mehre Andre mit dem Beil enthauptet, noch Andre wurden ver-brannt. Die ganze Bürgerschaft mußte zur Sühne für das ver-gossene Blut Geld zum Bau des Barfüßer-Klosters zahlen.Um sie noch besser im Zaum zu halten, stellte der Herzog einenSchultheiß an, der im Rathe Sitz und Stimme hatte, undohne den, als herzoglichen Commissär, kein Beschluß gefaßtwerden durfte.
Die Reformation, welche in dieser Gegend später als inThüringen und Sachsen Eingang fand, gab zu manchen neuenKämpfen zwischen den Anhänger» des Papstes und denen derneuen Lehre Anlaß. Einer der Letzter», ein kühner und eifri-ger Beförderer des Lutherthums, war der Prediger AndreasDomeyer. Herzog Erich II. führte den evangelischen Gottes-dienst 1558 in der Schloßkirche (St. Jacobskirche) ein, undänderte das Kloster zu einer herzoglichen Residenz um.
Der dreißigjährige Krieg kostete besonders Osterode großeOpfer. Wilder als die kaiserlichen Truppen hausete eine Schaarvon Verzweifelten, die, durch den Krieg in Hunger und Nothaller Art gerathen, aufhörten, zwischen Feind und Freund einenUnterschied zu machen. Es waren dies die Harzbewohner, die,dem Elende Preis gegeben, sich ihrer Haut zu wehren undnach dem Muster der Raubritter anfingen Straßenränberei undSchätzung zu treiben. Sie machten sich bald so anrüchig, daßsich Niemand in die Gebirge wagte, denn die sogenanntenSchnapphähne oder Busch reit er hausten auf den Bergenund in den Thälern fürchterlich. Tilly fand auf seinem Zugeüber den Harz von Magdeburg nach Erfurt die Gegend mitLeichen übersäet. Einer der Hauptführer dieser wildentbranntenVerghorde war der berüchtigte Hans Warnecke der an derSpitze von mehren Hundert Bewaffneten die ganze Gegend inFurcht und Schrecken setzte; er beunruhigte Osterode oft. ImJahre 1627 sandte er der Stadt einen Fehdebrief und erschlugeinen Bürger, dessen er im Felde habhaft geworden. Er rückteauch vor die Stadt und erpreßte nicht allein eine Menge Le-bensmittel von ihr, sondern raubte eine Anzahl Pferde, Schafeund Kühe, ohne daß die Osteroder gewagt hätten, sich solcherfrechen Gewaltthat zu widersetzen. Der schreckliche Buschklepperaber sollte seinem Rächer nicht entgehen. Als Hans Warneckesich einst während des Jahrmarkts, und zwar während der Frei-zeit von Sonntag bis Dienstag, kühn in die Stadt wagte undmit einem seiner Genossen in einer Schenke trinkend saß, warder auf Befehl des Raths gefangen genommen. Nicht ohneMühe gelang es, des Gepanzerten mächtig zu werden; manband ihn indeß und führte ihn gefangen nach Celle, wo einstrenges Gericht über ihn gehalten und er wegen des vielenunschuldig vergossenen Blutes geviertheilt ward.
Wie die schwedischen Bundesgenossen in Göttingen und anandern Orten übler gehaust hatten, als die feindlichen Truppenselbst, so mußte auch Osterode unter ihrem Drucke leiden. DieObristen Bossard und Jo bst Rud o lp h rückten im Jahre 1637vor die Stadt und kündigten derselben eine große Einguartirungan. Die Osteroder boten Geld, um sich von dieser Plage zubefreien, sie sollten aber größere Summen erlegen, als sie imStande waren herbeizuschaffen. Bossard nahm, da man sichseinen übertriebenen Forderungen widersetzte, den LanddrostenHeinrich von Dannenberg und den Rathshcrrn JordanFriedrich als Geißel gefangen und führte sie fort. Um dieAuslösung dieser Männer zu bewerkstelligen, ließ der HerzogFriedrich in Celle eine Sammlung im ganzen FürstenthumeGrubenhagcn anstellen, in Folge welcher auch die Genanntenwieder nach Osterode heimkehrten.
Der Untergang der bürgerlichen Freiheiten und städtischenGerechtsame und der Wachsthum der herzoglichen Gewalt hiel-ten mit den ähnlichen Erscheinungen in andern protestantischenStädten des Nordens gleichen Schritt. Die Industrie verschafftOsterode bis auf den heutigen Tag indeß ein nicht geringes
! Ansehen und räumt der Stadt einen der ersten Plätze im Kö-nigreich auf dem Felde des Gewerbfleißes ein.
