Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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fest der erwähnten, von Davoust gefangen genommenen unddurch Dörnberg befreiten 1 (1(1 Bürger. Vor dem AltenbrückerThore, hart an der Straße, schimmert noch der Leichensteinzweier Bürger, die General Morand daselbst mit den Waffenin der Hand ergriffen und auf der Stelle hatte erschießen lassen.

Was Lüneburg in den letzten Jahren besondern Abbruchgethan, ist der verminderte Güterverkehr. Das Speditions-geschäft, das einst von großer Bedeutung und der eigentlicheNerv des ganzen Geschäftslebens der Stadt war, erliegt andem Umschwung des ganzen Handelsverkehrs. Mehre Ucber-schwemmungen, namentlich die von den Jahren 182!1und 184(1,haben der Stadt großen Schaden zugefügt. Neuerdings hatder Verkehr mit Hamburg mehr Leben erhalten, die Straßenbis zur Elbe sind, wenn auch schlecht gepflastert, doch prakti-kabel, regelmäßige Omnibus- und Elbdampfschifffahrten machenes möglich, in 5 K Stunden von Lüneburg nach Hamburgzu reisen. Die Messe, welche hier seit einigen Jahren gehal-ten wird, bringt der Stadt einen nicht unbedeutenden Gewinn.Besonders wohlthätig und verjüngend hat das große Uebungs-lager des Ivten deutschen Armee-Corps im Oktober 1843 aufLüneburg eingewirkt. Seit der Zusammenkunft der Könige undFürsten zum erwähnten Lager, hat die Stadt sogarköniglichprivilegirte Weinhandlungs- und andere königl. Aushängeschil-der" aufzuweisen. Die künftige Eröffnung der im Angriff be-findlichen Eisenbahn darf als eine neue Aera der alten Stadtbetrachtet werden.

In architektonischer Beziehung zeichnet sich Lüneburg aus.Ein Blick auf den ganzen Habitus der Stadt zeigt, daß diegothische Baukunst sich hier, wenn nicht in ihrer Eleganz, Poe-sie und Ausbildung, doch in ihrem Princip an großen Massennoch unzcrstört erhalten hat. Viele eingegangene und abge-tragene Kirchen, Kapellen und Klöster haben keine Spur ihresBestehens mehr hinterlassen. Dagegen trotzt die Johannis-kirche und ihr schöner hoher Pfeilthurm dem Zahn der Zeit.Die Johanniskirche am Ende der breiten Straße, derSand, ist von den noch bestehenden Kirchen die älteste. DerHochaltar, die Kanzel, mehre Gemälde in ihr sind für denKunstkenner von Werth. Neben der Kirche steht das neueJohanneum, ein Gymnasium erster Klasse, das sich eines gu-ten Rufs im Lande und den Nachbarstaaten erfreut. DieL amb erti-Kirche in der Nähe der Sülze verfällt von Jahrzu Jahr mehr. Der Thurm hat sich bedeutend gesenkt undwird wahrscheinlich abgebrochen werden müssen. Die Michae-liskirche, die früher besonders reich an Arbeiten aus edlenMetallen war und stark bestohlen worden ist, ist noch wohlerhalten. Das zu einer Ritterakademie umgestaltete KlosterMichaelis hat eine bedeutende Bibliothek und Naturalicnsamm-lung. Die Nicolaikirche dagegen hat ihren Thurm verlo-ren, der vor einigen Jahren, weil er einzustürzen drohte, ab-gebrochen werden mußte. Besondere Beachtung verdient dasRathhaus am Markte. Es wurde wahrscheinlich gegen Endedes 13. Jahrhunderts erbaut, als Lüneburg zum hanseatischenBunde gehörte und sich vieler städtischer Rechte erfreute. Frü-her zierten sechs Thürme dies imposante Gebäude. Zu Anfangdes vorigen Jahrhunderts ward es neu auf- und ausgebaut.

