sich zuzueignen, die Lust vergehen, und die genannten Herren,welche für die sichere Aufbewahrung dieses köstlichen Schatzesverantwortlich waren, dachten an nichts weniger, als an dieMöglichkeit eines Diebstahls. Groß war daher ihr Schrecken,als sie eines Tags daS hölzerne Futteral erschlossen und denVogel ausgeflogen fanden. Die gelehrten Herren sahen sichmit Entsetzen an, und das waren keine Silberblicke, die siewechselten Als sie endlich vom ersten Schrecken wieder zu sichund zu Worten kamen, fragte Kästner, mit einer betrübtenMiene auf den leeren Kasten deutend: „Was fangen wir nunmit diesem Unglückskasten an"? „Wir wollen" — erwiderteLichtenbcrg sich schnell wieder fassend — „die Nase hineinlegen,die wir von Hannover kriegen werden". Der Witz war theuererkauft aber gut. Von dem Räuber der berühmten Silberstufehat man nie ein Wort vernommen.
Kehren wir indeß zur Aufzählung der wichtigsten öffent-lichen Vildungsinstitute zurück.
Die Entbindungs - Anstalt steht neben dem Geis-mar-Thore am Walle. Diese wichtige Anstalt ging aus derauf Hiller's Ansuchen bereits im Jahre l751 gestiftetenHebammen-Institut im Hospitale zum heil. Kreuze hervor. DasGebäude wurde 1782 gegründet, 1791 vollendet und 1824neu eingerichtet. Hier werden jährl. zwischen 100 und 150Entbindungen vorgenommen.
Das chemische Laboratorium, ausgezeichnet durchseine vortrefflichen chemischen Apparate und Instrumente, unterdenen besonders ein schöner Woulfischer-Apparat, kostbare Ab-damfschaaleu von Platin u dergl. zu nennen sind.
Das chirurgische Hospital oder das klinischeInstitut für Chirurgie und Augenheilkunde, vonHofrath Langen deck 1807 gestiftet. Hier werden 3 — 400Kranke im Semester behandelt. Die Anstalt hat eine großeAuswahl der schönsten chirurgischen Instrumente, Maschinenund Bandagen.
Das anatomische Theater. Ein älteres wurde be-reits 1738 erbaut. Das neuste liegt am Ausgange der Alleeam Walle, es wurde 1829 vollendet, und zeichnet sich durchäußere Schönheit und innere Zweckmäßigkeit aus.
Zu den den medizinischen Wissenschaften gewidmeten An-stalten gehören auch noch das akademische Hospital unddas medizinische K linikum Auch die Blumenbach'scheberühmte Schädelsammlung muß hier genannt werden. — DieThierarzneischule liegt vor dem Groner-Thore. In derMitte des Gebäudes befindet sich die Wohnung des Direktorsund ein Lehrsaal, daneben das zootomische Theater und einSaal mit Skeletten der verschiedenen Hausthiere. In den an-gebauten Ställen wird stets eine Anzahl von kranken Thierenvorräthig gehalten.
Der botanische Gartcn, eine der wichtigsten Bildungs-und Kunstanstalten der Stadt, wurde von dem berühmten Hallerangelegt. Er liegt zwischen dem Weender- und Albanithor. Derlange Wall zwischen beiden führt durch den Garten. Gewächseaus den verschiedensten Zonen der Erde werden hier gezogenund gepflegt. Der ganze Garten ist in die verschiedenen Haupt-abtheilungen der Staudengewächse, der perennirenden, derAlpen- und Schattenpflanzen, der Wasser-, der ökonomischenund der officinellen Pflanzen eingetheilt und nach dem Linnöi-schen System geordnet. Große Treibhäuser enthalten die eroti-schen Gewächse, unter denen welche aus Neuholland, ausSüdamerika, Westindien u. s. w. Ein werthvolles Herbariumdes verst. Garten - Jnspectors Fischer enthält etwa 12,000innerhalb der Ringmauer des Gartens gezogene Pflanzen HoheVerdienste um diese großartige schöne Anlage hat sich besondersder Hofrath Sch rader erworben. Der botanische Garten isteine der Hauptzierden der Stadt, und muß den bedeutendsten
ähnlichen Anstalten in Europa an die Seite gestellt werden.Sein Flächeninhalt beträgt 17 Morgen Landes.
