Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich noch dasNathhaus, das sogenannte Hochzeitshaus und die in demselbenGebäude befindliche Stadtwage aus; ferner das chmalige Ly-ceum, jetzt Progymnasium und die beiden Hospitäler: der Sie-chenhos und daS Heilige-Geist-Hospital.
Osterode zählt 22 Straßen, an KW Häuser und über 5666Einwohner, die durch Ackerbau, Rindvieh- und Schaafzucht,durch Handwerke und Fabriken ihren Unterhalt erwerben. Be-sonders bemcrkcnswerth sind die Ostcroder Wollcnzcugfabrikc»,die viel für das Ausland arbeiten: Kamclot, Chalons, Ser-ge :c. Auch die Baumwollen- Leinen- und Lederfabriken sindnicht unbedeutend. Besonders viel Schuhmacher haben sich inOsterode niedergelassen, sie beziehen die Märkte und versorgendie ganze Umgegend mit Schuhwerk. Eben so beliebt als dieSchustcrarbeiten, sind die der Bötticher, die vorzüglich viel Ei-mer anfertigen.
Wichtiger aber als die genannten Erwerbsinstitute ist dieAnstalt des Herrn Schachtrup am Scheerenberge: eineBlciwciß- Walzblei- und Schrotfabrik, in welcher jährlich an16,666 Centner Blei und Glätte verarbeitet werden. Die Fa-brik liefert den größten Theil ihrer Producte ins Ausland, nachHolland, Schweden, Dänemark, Nußland, Amerika :c. Hierfinden gewöhnlich 166 — 266 Arbeiter Beschäftigung. Da dieGesundheit in dieser Fabrik durch das giftig wirkende Blei sehrgefährdet wird, so bekommen die Arbeiter nach einer Reihe vonJahren von ihrem Fabrikherrn eine kleine Pension. Viele abersterben vor Erreichung dieses Ziels an den Folgen des ver-schluckten Giftes, an der bekannten Bleicolik. Herr Schachtrup,dessen Anstalt viel zur Entstellung der menschlichen Züge der inihr arbeitenden Annen beiträgt, hat sich um die Verschönerungder Promenaden der Stadt große Verdienste erworben. Er isteiner der reichsten Leute des Landes. Die Ostcroder sind stolzauf den Schcercnbcrg und auf die jährlichen Gastmähler, welcheder Besitzer desselben der besu lUonäe zu geben pflegt.
Zu den Vergnügungsplätzen der Ostcroder in der Näheder Stadt gehören: der Uehrderberg, von dessen Höhe man
W i m
oder Einbcck, die Hauptstadt des Fürsten-thums Grubenhagen, liegt an der Jlme, die sich eine viertelStunde vor der Stadt in die Leine ergießt. Als ein Landgutgehörte die Gegend früher, vor Erstehung der Stadt, den Gra-fen von Katelnburg, die hier eine Kapelle hielten, in wel-cher einige Tropfen vom Blute deS Erlösers als Reliquie auf-bewahrt und verehrt wurocn. Später einstand daneben ein Stift,das Stift Ilestso Asrise Virginis, zu dem man zu „unserer liebenFrauen Haar und Milch" wallfahrte. Die Angehörigen, welche sichan diesen beiden geweihten Plätzen anbauten, wurden dadurch vonder Leibeigenschaft befreit; auf diese Weise hob sich Eimbeck raschempor. Schon unter Heinrich dem Löwen spielt Eimbeck einenicht unbedeutende Rolle; im Jahre 1346 erhielt aber der Orterst ein eigenes Sladtrecht.
Die eigentliche Blüthczcit der Stadt fällt in das 15. Jahr-hundert. Handel und Gewerbe gediehen von Jahr zu Jahr;besondern Ruhm erwarb sich ein Product der künstlichen Eährung,das man in Eimbeck besser als in andern Ländern und Städtenzu bereiten verstand, das Bier. Es wurde in ungeheuren Mengenweit und breit ausgeführt, kam auf fürstliche Tafeln und spielt,wie bekannt, selbst auf dem Reichstage zu Worms eine Rollein jener silbernen Kanne, welche Herzog Erich dem gewaltigenSprecher zur Stärkung zuschickte.
eine reizende Aussicht in's Thal genießt; ferner das rotheHaus, der breite Busch und die Petershütte. Ein be-sonders volksthümlichcs und beliebtes Fest, das Schützenfest,begehen die Ostcroder auf dem vor dein Johannisthor liegen-den Schützcnhof, zu Anfang des Sommers.
