wurden erecutorisch eingetrieben und zur Steigerung der Nothwurde der umsichtige, mit den schönsten Planen für die Zukunftseines Landes beschäftigte, Georg durch Gift, das ihm die mcu-chelmörderische Hand eines fanatischen Mönchs beigebracht hatte,zu Hildesheim seiner Zeit entrissen.
Unter seines Sohnes, Christian Ludwig, schwacherHerrschaft gelang es den kaiserlichen Truppen abermals neuenVorsprung zu gewinnen; Erzherzog Leopold Wilhelm undder baiersche General Piccolomini beschossen Göttingen aufsneue, wurden aber noch zu rechter Zeit glücklich in die Fluchtgeschlagen Göttingen schien nichts mehr verlieren zu können,weil es alles verloren hatte, als 1648 endlich Friede mit demKaiser geschlossen wurde.
Diese schreckliche Periode der Drangsale schloß mit dem Re-gierungsantritt Georg Wilhelms. Eine neue wichtige undsegensreiche Aera sollte die gebeugte Stadt nach und nach wie-der beglücken, sie sollte aus ihren Ruinen, die, selbst vieleJahre nach dem westphälischen Frieden, den größten Theil ih-res Raums bedeckte», langsam erstehen. Zwar kehrte das altestolze Selbstbewußtsein, das die Bürger in den Kämpfen gegen denAdel und die Geistlichkeit und selbst mit so gutem Erfolge oftgegen die Herzöge an den Tag gelegt, nicht wieder, zwar wur-den die Gränzen der städtischen Freiheit und Gerechtsame auchjetzt noch enger gezogen, allein die neue städtische Verfassung,welche Georg Wilhelm crnführte, war für das minder sta keGeschlecht nicht ohne wohlthätige Folgen. Der Magistratdurfte jetzt nicht mehr willkürlich schalten und walten, er mußte sichin das mehr centralisirende Vcrwaltungsspstem schicken, das schonseines reformatorifchen Princips wegen anregend und heilsamauf die in vielen Stücken am Hergebrachten klebenden Ge-müther wirkte.
Unter Johann Friedrich und dem ihm in der Regierungfolgenden Herzog Ernst August wurde die neue Ordnung derDinge innerhalb der Stadt immer fester begründet, besonderswohlthätig war das von dem Letzter» 1686 eingefübrte neueSteuersystem, welches die grellen Ungerechtigkeiten des altenmöglichst zu vermeiden strebte und den.Adel und die Reichenmehr als ihnen lieb war, belastete, die arbeitende Klasse aberschonte Ernst August, der die Würde eines Churfürsten an-nahm, entzog der Stadt das Wahlrecht über ihre eignen Be-amten, steuerte aber dadurch zugleich der cingcrissenen Vcttcr-wirthschast, der manches Magistratmitglied sein Amt verdankte,das nicht für es, und für das es nicht geschaffen war.
Aber nicht bloß das neue Stadtrcgiment war es, waszur Hebung der Zustände hinreichend sein konnte; Ernst Augusterkannte, baß er und seine Nachfolger vieles gut zu machenhatten, was unter seinen Vorgängern Schlimmes eingerissenwar. Um die Schuldenlast der Stadt in ihrem ganzen Umfangegenau kennen zu lernen, setzte er eine Commission nieder,die mit den Creditoren unterhandeln mußte; auch führte eralljährliche Märkte in Göttingen ein, die zur Belebung desinnern Verkehrs bedeutend beitrugen und heilsam auf die Um-gegend rückwirkten. Die Zahl der Einwohner der Stadt warsehr zusammengeschmolzen, die Kriege hatten viele Söhne desLandes hinweggerafft; die großen Schutthaufen, in welcheviele Häuser und öffentliche Gebäude verwandelt dalagen,konnten nicht eher wieder zu Friedcnsstätten und Plätzen desFleißes umgewandelt werden, als bis sich der Geist der Bür-ger von allen erlebten Schrecknissen erholt und bis die nöthigenäußern Mittel vorhanden waren.
