Sakramente, und erwirkten den Bann über die Stadt, von ^dem sich die eingeschüchterten Bürger mit schwerem Gelde los- !kauften.
Herzog Ernst machte indeß mit der Bürgerschaft gemeineSache gegen die Anmaßungen des Klerus und setzte diesem1358 bestimmte Grenzen.
Einen wichtigen Abschnitt in der Geschichte Göttingensbildet die üsnss toutonica, dieser gewaltige Bund des deutschenFleißes der Städter gegen die rohen räuberischen Gewalttha-ten der Ritter, an den sich Göttingen mit den glänzendstenErfolgen anschloß. Otto der Quade (der Böse), der die-sen Namen im Grunde weniger verdiente als mancher andreHerrscher jener Zeit, folgte seinem Vater, Ernst, >367 in derNegierung; sein Leichtsinn und seine Verschwendung machtenrhn nach und nach von der Bürgerschaft so sehr abhängig,daß er sich endlich fast von allem Ansehn und von aller Macht,deren er sich freiwillig und meistens gegen die ihm zur Fröh-nung seiner Leidenschaften gebotenen Mittel begeben hatte, ent-blößt sah. Der Bürger war ihm über den Kopf gewachsen,er schaltete und waltete vor des Herzogs Augen frei über diewichtigsten Angelegenheiten innerhalb und außerhalb seinerMauern, ohne sich um den Gebieter zu kümmern, ja wan-delte die Stadt in eine Festung um, die nicht bloß gegen denFeind, sondern gegen ihren herzoglichen Herrn selbst eine dro-hende Miene annahm. Herzog Otto verließ Göttingen, Grollund Erbitterung, Scham und Rachlust im Herzen, und siedeltenach Hardcgsen über. Von dort aus suchte er Händel mitden Göttingern und fand sie leicht; mit dem Adel gemeinschaft-liche Sache machend, rückte er gegen die Stadt, verbranntedas Stadtdorf Gronde, und traf Vorkehrungen, Göttingcnmit einem Kranz von neuen Burgen zu umgeben.
Die Bürger fühlten sich indeß, besonders als Genossen derimmer mächtiger werdenden Hansa, zu stark, als daß sie denihnen zugeworfenen Fehdehandschuh nicht hätten aufnehmen sol-len; im Jahre l387 schickten sie dem Herzoge einen Entsa-gungsbrief allen freundschaftlichen Verkehrs mit ihm und denSeinen zu, und zeigten gleich darauf, daß es ihnen mit ihrerSelbstwehr blutiger Ernst war, indem sie einen Ausfall bis zurPlesse unternahmen und den Feind in die Flucht schlugen.Nun rückte der Herzog mit einer furchtbaren Macht gegen dieStadt, um deren Bewohner es geschehen war, hätte sie nichtdie Ungeduld des Herzogs und der Unverstand der Ritter selbst,die sich auf systematische Kriegsregeln weniger als auf Raubauf offener Straße verstanden, gerettet. Otto zog wieder ab,nachdem er vergeblich versucht hatte, die Stadt auszuhungern;1366 kam es zwischen beiden Partheien zu einem Friedensab-schluß.
Unter Otto des Einäugigen sanfter Negierung wuchsder Wohlstand der Stadt und ihres Gebietes bedeutend. DesRegierens satt, alt und schwach, wollte dieser Herzog sich sei-ner Rechte, gegen eine mäßige Summe Geldes, entledigen.Seine Agnaten widersetzten sich indeß diesem Vorhaben; derHerzog Wilhelm von Braunschweig zahlte das verlangteGeld und übernahm lä-12 mit seinen Söhnen und seinem Bru-der Heinrich die Landesregierung. 1465 entstand ein Kriegder Hansastädte gegen Friedrich, den ältesten Sohn des Her-zogs Wilhelm von Braunschwcig, der nach dem Tode Otto'sund dem Absterben seines eignen Bruders in Besitz des ganzenFürstenthums gelangt war; Friedrich hatte von seinem Vaterdas Kalenbergische Gebiet zwischen dem Deister und der Leinezur Verwaltung erhalten; er zog indeß die Räubereien aufoffener Straße der Erfüllung seiner Amtspflichten vor undlauerten den Handelswagen auf, um sie zu bestehlen. DieStädter rüsteten sich endlich gegen ihn, und nachdem sich beidePartheien fast drei Jahre hindurch gegenseitig großen Schadenzugefügt hatten, schloffen sie 1467 Frieden. Auch Wilhelm,
des vorigen Bruder, war der Stadt gram, und kämpfte ge-gen sie in einer langen Fehde der Hanfastädte gegen den Bi-schof Bertold, der den Hildesheimcrn eine drückende Steuerauferlegt hatte, welche diese nicht zahlen wollten. Das Jahr1486 brachte das Ende dieses neuen Kriegs, der die Stadt-kasse nicht minder hart mitgenommen hatte, als der vorher-gehende.
