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<^Sn dem freundlichen gesegneten Leinathal, am Fußedes Hainbergs liegt Göttingen, eine der schönsten Städte desLandes und jedenfalls die interessanteste von allen. Der Sitzder Musen, die Wiege vieler berühmter Männer, großerDichter, tiefer Denker aber auch der Quell vieler Leiden;eine kleine Stadt auf deutscher Erde, in deren Innern, dieFreuden und Qualen von Jahrhunderten, Fluch und Segender Zeiten, Kriegsnoth und Friedensruhe, Völkerwohl undWehe vom lebendigen Geschichtsgriffel verzeichnet stehen.
Die älteste Geschichte sagt uns über Göttingen wenig,und dies Wenige unbestimmt. Früher als von der Stadt,wird von einer in ihrer Nähe gelegenen Burg Grone oderGronde gesprochen, als deren Erbauer einige Chronikenge-lehrtc Heinrich den Finkler nennen, dessen Siege überdie Slaven ihn jedenfalls oft in diese Gegend führten. SeinSohn, Otto der Große, scheint sich in dieser Burg oftaufgehalten, und von ihr aus für Vergrößerung des DorfesGöttingen gesorgt zu haben. Nach Ottos Tode kam die kai-serliche Villa in die Hände seines Bruders Heinrich, Her-zogs von Bayern, dann in die des Grafen von Nord-heim, Heinrichs Sohn, gelangte später gegen Ende des1 l. Jahrhunderts an Otto den Bayern und Heinrich denDicken, und 1113 an Lothar den Sachsen, der hier IIlgein großes Turnier veranstaltete, zu dem eine Menge fürstlicherPersonen, Ritter und Grafen sich einfanden.
Heinrich der Löwe, Heinrich des Stolzen Sohn,weilte als Jüngling oft an dieser Stelle. Die Göttinger, diedem tapfern aber unglücklichen Herzoge treu und ergeben wa-ren, mußten ihre Anhänglichkeit schwer büßen, die Kaiserlichenhausten wild unter ihnen und schleiften die schöne Burg Grone.Die unglücklichen Kämpfe um die deutsche Krone lagen schwerauf dem ganzen Sachsenlande bis Kaiser Friedrich ausItalien heimkehrend den Frieden brachte.
Es wird allgemein angenommen, daß Göttingen um dasJahr 1219 vom Kaiser Otto IV. das Stadtrecht erhaltenhabe. Otto das Kind bestätigte dieses Recht, mit welchemder eigentliche Aufschwung der Stadt beginnt. In den nächst-folgenden Jahrhunderten entwickelten sich die städtischen Ver-hältnisse, nicht ohne innere und äußere Kämpfe, zu einer be-deutenden Höhe der Freiheit und des Gemeinwohls. DerZeitraum von 1235 — 1360 ist ausgefüllt mit einer langenFehde zwischen den Verfechtern der städtischen Interessen unddem Adel und Klerus. Der Bürger machte sich das Miß-
trauen und die Zänkereien der hohen Herrschaften zu Nutze,er bot Hülfe, aber vergaß nie, sich seine Dienste bezahlen zulassen; die Städter kosteten den Segen der Freiheit, sie sahenden Unterschied zwischen sich und den Leibeignen außerhalb ihrerMauern und boten Alles auf, um ihre Unabhängigkeit durchMonopole, Privilegien und Versprechungen immer größer zumachen. Die Dienste, welche die Göttinger Albrecht demGroßen und seinen Nachfolgern gegen den rebellischen Adelleisteten, blieben nicht unbelohnt. Im Jahre 1289 erhielt dieStadt das Privilegium, die Juden in ihre Mitte aufnehmenund zu Bürgern machen zu dürfen.
Nach Albrecht des Großen Tode wählte Albrecht derFette Göttingeu zu seiner Residenz, wodurch die Stadt zwaran Reichthum und innerm Verkehr bedeutend gewann, aberauch Gefahr lief, ihre großen Rechte nach und nach beschränktzu sehen.
Die Räubereien, welche sich die muthwillige» Ritter, de-ren Burgen keck auf die Stadt schauten, lange Zeit hin-durch zu Schulden kommen ließen, brachen endlich die Geduldder Göttinger Bürger; sie unternahmen 1294 einen Ausfallgegen die Burg Harste und die wieder aufgebaute BurgGronde, und zerstörten beide bis auf den Grund. Eingrößerer Feind aber als der Adel erwuchs den Bürgern imInnern ihrer Stadt in der schlauen Geistlichkeit, die unter derMaSke der christlichen Bruderliebe im Stillen längst an demUntergang der bürgerlichen Freiheit gearbeitet, und dem ver-trauenden Bürger eine Menge von Schenkungen und Gelüb-den abgelockt hatte, die ihn mit drückenden Fesseln umgebenmußten. Fünf Hauptkirchen hatten sich die Pfaffen von dergläubigen Einwohnerschaft schon aufbauen lassen, und eineMenge Diener derselben ließen sich vom Schweiß deS Bürgersgemächlich mästen. Der Herzog Albrecht der Große hatte denFranziskanerbrüdern 1286 bereits erlaubt in Göttingen einKloster zu bauen. Ihnen folgte 1294 der Predigerordcn, derebenfalls ein Kloster baute, und den Götzendienst mit Reliquien,das Wallfahrtsunwesen und den religiösen Fanatismus sehrbeförderte. Viele städtische Grundstücke und ein großer Theilder Feldmark war in die Hände der Pfaffen gelangt, die geist-liche Macht drohte der weltlichen einen schnellen Untergang;den Bürgern gingen endlich die Augen auf, und sie versuch-ten das neue Joch, das sie sich gutwillig selbst hatten aufbür-den lassen, von sich abzuschütteln. Aber die Priester kanntenihren Einfluß auf die Gemüther; sie verweigerten die heiligen