S. Michaelis, eine Schule gründeten und hielten, die spätergroßen Ruf erhielt, namentlich durch den gelehrten MönchErhard. Um jene Zeit war der Sohn eines EdelmannsNamens Billing zu Stübbekcshorne nahe bei Soltauan des Kaisers Hof. Herrmann Billing wußte sich beiOtto dem Großen in hohe Gunst zu setzen. Er ward Lehrerseiner Kinder und war ein allgemein beliebter, stattlicher Mann;der Kaiser machte ihn später zum Richter in der Stadt Mag-deburg, wo er strenge Recht hielt, besonders zum Schreckender Diebe, mit denen er kurzen Prozeß machte und ihrer vieleohne Ansehn der Person aufhängen ließ. Kaiser Otto übergabihm im Jahre 961 die Verwaltung des Landes Sachsen, wäh-rend er selbst seinen vierjährigen Feldzug gegen Italien an-trat. Als der Kaiser im Jahre 965 zurückkehrte, machte erHerrmann von Billing zum Herzog von Sachsen und Lüne-burg. Unter seinem Sohne und Nachfolger Benno, der vonKaiser Otto III. zum Churfürsten ernannt ward, wurdenBurg und Land mächtiger. Nach ihnen regierten aus demStamme Billing der geizige Bernhard, der unglücklicheOrthol ff und Magnus, der ohne männliche Erben starb.Das Land fiel nun an Kaiser Lothar und später an Hein-rich von Bayern und dessen Sohn, Heinrich den Löwen.Unter diesen ward die Stadt bedeutend vergrößert. ImJahre 1190 zerstörte Heinrich der Löwe die widerspenstigeStadt Bardowick, die älter und größer als die Stadt Lüne-burg war, und ließ den größten Theil der Baumaterialienzum Neubau nach Lüncburg transportiren. Zu gleicher Zeitzogen auch viele Bardowicker nach Lüneburg, das eigentlicherst von jetzt an seinen Platz unter den wichtigsten StädtenNiedersachsens einnimmt, städtische Gerechtsame erhielt undnamentlich mit Hamburg in einen lebhaften Handelsverkehrtrat. Herzog Otto, der Enkel Heinrich des Löwen,beförderte besonders den Verkehr mit Hamburg, verlieh auchder Stadt einen Gnadenbrief, durch welchen er sie nicht alleinin allen ihren bisher erlangten Rechten bekräftigte, sonderngab auch seine in der Stadt ansässige Leibeigene gegen eineAbkaufssumme von 350 Mark Silbers frei und erklärte die-jenigen Einwohner, welcher binnen Jahresfrist von ihrenHerren nicht würden zurückgefordert werden, für freie Leute;er befreite die Stadt von Steuern und Zöllen mit Ausnahmedes Sülzzolls, erklärte die Grundstücke der Ansiedler fürfreies Erbgut und erließ zur innern Verwaltung der Stadtviele Verordnungen, von denen einzelne noch bis auf diesenTag Gültigkeit haben.
Die Lüneburgcr Salzsiederei nahm von dieser Zeit aneinen bedeutenden Aufschwung und versorgte den Norden reich-lich mit Salz. Otto's des Strengen Söhne, Otto undWilhelm, starben ohne männliche Erben; nach dem Todedes Letztern machten daher die Verwandten desselben Albrechtvon Sachsen und Magnus Tvrquatus, auch Magnusmit der Ketten, ihre Rechte als Lehnsagnaten geltend.Kaiser Karl IV. hatte dem Herzog Albrecht die Regierungzugesagt, Herzog Magnus hatte aber bereits Besitz vomLande genommen und residirte in der Burg des Kalkbergs.Beide geriethen miteinander in blutige Fehde. Die Lünebur-gcr wurden aber von Herzog Magnus gedrückt und nahmen
Parthei für den Herzog Albrecht. Sie ersannen eine List, umdas Schloß auf dem Kalkberg zu erstürmen. Am Lichtmcß-abend, den Lten Februar 1371 verkleideten sie sich und gingenunter dem Vorgeben, den Rittern ein Fastnachtsspiel zur Be-lustigung aufführen zu wollen, auf den Berg Als die Ritter,die sich langweilen mochten, die lustige Gesellschaft ankommensahen, wurden ihr ohne weiteres die Thore geöffnet. DieBürger trugen aber unter ihren Weiberröcken und Verkleidun-gen ihre Harnische, Beile und Waffen und fielen sogleichüber die Besatzung her; der Hauptmann Segebrand vondem Berge ward nebst vielen Andern erschlagen und dieBurg darauf größtentheils zerstört. Die Lüneburgcr sagtensich nun förmlich vom Herzog Magnus -los und huldigtendem Herzog Albert. Beide schloffen, nachdem sie sich eineZeitlang befehdet, einen Waffenstillstand, den aber HerzogMagnus brach. Um sich an den Lüneburgern der von ihnenerlittenen Schmach wegen zu rächen, ließ er in der sogenann-ten 11000 Jungfern Nacht am 21. Octobcr 1371 die Stadtdurch etwa 700 Mann unter dem Befehl von Johann vonHomburg und Siegfried von Saldern ersteigen undangreifen. Die Bürger setzten sich grimmig zur Wehr, einblutiges Treffen ward während dieser Nacht in der Bäcker-straße geliefert, die Mehrzahl der Feinde ward getödtet, einigenur ergriffen die Flucht und einige löscten sich aus der Ge-fangenschaft durch Geld. Auch von den tapfern Bürgern zahl-ten viele den Sieg mit dem Leben. Man errichtete ihnen ander Stätte, wo sie den Heldentod gefunden, Denksteine i» derStadtmauer und den Häusern. Diese einfachen Monumente,die sich von den moderne» Denkmälern durch Prunklosigkcitund Bescheidenheit auszeichneten, verschwanden später mit denMauern selbst; doch zeigt man noch heute in der Bäckerstraßeeinen in den Giebel eines alten Gebäudes eingemauerten Stein,auf welchem das Brustbild eines Bäckers ausgchauen, der indiesem heißen Gefecht zwei und zwanzig Feinde erschlagen haben,selbst aber an den erhaltenen Wunden verschieden sein soll.
Herzog Magnus ward vom Kaiser in die Reichsachterklärt und starb bald darauf im Gefecht. Seine Söhne undNachfolger Bernhard und Heinrich setzten die Fehde ge-gen Lüneburg fort, die 1389 zu Gunsten der BraunschweigerLinie endete.
Der Friede aber war nicht von gar langer Dauer. GegenEnde des Jahrhunderts beunruhigten die beiden streitlustigenBrüder die Stadt und fügten ihr mehre Jahre hindurch vielSchaden zu; besonders in ihrem Verkehr mit Hamburg, densie 1396 gänzlich sperrten, so daß kein Salz die Ilmenau mehrhinab geführt werden konnte. Beide Brüder theilten sich in dasLand 1400. Bernhard nahm Braunschweig und Hein-rich erhielt Lüneburg. Die Stadt lieh den Herzögen be-deutende Summen Geldes, wofür ihr verschiedene landesherr-liche Schlösser verpfändet wurden. Theils durch diese Anleihen,theils durch die zu Anfang des löten Jahrhunderts besonderserwachsenen Fortifications- und Kriegskosten, sah sich Lüneburgbedeutend verschuldet. Der große Reichthum, der aus derSülze hervorging, kam weniger der Stadt als auswärtigenSülzbegüterten, meistentheils Edelleuten, Klöstern und Stifternzu Gut. Um sich aus der finanziellen Klemme zu retten, ver-