals aufkommenden Schützenfeste auch in Harburg ein.1528 feierten die Harburger das erste Schützenfest, bei welchemihr Herzog den besten Schuß that und Schützenkönig wurde.Otto war ein Anhänger der Reformation; auf dem Reichstagezu Augsburg unterzeichnete er das evangelische Glaubensbe-kenntniß und trug zum Siege der neuen Lehre im NordenDeutschlands viel bei. Er stellte in seiner für seine eigeneErbauung errichteten Kapelle einen eigenen lutherischen Geist-lichen an, und ergriff eine Menge kräftiger Maßregeln gegendie Anhänger des Papstthums. Außerdem stiftete Otto eineSchule, zu welcher zwei Lehrer berufen wurden, die Unterrichtim Lesen und Singen und in der Religion ertheilen mußten.So sorgte der Herzog, der besonders als Freund der Armenbeliebt war, für die materiellen wie für die geistigen Bedürf-nisse der Harburger. Er starb (1549), zu früh, tiefbetrauertvon den Bewohnern der Stadt, die ihm mit inniger Liebe er-geben waren. Sein Sohn Otto II. trat in des Vaters Fuß-tapfcn. Auch unter seiner Negierung gewann Harburg mehrund mehr an Bedeutung. Das Hypotheken-, Kirchen- und