Zu den Ortsmerkwürdigkciten älterer Zeit gehört zunächstdas Schloß, das gegenwärtig zu Beamtenwohnungen benutztwird, früher aber zur herzoglichen Residenz und ursprünglich zugeistlichen Zwecken bestimmt war. Die neben dem Schlosse be-findliche Schloß- oder St. Jacobikirche gehörte ursprüng-lich den Cistercicnscrn, derer Kloster durch Erich II. im Jahre1558 aufgehoben ward. Im Jahre 1751 wurde die Kircheneu ausgebaut. An der Jacobikirche steht ein Superintendent.
Aeltcr und wichtiger für die Geschichte des Vaterlandes istdie Markt- oder St. Egidienkirche. In ihr befinden sichmehre Grabmäler von Personen aus dem Hanse der Welsen,namentlich das Philipp des Aeltern, Ernst, Wolfgangund Philipp des Jüngern. — Bonifacius soll an derStelle der Egidienkirche den Altar der Göttin Ostera 724 zer-stört und hier zu Ehren seines Freundes Aegidius eine Kapelleerrichtet haben. Daher der Name.
Die dritte Pfarrkirche ist die St. Johanniskirche; sieführt auch den Namen Todtenkirche, weil in ihr die Leichen-predigten gehalten werden. Sie stammt aus den Zeiten derBarfüßer. Ihr Thurm hat abgetragen werden müssen. Aufdem Stadtkirchhof vor der Kirche wird ein gußeisernes Monu-ment gezeigt, auf welchem unter andern ein Kind in den Win^dein dargestellt zu bemerken ist. Man erzählt, daß ein reicherPatricier, welcher dieses Monument etwa vor 26(1 Jahren zurZierde seiner Familiengruft gießen ließ, dies Kind, das ihmeben geboren, aber so schwach und hinfällig war, daß der Va-ter keine Hoffnung hatte, es am Leben erhalten zu sehen, mitin die Gruppe der Gestorbenen aufnehmen ließ, in der Erwar-tung, es werde sterben, daß er sich aber getäuscht sah, indemdas Kind wuchs und gedieh und ein hohes Alter erreichte.
An Gemälden ist keine der drei genannten Kirchen reich.In der Jakobikirche wird jedoch ein gut gemalter Christuskopsgezeigt. Das Altarblatt ist sauber in Holz geschnitten; dasAltarbild der Johanniskirche, die Kreuzabnahme und Himmel-fahrt, ist ebenfalls gut gemalt.
Auch die Vorstadt, Marien Vorstadt, hat eine Pfarr-kirche, St. Marienkirche geheißen. Ihre Entstehung schreibtsich aus dem 12. Jahrh, her. Man sieht in ihrer Sakristeiein treffliches, die Passion Christi darstellendes, Oelgemälde.
Ein für die Berg- und Hüttenleute des Harzes wichtigesInstitut ist das vor dem Johannisthore an der Söse liegende246 Fuß lange, 66 Fuß breite und 86 Fuß hohe ganz massiveMagazin- oder Provianthaus, das von 1718 — 1722mit einem Kostenaufwande von 26,666 Rthlr. zum Wohl undBesten der Berg- und Hüttenleute des Hannöverschen Harzeserrichtet wurde. Jeder verheirathete Berg- oder Hüttenmannerhält aus diesem Kornmagazin monatlich zwei Himpten, derUnverheirathete, so wie der Invalide und die Wittwe jede 1Himpte Korn monatlich für die Summe von 16 ggr. wie hochauch die Kornpreise steigen mögen. Der Verkauf aus dem Ma-gazin hört auf, sobald das Korn auf dem Markt bis auf16 ggr. oder darunter fällt. Das Getraide liegt hier auf siebenübereinander errichteten großen Böden, welche zusammen 72666Scheffel Nordhäuscr Maaß fassen können. Die Idee zu diesemgroßartigen und wohlthätigen Institut ging von dem vor etwa166 Jahren verstorbenen Berghauptmann von dem Buscheaus. Ueber dem Eingange zu dem, mit dem englischen Wappengezierten, Gebäude steht die Inschrift: Utilitati Uoro^nias oxslruo»tum koo Skäilioium UULLXXII.
Die Stadt Osterode hat 4 Thore: das Jacobithor,dasHarz- oder Johannisthor, das Marienthor und dasNenstädlerthor. Auf dem ziemlich großen Markte steht einschöner Springbrunnen, der zur Belebung des Platzes viel beiträgt.