Die Nachklänge der französischen Julircvolution hallten be-kanntlich auch an dem Fuße des Harzes wieder. Wer dächte anOsterode, ohne nicht zugleich an die beiden, von Wärme undLeidenschaft für die Sache der Freiheit ergriffenen, in die un-glücklichen Göttinger- und Ostcroder-Unruhcu vom Jahre 183lverwickelte», geliebten und geehrten Männer, König und Frei-tag, zu denken, die als Advokaten in Osterode lebten. Beidewurden erinnerlich, nachdem sie bereits 5 Jahre in einsamerHaft verlebt hatten, zu 5 Jahre Zuchthaus in contumseismvcrurtheilt. Ihr und ihrer Familien Leid wird unauslöschlichmit der Geschichte der Stadt verwebt bleiben.
Zu den Naturmerkwürdigkeiten außerhalb Osterode gehörtder südlich von der Stadt, unweit des Dorfes Schweigcrshau-sen befindliche, sogenannte Klinkerbrunnen, eine Kalkstein-höhle mit einem dunklen und engen Eingange, die ihren Na-men von dem Geräusch hat, welches der von der Decke derHöhle beständig herabfallende Sinter verursacht. Im Grundeder Höhle ist ein Wasser, das sich tief in die Felsen verliert.Eine zweite in der Nähe der Stadt befindliche Höhle, die Zet-tenhöhle, soll einst der Aufenthalt eines schönen Edelfräuleinsgewesen sein, das ein Ritter von Uchrde entführt haben soll.In der Nähe der alten Kirchcnmauer des einst unweit derStadt bclegenen, im Bauernkriege zerstörten Dorfes Mettlinge-rode ist ein Wirthshaus, der Brunnen geheißen, erbaut. DasWasser, welches hier geschöpft wird, ist sehr berühmt. Es sollzuerst 1651 zu Tage gekommen, aber nachdem es einige Wochengesprudelt, wieder versiegt sein. Im Jahre 1765 floß dieQuelle wieder und ward so sehr gerühmt, daß Georg II. beiseiner Anwesenheit in Hannover sich täglich durch Estafetten vondiesem Wasser holen ließ.
»eck.
Eimbeck schloß sich dem Hansabunde an, prägte bis zuEnde des 17. Jahrhunderts eigne Münzen und zeichnete sichnicht minder in den Wissenschaften und Künsten aus. Die Stadtschien aber auscrschen zu sein, alle möglichen Schrecken des Kriegsund der Elemente zu erfahren. In den Jahren 1435 — 36fanden mehre zerstörende FeuerSbrünste statt. Bald darauf über-flnthcten die von Herzog Wilhelm gegen seinen Bruder Friedrichzur Hülfe herbeigerufenen Hussiten die Gegend und brandschatz-ten die Stadt, die noch mehr unter der 1476 zwischen ihr unddem Herzog Wilhelm dem Jüngern, dem Sohne Wilhelms desSiegreichen, entstandenen Fehde und der 1484 ausgebrochenenPest leiden sollte.
Eimbeck war die erste Stadt im Wclfenlande, welche sichzur Fahne der Reformation schaarte. Schon 1522 predigte derAugustiner-Mönch Ebb recht in einem Dorfe unweit der Stadt,und gleich darauf folgte ihm Johann Dorn welle auf derBahn in Eimbeck selbst. Der ganze Rath nahm die neue Lehrean; ein großer Theil der Einwohner blieb indeß der römischenKirche treu, bis Philipp der Aeltere zum Protestantismusüberging und nun die neue Lehre allgemein ward.
Im 16. Jahrhundert beginnt die Stadt von ihrer Höheherabzusinkcn. Die Wallfahrten halten ein Ende, und damitwar eine wichtige Erwerbsquelle versiegt. Innere religiöse wie