gebungen; zu den besuchtesten Plätzen in der Nähe der Stadtgehören die am Hainberg von NohnS gemachten schönen An-lagen, Kehr's Anlagen oder Kochslust auf dem genanntenBerge, die Dörfer Weende, Grohnde, Geismar, Rein-hausen, Mariaspring u. m. A,, sowie die Ruinen derPlesse, Hardenberg, der beiden Gleichen und derBurg Hanstein, Wessen Fuß hätte se diese köstlichen Punkteerstiegen und könnte die Wonne des Anschauens vergessen, indie er an ihnen versank! Wer hoffte und wünschte nicht, in-dem er diese kurze Geschichte Göttingens durchblätterte, der schö-nen guten Gevrgia-Augusta Heil und Segen? —
Wir wollen nicht auf frühere Schilderungen der StadtGöttingen und ihrer Umgebungen verweisen, wir setzen voraus,daß kein Fremder so wenig Annehmlichkeit in derselben ent-decken wird, als H. Heine, der sie in seinen Neiscbildernmit satyrischer Lauge übergoß. Dagegen wollen wir nur Ei-niges über den Göttinger Dichterbund, den Hainbund,der hier in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts sichbildete, hinzufügen. Um das Jahr 1770 war die lyrischeDichtkunst in Deutschland von Neuem erwacht, Göttingcn derOrt, an welchem sich ihre Jünger: G. A. Bürger, I. H.Voß, L. H, Chr. Hölty, die beiden Grafen zu Stolberg,I. M. Miller, Götter und Boie damals aufhielten, oderdoch die Stadt, welche sie als Mittelpunkt ihrer Thätigkeit an-sahen. Die historisch-literarische Bedeutung dieses Bundeshat Prutz in einer besondern Schrift zu würdigen versucht;
wir können hier nicht aus das Nähere eingehen, dürfen abernicht verschweigen, daß die Nationalpoesie der Deutschen die-sem Bunde und seiner Anregung sehr viel zu verdanken hat.Wie wenige späteren Dichter haben z B. Bürgers Balladenerreicht, welche zum Theil in Göttingen oder der Umgebungentstanden! Wie selten ist der sanfte, lyrisch-elegische Ton Höl-ty s übertroffen worden, dessen schönste, wehmüthige Liederin den Mauern der Gevrgia-Augusta geboren wurden! Nurwer mit dem innern Leben eines poetischen Gemüthes unbe-kannt ist, läugnet den Einfluß der Umgebung und Oertlichkeitauf die poetischen Schöpfungen unserer Dichtergenien. Neuer-dings haben auch einzelne Romane das Leben der Dichter imHainbunde treffend entwickelt, wie z. B. Voigt in seinen„Hölty" und Otto Müller in seinem „Bürger". Auch derwitzige und geistvolle Lichtenberg, den wir schon erwähnt,ist vom Namen Göttingens nicht zu trennen. Er war zwarnicht in dieser Stadt, sondern in dem Dorfe Oberramstadtbei Darmstadt (1742) geboren, verlebte aber die besten Jahreseiner schriftstellerischen Thätigkeit zu Göttingen. Wer wirdnicht bei der Jakobi- und Johanniskirche an seinen Anschlag-zettel im Namen von Philadelphia erinnert? Seine Söhneerfüllen, nachdem ihm dankbare Leute zu Oberramstadt eineDcnktafel errichtet, die kindliche Pflicht durch eine neue undschöne Ausgabe seiner Werke, aus welcher die vielen Bezie-hungen Lichtenbergs zu Göttingen, seiner zweiten Vaterstadt,leicht erkennbar sind.