Churfürst Georg Lud ewig, der seinem Vater ErnstAugust im Jahre 1698 in der Regierung folgte ließ 1762 demRathe den Befehl zugehen, alle wüsten Stellen und allewährend des Krieges und den epidemischen Krankheiten ver-fallenen Häuser öffentlich anschlagen zu lassen und sie den Cre-ditoren oder den Fremden, welche sich zum Neubau derselben
! anheischig machen wollten, als Eigenthum zu übergeben. AlteI Privatschulden und Hypotheken sollten auf solchen Grundstücken! nicht lasten; der neue Besitzer sollte nicht allein von solchenBelastungen ganz frei sein, sondern auch einen Zuschuß vonder Consumtions- und Gewerbesteuer zu seinem Bau erhalten.^ Diese Maßregel brachte der Stadt großen Segen und rettetesie vor dem allgemeinen Verfall ihrer Grundstücke. ZwanzigJahre hindurch genoß Göttingen dieser Unterstützung und Be-vorzugung, deren nächste Folge ein schnell und neucrstehcndesLeben auf den Trümmern war. Tausend Hände regten sichgeschäftig die Bauplätze von Schutt zu befreien und neue Woh-nungen auf ihnen zu errichten. Muth und Lebenslust kehrte mdie Gemüther zurück; die Straßen »ahmen von Jahr zu Jahran neuem regeren Verkehr zu. Um die Industrie zu hebenübertrug der Churfürst den Göttinger Tuch- und Wollenwebernbedeutende Lieferungen für die Armee. Er ließ selbst eineTuchfabrik auf seine Kosten einrichten. Ludwig, der nach demTode der Königin Anna, unter dem Namen Georg I., 1714den englischen Thron bestieg, vergaß sein Vaterland nicht, son-dern war unablässig bemüht die hannöverschen Verhältnisse ausder alten Unordnung hervorzuziehen, das Land zu vergrößernund besonders auch Göttingen zu heben. Er versprach allenKünstlern, Handelsleuten, Manusaeturisten und Handwerkern,die sich im Lande niederlassen und ihre Gewerbe und Geschäftetreiben würden, eine zehnjährige Freiheit von allen persönlichenLasten und gewährte ihnen nicht bloß daS Versprochene, son-dern außerdem noch manche Vortheile. Das war eine neueMaßregel, welche dem Lande zum kräftigen Impuls dienenmußte; die Zahl der Einwohner Göttingens mehrte sich inKurzem in Folge derselbe» um zwei Drittheile.
Auch ans Besserung und Hebung der öffentlichen Bildungs-anstalten war Georg I. emsig bedacht. Er zog berühmte Ge-lehrte heran. Unter diesen zeichnete sich der vom Hofrath Hat-torf berufene Professor Heumann besonders aus. Er ist alsder Reformator des Göttinger Gymnasiums zu betrachten, undals einer jener wenigen Päeagogen des vorigen Jahrhunderts,die die Tiefe der Wissenschaften mit dem Geist der Neuzeit zuvermitteln, und die Jugend mit andern Tugenden als bloßerGelehrsamkeit zu erfüllen wußten. Die Schüler der erstenKlassen des Gymnasiums nannte er Studenten und als einköniglicher Befehl vom Jahre 1731 den churländischen Gymna-siasten das Degentragcn verbot, schickte Henmann zwei Jüng-linge aus der Klasse Selecta mit einer Bittschrift nach Hanno-ver, die dazu diente, den Göttinger Gymnasiasten das genom-mene Privilegium wieder zurück zu verschaffen. Nicht bloß ausdem Churfürstcnthnm, sondern auch aus den angränzcnden Län-dern, in die sich der Ruf dieses ausgezeichneten Mannes ver-breitete, kam die männliche Jugend herbei, um sich unter sei-ner Leitung den Studien zu widmen.
Georgs I Sohn folgte seinem Vater 1766 in der Re-gierung. Georg II. vollendete das angefangene Werk seinesVorgängers. Ein unsterbliches Verdienst erwarb er sich umGöttinqen, wo er sich auf seinem Wege nach Kassel mit einemEnthusiasmus begrüßt sah, wie ihn die Bürger bis dahin vorkeinem Fürsten an den Tag gelegt hatten. Sein Weg warmit Blumen übersäet, Jung und Alt jubelte ihm begeistertzu, tausend Hände streckten sich ihm segnend entgegen. Dasdeutsche väterliche Herz des Königs lohnte solche Liebe undAnhänglichkeit. Georg II. verhieß wie sein Vater alle» nachGöttingen übersiedelnden Künstlern zehnjährige Abgabefrciheit,er errichtete ein Leihhaus, wo der fleißige Arbeiter im Falleder Noth Geld auf Pfänder leihen konnte, und so demWucher nicht in die Hände zu fallen brauchte; er gewährteReligions- und andere Freiheiten; 1737 trat des Fürsten großer,! segensreicher Plan, mit dem er längst das Land zu beglücken! dächte, ins Leben: er bereitete den Musen auf dem blutge-