Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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Marburg

Sinter den Mittelstädten des nördlichen Deutschlands istHarburg in jüngster Zeit besonders oft die Ehre der öffentlichenBesprechung zu Theil geworden, und dies vorzüglich in Bezugauf ein großes Projekt, nach welchem die kleine Stadt zumHafen für Seeschiffe zum Welthandelplatz eingerichtet werdensoll. Daraus geht hervor, daß der Ort am Wasser liegenund mit dem Meere in Verbindung stehen muß.

Harburgs Zinnen spiegeln sich in der Save und dem deut-schen Elbstrom, in den sich die erstere, ein düsterer Haidfluß,ergießt. Nordwestlich von der Stadt erhebt sich eine bewaldeteHaidehügelkette, die sich längs der Elbe eine Strecke abwärtszieht und seewärts sanft abdacht. Am Fuße dieser Höhe dehntsich hart am Saume der Elbe ein breiter Wiesengrund ausund hinter den Deichen wogt in der fetten Marschgegendhohes, schweres Korn. Dem Reisenden, der die mühsamengroßen Haidestrecken im Süden der Stadt sehnsüchtig durcheilte,wird ein eben so erquickender als romantisch schöner Anblick zuTheil, wenn er von der Harburger Höhe herab, über das regeTreiben in den Straßen der Stadt hinweg, auf den ruhig undernst dahinwallenden, breiten Elbstrom blickt, über den üppigen,von kräftigen Heerden beweiveten Wiesengrund hinweg, denMastenwald der Seeschiffe im Hamburger Hafen schaut, hinterdem sich die große Hansestadt und ihre Nachbarin, Altona, zueiner fast unabsehbaren langen Fronte vereinigen.

Nicht immer ruhte der Segen und die Verheißungen desFriedens auf diesen bescheidenen Dächern, unter denen sichheute ein reger Handelsgeist kund giebt, der schon im Vorausdie Prozente berechnet, welche ihm die Dampfkraft auf der inArbeit begriffenen Eisenbahn und die künftige Handelsflotte ab-werfen sollen. Wie im letzten Kriege, hat Harburg in dennordischen Wirren zu allen Zeiten viel gelitten, und eine be-deutende Rolle besonders in strategischer Beziehung gespielt.

Der Ursprung der Stadt Harburg muß in jener Zeit ge-sucht werden, um welche Karl der Große den Sachsen dasChristenthum in ähnlicher Weise ausdrängte, als die Engländerheute den Chinesen die Bibel und das Opium. Die Frankenerrichteten längs der Elbe ein Bollwerk aus Burgen und Ka-stellen gegen die räuberischen slavischen Stämme. Der NameHar auch Hör heißt Sumpf, und Harburg: die Burgim Sumpf, weil wahrscheinlich zu jener Periode die Gegendsehr sumpfig war. Nach einer Volkssage soll die VorsplbeHar von harren entnommen und Harburg aus:bei derBurg harren", entstanden sein Möglich ist es allerdings,daß die Burg zum Sammelplatz für die, welche gemeinschaft-lich über die Elbe fahren wollten, diente, aber einleuchtenderbleibt jene Ableitung.

Ohne Zweifel wurde zuerst die Burg erbaut, um die sichspäter Fischer und Schiffer ansiedelten. Da die fränkische Be-satzung christlicher Religion war, so wurde auch unter ihremSchutz bald nach Einführung des Christenthums im NordenDeutschlands der Grund zu einer Kirche gelegt. Harburg ge-hörte zum Bisthum Bremen, das unter dem Erzbisthum Kölnstand; zur Zeit des berühmten Benediktinermönchs und Erz-bischofs von Hamburg Ancharius soder St. Ansgar), zu An-fang des 9. Jahrh., wurde auch von Harburg aus das Evan-gelium gepredigt. Die Slaven und Normannen, welche die kai-serlichen Voigte an der Elbe lange Zeit beunruhigten, ihre Burgenzu wiederholten Malen zerstörten, die christlichen Kirchen nieder-rissen und die Bekenner der neuen Lehre niedermetzelten, ließenauch die Harburg nicht ungestört. Nach dem großen SiegeOtto I. über die Dänen trat in den Gränzländcrn für einigeZeit eine Ruhe ein, welche der Entwickelung des christlichenElements sehr zu Statten kam. Adaldag wurde, nach demTode Ansgar's, gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum Erz-