C e l l e.
^elle liegt in einer anmilchigen, von Kieferwäldern be-deckten und wasserreichen Gegend. Die Aller aus Südoftenkommend, nimmt, bei Cellc die Fuse auf, und wird von hier-aus schiffbar. Die eigentliche Stadt ist von geringem Umfange,aber ihre Straßen sind breit, ihre Häuser in einem gefälligenStyle erbaut. Die Vorstädte jedoch sind desto ausgedehnter, undbieten angenehme Promenaden dar. Stadt und Vorstädte ent-halten gegen 15,000 Einwohner. Ein reges Leben herrschtunter ihnen, es würde gesellig sein können, wenn nicht derKastengeist die verschiedenen Stände schroff separirte.
Der feine Ton der Cellenser ist im Hannöverschen zumSprichwort geworden, eine reine, angenehme Aussprache isthier zu Hause. Künste und Wissenschaften sind hier von jehergepflegt worden. Früher erschien hier eine französische Wochen-schrift : Uecueil xour I'e8xrit et pour le eosur von Uogue8 äsIVIaumont. Gegenwärtig erscheinen hier Cellische Anzeigen;Gesundheitsblätter von Dr. Himly und der HannoverscheVotksfreund.
Unter den in Celle geborenen und gelebt habenden undnoch lebenden bedeutenden Männern führen wir an: ErnstSchulze, den Dichter der bezauberten Rose, von Pufendorf,von Arnswaldt, Bilderbeck, Gans, Rumann (Rudolf Wilhelm),Stadtdirektor in Hannover, Albrecht Thaer, den Stifter einerlandwirthschaftlichen Lehranstalt zu Celle und der Lehranstaltfür den Landbauer in Moegelin; Johann Arndt, geboren zuBallenstedt 1585, den Verfasser „Vom wahren Christenthum"und vom „Paradiesgärtlein", als Generalsuperintendent vomHerzog Georg nach Celle berufen, und am 11. Mai IK21daselbst gestorben.
Jedoch nicht allein blühen Künste und Wissenschaften inCelle, auch Handel und Gewerbe streben kräftig empor. ZweiWachsbleichen bearbeiten jährlich über 150,000 Pfd. Wachs zu
Lichtern, die Stearinkerzen-Fabrik, die für Druckerschwärze undeine Tabaksfabrik sind bedeutend. Der Speditionöhandel be-ginnt sich zu heben, und die Schifffahrt auf der Aller nachBremen, auf der Leine nach Hannover und von jenen Ortenzurück ist lebhaft.
Die Geschichte der Stadt Celle bietet wenige Ereignissevon Bedeutsamkeit. Zu schwach und abhängig gegen und vondem in ihr residirenden Landesherrn konnte sich die städtischeMacht nicht ausbilden. Große Plagen und Ungemach habensie nie getroffen. Man kann daher nur zwei Hauptepochenannehmen: Celle, als Residenz, unter eigenen Landesherrn undFürsten; Celle, als Provinzialstadt, unter den Fürsten undKönigen aus dem Hause Hannover. Den Ursprung derStadt will man schon in die Zeiten Karls des Großen legen.Mit Sicherheit läßt sich jedoch der Ort erst zu Anfang desXIII. Jahrhunderts nachweisen, gegen Ende desselben hatte erbereits eine vollständige Munizipal-Verfassung, und schon 1301ertheilte der Herzog Otto den Borgeren von Czelle ein eige-nes Stadtrecht. Herzog Ernst, der Bekenner, begann dieStadt mit regelmäßigen Festungswerken zu umgeben, HerzogFriedrich vervollkommnete sie. Jedoch waren sie nie einem starkenAngriffe ausgesetzt und nach dem siebenjährigen Kriege hörteCelle ganz auf Festung zu sein. Unter den Cellischen Fürstenzeichnete sich besonders Ernst, der Bekenner, aus. 15S4 führteer die Reformation in seinem Lande ein, in welchem Celle dererste Ort war, der sich zur lutherischen Lehre bekannte, dieUrbanus Regius vortrug. Ein schönes Beispiel der Eintrachtund Entsagung unter Fürstensöhnen und Brüdern finden wirunter den 7 Söhnen Herzogs Wilhelm des Jüngeren. Siekamen überein, daß nur Einer von ihnen, den das Loos treffenwürde, sich vermählen und den Stamm fortpflanzen solle. DasLoos wurde gezogen, die Vereinbarung gehalten. Nur HerzogAugust vermählte sich morganatisch mit Margaretha Schmied-