Die beiden Brüder Friedrich und Wilhelm führten gegen-einander das Schwert; der Letztere nahm den Ersteren gefan-gen. Friedrich starb aus Gram im Schlosse Kalenbcrg, seinSohn Heinrich erhielt die Wolfenbüttelschen Länder, und Erich,Wilhelms Sohn erhielt von seuicm Vater 1465 nicht bloß dasschöne Kalenbergische Land, sondern auch das FürstenthumGöttingen
Erich wurde für seine dem Kaiser Maximilian währenddes Baperschen Kriegs geleisteten Dienste (er rettete bekannt-lich dem Kaiser das Leben» von ihm eigenhändig zum Rittergeschlagen, erhielt von seinem befreundeten hohen Gönner einfürstliches Wappen und die Erlaubniß in Weende vor Göt-tingen einen neuen Straßen-Zoll erheben zu dürfen. DieGöttinger wollten sich diese Last nicht gefallen lassen, steckten1563 das Weender Zollhaus in Brand und jagten den her-zoglichen Vogt in die Flucht. Erich verklagte sie beim KaiserMaximilian und dieser sprach 1564 über Göttingen die Reichs-acht aus, die aber durch Erichs Vermittlung bald darauf zu-rückgenommen wurde.
Im Jahre 1512 leisteten die Göttinger dem Herzog Erichden Hnldigungseid. Die vielen und anhaltenden Kämpfe hat-ten indeß die Stadtkassc nicht allein gänzlich erschöpft, sondernauch in eine bedeutende Schuldenlast gestürzt. Die Bürgerselbst verlangten von ihren Beamten Rechenschaft, und bega-ben sich 1513 in einer Prozession ans das NathhanS, um dieAdministratoren zur Rede zu stellen. Ein allgemeiner Aufruhrin der Stadt war Folge dieses Schrittes. Es kam fast zumBlutvergießen, die abgesetzten Räthe ergriffen die Flucht, unddie Gilden erwählten an ihrer Stelle Kämmerer, welche dieEinkünfte der Stadt verwalten und Rechnung ablegen sollten.
Der Herzog war während dieser Unruhen abwesend. Beiseiner Rückkehr von dem Feldzuge nach Ostfriesland griff erkräftig in die schwankenden Zustände der Stadt ein; er setzteden alten vertriebene» Rath wieder ein, suchte den Ansprüchender Gilden und der Bürgerschaft zu genügen, band aber denLetzteren, die sich gewöhnt hatte», in ihm einen Friedensstifterzu ehren, unvermerkt mehr und mehr die Hände. Als HerzogErich 1516 in der Schlacht bei Sieverdeshausen in Gefangen-schaft gerieth, mußten sich die Göttinger entschließen, Nan-zionsgeld für ihn zu zahlen und außerdem an der Tilgung derherzoglichen nicht unbedeutenden Kriegs-Schuldcn kräftig mitzu-wirken. Göttingen mußte dem Herzoge 666 Kriegsknechtc stel-len und überhaupt die Ehre, des Fürsten erste Stadt zu heißenund zu sein, theuer erkaufen. Der Göttinger Rath wurde vonErich eingeladen, seiner zweiten Vermählung, die in Mündenstattfand, beizuwohnen; dies verursachte der Stadt gleichfallsgroße Kosten. So konnten die städtischen Finanzen auf keinengrünen Zweig kommen, und verharrten in ihrem zerrüttetenZustande.
Die Reformation sollte in Göttingen ihre Kämpfe beste-hen und ihre Siege feiern. Herzog Erich kannte Luther; erhatte ihn auf dem denkwürdigen Reichstage zu Worms gesehen,gehört und bewundert; er hatte dem unerschrockenen Sprecherzum Beweis der Sympathie, die er ihm schenkte, einen Labe-trunk, eine Kanne Eindecker Bier geschickt. Nur das Volk inund um Göttingen lieh dem Brausen des jungen Geistes, derim Norden wie im Süden schon Tausend und aber TausendAnhänger zählte, noch kein Ohr. Der Adel bekümmerte sichwenig um die Schlachten auf wissenschaftlichem, geistigem Ge-