Die königl. Societät der Wissenschaften wurdeim Jahre 1751 errichtet; ihren Zweck, einen Verein zur Er-weiterung der Wissenschaften zu Stande zu bringen, hat sieerreicht. Der Ruhm der Universität verdankt ihr theilweiscseinen Gehalt. Sie zerfällt in drei Klassen, die mathematische,physische und historisch philologische. Die berühmtesten Gelehr-ten in den verschiedenen Wissenschaften sind ihre Mitglieder,von denen die wirklichen, in Göttingen selbst anwesenden, ver-pflichtet sind, jährlich in den regelmäßigen Sitzungen sechs Ab-handlungen vorzutragen, die später im Druck erscheinen. Vonden wirklichen Mitgliedern der drei Klassen wird abwechselndalljährlich eine Preisaufgabe wissenschaftlicher Art gestellt. DerPreis beträgt 50 Dncaten, mit Ausnahme der wirklichen Mit-glieder kann jeder Gelehrte des In- oder Auslandes sich umdiesen Preis bewerben. Die Abhandlungen müssen in lateini-scher Sprache geschrieben sein. Außer diesem Preis theilt dieSocietät auch noch einen doppelten Preis von 12Ducaten fürdie beste Beantwortung einer die Ockouomie- und Kameral-Wissenschaften berührenden Frage aus. Mit den gelehrten In-stituten des Auslands steht die Göttinger Societät in engemVerkehr. Ihr Organ „die Göttinger gelehrten Anzeigen" be-steht seit 1739.
Außer den von der Societät gestellten Preisfragen, stellendie vier Facultätcn jede alljährlich ebenfalls wissenschaftlicheAufgaben, welche den Eifer der Studirenden zu heben geeignetsind. Goldene Medaillen, 25 Ducaten an Werth, werden ineiner öffentlichen Sitzung dem Sieger zugetheilt. Endlich istauch noch ein ähnlicher Preis für die beste Predigt ausgelobt.
Das philologische und das homiletische Semi-nar. Das erstere wurde von Geßner im Jahre 1737 ge-stiftet und besteht aus 1t Seminaristen, von denen jeder einStipendium von 100 Thlrn. erhält, wie außerdem aus einerAnzahl Zuhörer und Aspiranten; das letztere hat besonders seit1810 unter Leitung des Konsistorialraths Pott an Ansehngewonnen.
Die Aula oder das neue Universitätsgebäudeam neuen Markt, auf dem ein Denkmal Wilhelm IV., undAusgangs der Barfüßlerstraße, entstand aus dem Bedürfnißeinen Mittelpunkt der bis dahin in der Stadt zerstreuten Hör-säle zu stiften. Er wurde bei der bekannten Säkularfeier derUniversität im Jahre 1837 feierlich eingeweiht. Außer diesenUnterrichtsanstalten verdienen noch das Gymnasium, die höhereTöchterschule und mehre Real-, Sonntags- und ErwerbschulenErwähnung.
Göttingen hat fünf Thore und fünf lutherische Pfarrkir-chen, unter denen die St. Johanniskirche mit einem Doppel-thurm und die Jacobikirche mit einem 300 Fuß hohen Thurm,eine reformirte und eine katholische Kirche. Die Stadt wirdin Neu- und Altstadt und Masch eingetheilt und zeichnetsich durch die Reinlichkeit ihrer meistens schönen, breiten undgerade» Straßen aus. Ihre Einwohnerzahl beläuft sich aufungefähr 12000.
Die Zahl der Studirenden hat in neuester Zeit sehr abge-nommen. Seit 1831 erreichte sie die frühere Höhe nicht, undschwankt zwischen 0 — 800, während das Verhältniß früherbedeutend günstiger war. Im Semester von Ostern bis Mi-chaelis 1823 zählte die Universität 1547 Studirende; den Letz-teren werden eine Anzahl von Stipendien und 204 Freitisch-stellen gegeben.
Göttingen liegt in einer der schönsten Gegenden des Lan-des. Die Nähe des Harzes und des Meißncrs, des schönenCasscls und der reizend gelegenen Stadt Münden, lockt dieBewohner während der guten Jahreszeit in die schönsten Um-