Es birgt eine Menge historischer Merkwürdigkeiten und Kost-barkeiten, von dem getrockneten Schinken der Sau an, welchezur Entdeckung der Saline Gelegenheit gegeben haben soll, biszu den schönen Glasmalereien in der Nathhausstnbe und denausgezeichneten Holzschnitzereien und Silberzcugen, von denenleider, wie von den Schätzen der Rüstkammer, aus Noth undGeringschätzung zu verschiedenen Zeiten Vieles verkauft wordenist. Das RathhauS ist eine der schönsten Zierde» der Stadt.Es steht aus dem vom Schlosse und einer Reihe schöner Gie-belhäuser eingehegten großen Marktplatze. Auch das Kauf-haus ist sehenswerth; es liegt hart an der Ilmenau und ist,wie alle ältern Gebäude der Stadt, massiv und sehr solide ge-baut. Die Stadtbibliothek ist besonders reich an theologischenWerken. Die Salzsiederei ist das bedeutendste Institut, dessenNevenüen der Stadt leider, wie schon erwähnt, nicht zu Gutekommen. Die Soole zeichnet sich vor andern Salzquellen durchihren großen Salzgehalt aus, der die gewöhnlich angewende-ten Gradwhäuser überflüssig macht. Die Quellen wurden be-reits im Uten Jahrhundert ausgebeutet. Gegenwärtig läßtdie Bearbeitung noch Vieles zu wünschen übrig; der ganzeGewinnungsprozeß ist höchst schleppend. Ein an 4(1(1(1 Fußlanges Gestänge, das von einem Mühlrade getrieben wird,setzt die Pumpen in Bewegung, die theils die, auS einem5(1 Fuß tiefen Schacht quellende Soole, theils das sich in derNähe sammelnde Süßwasser auspumpen. Trotz des reichenSalzgehalts fließt ein großer Theil der ergiebigen Quelleunbenutzt ab. Das Verdampfen der Soole geschah früher inbleiernen, geschieht jetzt in großen eisernen Pfannen, die Tagund Nacht bedient werden. Der Kalkberg ist seiner schönenKalk- und Gypsbrüche und seiner Boraziten wegen berühmt.Er wird von den Sträflingen (Karrengefangeneni ausgebeutetund nimmt so bedeutend am Umfange ab, daß den kommendenGeschlechtern vielleicht kaum noch eine Spur von diesem an2(1(1 Fuß hohen Felsen übrig bleiben wird; übrigens ist dieganze Gegend um den sogenannten Schildstein und die Salinekalkreich. Die Wälle sind theilweise abgetragen und die nächsteUmgebung der Stadt gewinnt mit jedem Jahr an Verschöne-rungen. Das Kloster Lüne liegt eine halbe Stunde unterhalbder Stadt an der Ilmenau, am Rande eines schönen Eich-waldes. Eine schöne Linden-Allee führt dahin, an der neuenKavalleriekaserne vorüber.

Unter den in Lüneburg noch gegenwärtig lebenden Män-nern, welche sich Verdienste um die Stadt, um Wissenschaftenund Künste erworben haben, gebührt der Namen TheodorMeyer, Christiani, Volger, Oltrogge, Heier, Pe-ters u. A. Erwähnung. Die beiden erstgenannten zeichnetensich in der hannöverischen Dcputirtenkammer aus, die beidenfolgenden sind als praktische Schulmänner und Schriftstellerbekannt, der vorletzt erwähnte ist ein ausgezeichneter Entvmo-logist und der letztgenannte ein verdienstvoller Maler. DerCharakter der Einwohner trägt den norddeutschen Typus; un-ter diesen alten, kalten Giebeln herrscht Gastfreundschaft, Ge-selligkeit und viel Sinn für Musik, neben einer guten DosisLangweile und Kleinstädtelei Die gebildete Klasse hält sichvom Bürger und Handwerker streng geschieden und das nie-dere Volk ist nur durch große Strenge zu zügeln. Aus demletzten stammte die bekannte Johanna Stegen, die sich indem erwähnten Tressen durch ihre Unerschrockenhcit auszeichnete.

Lüneburg hat 12,3(1(1 Einwohner, und ist der Sitzeiner Landdrostei und einer Steuerdirection. Die dortige Frei-maurerloge führt den NamenSelene zu den drei Thürmen."