tränkten, trümmerrelchen Boden Göttingens einen köstlichenSitz, er stiftete die Universität Georgia Augusta, deren Ruhm jsich über die ganze gebildete Welt erstrecken sollte.
Die Drangsale, welche der siebenjährige Krieg über Han-nover verhing, ließen auch Göttingen ihre bösen Folgen empfin-den. Georg II, erlebte das Ende nicht; sei» Sohn Georg III.ließ, nachdem er 1763 den Frieden zu Paris geschlossen; dieGöttinger Festungswerke schleifen, und vermehrte die wissen-schaftlichen Anstalten der Stadt; die spätern kriegerischen Ereig-nisse, die Besetzung Hannovers durch die Franzosen hemmtendie Entwickelung derselben sehr. Mit der Erhebung Hannoverszum Königreich und bis zu Georgs IV. Tode, (1836) blühtedie Universität und die Stadt indeß desto kräftiger empor. —Der Widerhall der Julirevolntio» aber erschütterte 1831 denMusensitz. Die Unrnhe» in Göttingen brachten abermals einegroße Störung herbei. Von Hannover rückten Truppen gegendie Stadt, die nach kurzem Widerstande ihre Thore öffnete,durch die seitdem der Segen wieder voll eingezogen ist.
Das Patent vom 5. Juli 1837, durch welches Ernst I.das Staatsgrundgesetz von 1833 für aufgehoben erklärte, trafin Göttingen auf einen energischen Widerstand. Sieben Pro-fessoren (Dahlmann, Wilhelm und Jacob Grimm,Gervinus, Ewald, Weber und Albrecht) erklärten, daßsie den neuen Huldigungseid nicht leisten könnten noch würden.Die Folgen dieses freimüthigen, gewissenhaften Schrittes sindallgemein bekannt. Göttingen hat sich von dem Schlage, denes durch die Vertreibung jener Sieben erlitten, bis auf denheutigen Tag noch nicht erholt. — Die Ueberfüllung, welchein Folge des Andrangs der Jugend zu den Studien nach demFreiheitskriege in allen Aemtern eingetreten, machte Maßregelnnöthig, diesem Andränge Einhalt zu thun. Die Einführungder Maturitätsprüfungen und die großen Einschränkungen derakademischen Freiheiten verminderten die Zahl der Studirendenbedeutend, und thaten dem Erwerbe der Einwohner, die größ-tentheils auf die Universität, als eine Quelle ihres Wohlstan-des, hingewiesen sind, großen Abbruch, Immer aber bleibtGöttingen, vermöge seiner großen Vildungsanstalten, und dergeistigen Erbschaft so vieler berühmter Männer, deren Auf-zählung uns zu weit führen würde, die hier den Samender Wissenschaften ausstreuten, eine der ersten Universitätennicht bloß des Landes, sondern der ganzen gebildeten Welt.
Werfen wir nun einen Blick auf die vorzüglichsten Bil-dungsinstitute und öffentlichen Gebäude der Stadt.
Die neue Sternwarte. Diese erhebt sich vor demGeismar-Thor, wo sie 1782 gegründet, aber in Folge derlangen Kricgswirren erst im Jahre 1816 vollendet wurde. Sieist im dorischen Stpl gebaut, 126 Fuß lang und 46 Fuß breit.In der Mitte des Gebäudes ragt ein 14 Fuß hoher Thurmhervor, der 22 Fuß im Durchmesser hält und mit einer halb-runden kupfernen Kuppel bedeckt ist, die vermittelst eines Me-chanismus gedreht werden kann. Die feststehenden schöne»Meridianinstrumentc, an denen die Sternwarte besonders reichist, hängen zwischen freistehenden steinernen Pfeilern, und ge-währen durch 1 Fuß breite Einschnitte im Dache und denSeitenwänden den Hinblick auf den Himmel. In den Seiten-flügeln des Gebäudes sind die Wohnungen der Astronomen undWärter. Neben der Sternwarte ist seit 1832 ein kleines Ob-servatorium für magnetische Untersuchungen errichtet. DurchLeitungsdräthe ist eine galvanische Verbindung zwischen derSternwarte und dem physikalischen Kabinct hergestellt.
Das königl. Museum. Es ward im I. 1793 angelegtund hat 14 kleine Säle, in denen die zoologischen, mineralogischenund antiquarischen Schätze aufgestellt sind, auch befindet sichhier eine Gemäldesammlung, in der einige treffliche Arbeitenaus altdeutscher und niederländischer Schule gezeigt werden,sowie das physikalische Kabinct, zu dem Lichienbcrg den Grund
legte. Er verkaufte es 1789 gegen eine Leibrente an die Uni-versität. So werthvoll einzelne Apparate und Instrumentezu jener Zeit auch waren, läßt diese Sammlung gegenwärtigdoch Manches zu wünschen übrig. Auch eine Modellsammlungist hier aufgestellt, in der sich unter andern ein Bergwerk imKleinen durch seine Vollkommenheit auszeichnet.
