Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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chen, Tochter eines Beamten zu Ebstorf. Aus dieser Ehe ent-sprangen die Herren von Lüneburg. Der Sitz der Herzogevon Celle war stets das fürstliche Stammschloß zu Celle. Diesesaltchrwürdige Gebäude, das ein reguläres Viereck bildet, wurdezu verschiedenen Zeiten, in verschiedenem Styl, aufgeführt.Von dem älteren Gebäude wurde nur die Seite gegen Ostenerhalten. Die drei anderen Seiten wurden 1680, durch HerzogGeorg Wilhelm, in italienischem Styl aufgeführt. An seder Seiteerheben sich, an den Ecken, kupferne Kuppeln, in der Mittenach Westen ein Glockenthürmchen. I84S wurde das Schloßvon Innen und Außen renovirt, prachtvoll eingerichtet und mitzwei Einfahrten versehen, da es früher nur eine besaß. ImInnern findet man Säle, ein kleines Theater und eine präch-tige Schloßkapelle. Umgeben ist das Schloß mit Wall undGraben, aber die Wälle haben sich in anmuthige, grüne An-höhen verwandelt, auf denen hohe Kastanien ihre Laubkronenerheben. Ein herrlicher Nasenplatz dehnt sich, nachdem der Wallauf dieser Seite abgetragen, vor der Fronte des Schlosses aus,und die geschickte Hand des Gärtners verwandelte die furcht-baren Anstalten zur Vertheidigung in geschmackvolle Promena-den und Gartenanlagen. In diesem ehrwürdigen Schlosse er-blickte die schöne Sophia Dorothea, Tochter Georg Wilhelmsund der Eleonore d'Olbreuse das Licht der Welt. Bekannter istsie unter dem Titel: Herzogin von Ahlden, und durch die tra-gische Katastrophe der Ermordung des Grafen Königsmark.

1703, mit dem Hinscheiden des Herzogs Georg Wilhelmerlosch die Linie der Cellischen Fürsten, und Churfürst LudwigGeorg von Hannover nahm vom Fürstenthume und SchloßCelle Besitz. Von diesem Augenblicke an kann Celle nur alsProvinzialstadt betrachtet werden, und-das Schloß hörte aufder Sitz der Landcsherrn zu sein. Einen letzten schimmerndenGlanz verlieh die unglückliche Königin Caroline Mathilde demSchlosse, das ihr zur Residenz angewiesen wurde. Das Schick-sal dieser schönen Königin von Dänemark, das mit ihr so genauverflochtene Ende Struensee's und Brands, gehört der Ge-schichte Dänemarks an, aber Caroline Mathilde den Herzender Cellenscr. Wie sehr sie in Celle geliebt worden, beweistdas Monument, das in dem sog. französischen Garten (von

dem Hofgärtner Dahüron angelegt) dem Gedächtnisse der Kö-nigin von der Lüneburgischen Landschaft errichtet wurde. Pro-fessor Oeser verfertigte es. Es besteht aus einer Pyramidal-gruppe allegorischer Gestalten, die die Urne, welche CarolineMathildens Büste, en IVIeäalion, trägt, umgeben: Die Liebe dertraurenden Provinz, als Mutter mit einem Säugling auf demArm, bietet dem Bilde der Königin einen Kuß, ein erwachsenesKind streut Rosen der Asche der Königin. Die Wahrheit windetLorbeeren und Schlangenkronen zwischen Palmen des Ruhms,sie auf der Urne in einander ordnend. Hinter der Wahrheitschwebt auf einer Wolke der Spiegel der Selbsterkenntniß. DasGanze ist bis auf das Stufenwerk in weißen sächsischen Marmorgehauen. Auch im Prinzen-Garten setzte der Königin PrinzCarl von Mecklenburg ein einfaches Denkmal, das aber ganzin Vergessenheit gerathen.

Fernere Merkwürdigkeiten knüpfen sich nicht an die Ge-schichte Celle's und seines Schlosses. Es theilte das allgemeineSchicksal Deutschlands in der französischen Zeit. 1816 feiertees die Rückkehr des siegreichen Hannöverischen Militärs, amS. Februar. Wissenschaften, Künste und Handel gediehen untervollkommener Ruhe, so auch hier. Es bleibt daher nur übrigdie Landesbehörden und Landesanstalten, deren Sitz Celle ist,und ihm Bedeutsamkeit verleihen, sowie die vorzüglichsten Ge-bäude namhaft zu machen, und die Aufgabe dieses Artikels isterschöpft. Wir finden hier: das Oberappellationsgericht, dasLandesökonomiekollegium, die Provinziallandschaft, die Justiz-kanzlei, einen Kriminalsenat, das Pupillenkollegium, die Steuer-direktion, die landwirthschaftliche Gesellschaft, das ritterschaftlicheKreditinstitut, das Landgestüt, das Zuchthaus u. f. w. Unterden Werken der Baukunst nennen wir vorzüglich: die Stadt-kirche, merkwürdig durch ihre innere Pracht, durch die herzog-liche Familiengruft, welche die Särge von Caroline Mathilde,Sophie Dorothee und anderen Fürsten und Fürstinnen enthält.Auch der wackere Arndt ist hier bestattet worden; dann diekatholische Kirche, das Landgestüt, das neue Gymnasialgebäude,die Kavalleriekaserne und das neue Tribunalgebände, 1840vollendet, bis jetzt aber noch nicht dem Oberappellationsgerichteübergeben, zu dessen Sitzungen es bestimmt war.