Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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für das königliche Civil- und Criminalamt Münden und diesemgegenüber die Wohnung des ersten Beamten. Das hinter demlängern Flügel des Schlosses zu derselben Zeit aufgeführte Ge-fangenhauS ist im Jahre 1847 vergrößert und zweckmäßig ein-gerichtet.

Die öffentlichen Schulen der Stadt bestehen aus einemProgymnasium, einer Knaben- und einer Töchterschule; vonPrivatlehranstalten befinden sich dort eine Schule für Handlungs-lehrlinge und eine SonntagSschule für Handwerker.

Ferner ist seit dem Jahre 1844 die früher in Clausthalbefindliche königl. Forstschule nach Münden verlegt worden,worin unter Leitung des Hauptmanns von Bothmcr 40 jungeMänner, welche unifvrmirt und als Feldjäger eingestellt sind,theoretisch und praktisch zu Forstmännern ausgebildet werden.Was die Wohlthätigkeits - Anstalten betrifft, so werdendie Armen der Stadt durch Unterstützungen an Geld und Natura-lien aus den nicht unbeträchtlichen öffentlichen Armcnmitteln er-halten, welche von dem Magistrate verwaltet werden. Früherwurde ein Theil der städtischen Armen in dem an der Wcrra-brücke befindlichen Hospitale zum heiligen Geist verpflegt. Hierstand in den ältesten Zeiten eine Kapelle zum heiligen Kreuz, >welche dann den Kalandsbrüdcrn oder Brüdern zum heiligenGeist genannt zufiel, die sich ein Haus zu ihrer Wohnung dichtan die Kapelle baucten. Nach Vollendung der Reformation inMünden wandelte die fromme Herzogin Elisabeth als WittweErich I. das Haus sammt der Kapelle in ein Armenhaus fürstädtische Arme um, welches aus dem Vermögen der Kalands-brüder von ihr reichlich begabt und das Hospital zum heiligenGeist genannt wurde.

Da die Stiftung der Herzogin in neuern Zeiten ihren Zwecknicht erfüllte, so wurde durch die Obcrbehörde vor etlichen Jah-ren die Stiftung aufgehoben, deren Vermögen den städtischenArmenfonds hinzugefügt und das verkaufte Hospital nebst Kapelle,das kcinesweges schöne aber älteste Gebäude von Münden, wirdseitdem als Scheune benutzt.

Der Sinn für Wohlthätigkeit zeigt sich in Münden beson-ders unter den Frauen, indem diese einen Verein zur Pflegekrankcr Dienstmädchen, einen Verein zur Erziehung armer Mäd-chen zu Dienstboten, eine Kleinkinderbewahr-Anstalt und in Zeitendes Mangels einen Verein eingerichtet haben, welcher Armennahrhafte warme Speisen verabreicht. Alle diese Vereine werdenmit Beihülfe des Magistrats von den Frauen unterhalten und mitunablässiger Mühe und Sorgfalt geleitet.

Die Haupterwerbszweige der Stadt bestehen ausHandel, Schiffahrt und Fabriken. Der Haupthandel Mündensist von jeher der Tranfit- und Speditionshandel zwischen Bre-men und dem mittlern Deutschland gewesen, und so auch jetztnoch, wo etwa 40 Kaufleute sich damit beschäftigen. Der eigneHandel der Stadt ist nur unbedeutend, und davon am Beträcht-lichsten der Holzhandel.

Auf den Flüssen wird lebhafte Holzflößerei und Schiffahrtbetrieben. Auf der Werra weiden bedeutende Quantitäten Nadel-holz aus Thüringen nach Münden geflößt, wovon vieles nachBremen geht. Die Schiffahrt auf der Weser bis Bremen,

auf der Werra bis Wanfried und auf der Fulda bis Cassel, wirdmit Fahrzeugen getrieben, welche seit unvordenklichen ZeitenBullen" undBöcke" genannt werden und von denen diegrößten bis zu 50 Rockenlast, jede zu 2000 Pfd. gerechnet, tragenkönnen. Alle Fahrten auf der Weser werde» der Reihe nachvon den Schiffern besorgt. In den letztern Jahren ist für Mün-den die Dampfschifffahrt auf der Weser von Bedeutung geworden.Seit dem Jahre 1843 wird dieser Strom von Münden bisBremen mit flachgebaucten eisernen Dampfbootcn, jedes vonetwa 30 Pferdckraft befahren, welche der auf Acticn gegründetenVereinten Weser-Dampfschiffahrts-Gesellschaft" gehören, derenDirektion ihre» Sitz in Haincln hat. Die Gesellschaft besitzt(1847) 5 Dampfschiffe, von welchen, so lange der Wasscrstandes erlaubt, täglich 2 zwischen Münden und Hameln fahren, dieübrigen zwischen Hameln und Bremen, da die Schleuse in Ha-meln nicht breit genug ist, um ein Dampfschiff durchzulassen.Die Fahrt dauert von Münden bis nach letztgedachter Stadt9 Stunden und umgekehrt 13 Stunden. Durch die in den letz-tern Jahren immer zunehmende Menge der Auswanderer, welcheaus dem mittlern Deutschland nach Bremen ziehen, hat die Fre-quenz auf den Wescrdainpfschiffcn beträchtlich zugenommen, zu-mal da deren Passagepreise für Auswanderer erheblich verringertgegen die Preise für andere Reisende festgesetzt sind. In dergünstigen Jahreszeit werden die Dampfboote zwischen Mündenund Preußisch-Mindcn sehr häufig von Vcrgnügnngsrciscnden be-nutzt, da sie die bequemste und vortheilhaficste Gelegenheit dar-bieten die vielen herrlichen Ansichten der Wcscrufer zu genießen.

Die Fischerei in den Flüssen bei Münden, welche nicht fisch-reich sind, ist nur unbedeutend, namentlich werden jetzt dort höchstselten Lachse gefangen, während solche vor Zeiten in großerMenge in der Weser und Werra vorhanden waren.

Die städtische Bierbrauerei ist jetzt an 2 Brauer verpachtet,welche ein gutes und kräftiges Bitterbier, dem bayrischen ähnlichbereiten.

Von Fabriken würden nachstehende zu erwähnen seyn.In der Siadt befinden sich folgende: die bedeutende Zuckerraffi-ncrie der Herren Chr. Wüstcnfeld und Sohn, welche mit einerDampfmaschine versehen ist, die Fabriken der Herren Noscnthal,Ellon u. Comp., und Geiger und Sohn von wollnen und baum-wollnen Stoffen, die Fabrik von Filz- und Seidenhüten desHerrn Fröling, die Tabacksfabriken der Herren Th. Köster undder Gebrüder Baucrmeister und die Fabrik des Herrn Haupt-manns Oppcrmann von Spielkarten und bunten Papieren. Dichtvor der Stadt ist die bedeutende Fabrik des Herrn A. Wüstenfeldvon Fayence und sogenanntem englischen Steingut, welche umdie Mitte des 18ten Jahrhunderts von dem Landdrosten vonHanstein begründet und von dessen Sohn, dem Oberhauptmannvon Hanstein zu Münden erweitert und verbessert wurde. DieseFabrik versieht mit ihren Waaren den größten Theil des nörd-lichen Deutschlands, so weit es dem Zollvereine nicht beigetretenist. In den sämmtlichen erwähnten Fabriken finden mehrere100 der geringsten Einwohner der Stadt ihr Brod. Sodannist noch anzuführen, daß der Graveur Carl Köster in Mündenausgezeichnet hübsche Schnitzarbeiten in Elfenbein, Hirschhornund Holz verfertigt.