Die Biblioihek. Das berühmte Institut liegt, wie dasMuseum, in der Mitte der Stadt und umschließt mit demselben denKollegieuplatz, nach welchem ihr Hauptausgang führt. Im unternStockwerk der Bibliothek nehmen die theologischen Wissenschaf-ten die großen nördlichen und westlichen Säle zur rechten Seitedes Einganges ein; der nördliche Saal zur linken Seite des-selben ist den mathematischen, naturgeschichtlichen, astronomi-schen und Alterthums-Wissenschaften cmgeräunrt; der östlicheSaal enthält die philosophische», kriegswissenschaftlichcn undperiodischen Werke. Im obern Stock hat die Jurisprudenzeinen Theil des nördliche» Saals inue; hier befinden sich auchdie der Universität geschenkten Uffenbach-Aschischen werth-vollen Büchersammluugen. Der östliche Saal enthält die me-dizinischen, philologischen, schönwissenschaftlichen und Kunstwerke.Neben diesem Saal ist das Arbeitszimmer, in welchem auchdie Ausgabe und Annahme der geliehenen Bücher stattfindet.Einen imposanten Eindruck macht der prachtvolle historische,mit Büsten und andern Kunstwerken gezierte Saal, der sichüber den ganzen westlichen Theil des obern Stockwerkes hiner-streckt. Neben demselben ist der kleine historische Saal, inwelchem die Werke der Literaturgeschichte und historischen Hülfs-wissenschaften aufgestellt sind. — Der Grund zu dieser berühm-ten Sammlung, die mit Recht als eins der wichtigsten wissen-schaftlichen Institute der alten Welt geschätzt wird, wurde durchdie Bülowsche Bibliothek gelegt, die 8912 Bände enthielt,und mit einer kleinen Sammlung des Göttingcr Gymnasiumsund einer bedeutenderen vom Könige geschenkten Anzahl vonWerken verschmolzen ward. Im Jahre 1765 zählte die Bi-bliothek bereits 66,666 Bände und 166,666 Traktate und In-kunabeln, und 1787 schon gegen 126,666 Bände. Von Jahrzu Jahr wuchs dieser Schatz; besonders war es der berühmteHeyne, der für Vermehrung derselben unermüdliche Sorgetrug. Bei seinem Tode war die Bibliothek auf 266,666 Bändeangewachsen. Unter seinen Nachfolgern richtete vorzüglich Hof-rath Neuß großen Fleiß auf Vergrößerung der Bibliothek, diegegenwärtig über 366,666 Bände und an 5666 Handschriftenzählt. Aber nicht bloß diese immense Zahl von Büchern hat derGöttingcr Bibliothek so großen Ruf verschafft; sondern dieOrdnung, welche unter diesen Schätzen herrscht und die weiseEinrichtung daß sie Jedem Gebildeten den Zutritt gestattet undden Umgang mit ihren Werken erleichtert. Die Göttinger Bi-bliothek ist nicht, wie so manche ihresgleichen, ein todtes Bü-cherkapital, sie steht vielmehr mit dem Leben im engsten Ver-kehr. Ihre kostbaren Werke sind nicht bestäubt, sie öffnen sichleicht jedem wißbegierigen Auge. Ihre Nominal- und Real-kataloge, die sich in der größten Ordnung befinden, könnenandern ähnlichen Instituten zum Muster dienen. Das Biblio-theksgebäude umschließt außer dieser großen Sammlung vonBüchern auch eine werthvolle Kupferstich-, Münz- und Land-kartensammlung.
Ehe wir dem Kollegienplatze den Rücken kehren, wollenwir einer historischen Anekdote erwähnen, die sich an jene Fen-ster knüpft, welche ernst und schweigend auf den viereckigenPlatz hernieder schauen. Dort wurde unter Lichten berg'sund Kästner's Aufsicht früher eine werthvolle Silberstufc ineinem hölzernen Futteral ausbewahrt und den Besuchern derBibliothek und des Museums gezeigt; gutes reines, glänzendesSilber aus den Schachten des Harzes, die zu jener Zeit min-der karg als gegenwärtig waren. Die Stufe war so schwer,daß es schien, als müsse jedem, der etwa Gelüste trüge, sie