Im Mittelschiff befindet sich das Grabmal des HerzogsWilhelm II. oder Jüngern. Es besteht aus einem 8 Fußlangen, 4 Fuß breiten, 2 Fuß hohen Sandstein, worauf derHerzog in Lebensgröße in Relief ausgehalten ist. Er ist liegenddargestellt, in vollständiger Rüstung, mit offnem Helm auf demKopfe, in der linken Hand ein langes Schwert, in der rechtensein Wappen haltend, zwei Engel halten das Kissen, worauf seinHaupt ruht und ein Löwe liegt zu seinen Füßen. Auf demGrabmale steht in altdeutschen Buchstaben folgende Inschrift:
Lepulorum illustrissimi prineipis Willielmi ?ilii >ViIbeImiUrunsvioensis et UunoburKonsis. 1491
(Grabmal des durchlauchtigsten Fürsten Wilhelm Wilhelms Sohnvon Braunschwcig und Lüncburg.) Der Herzog ließ dieses Denk-mal noch bei seinen Lebzeiten verfertigen und sah oft der Arbeitzu; er starb erst im Jahre 1593 und wurde darunter begraben.Die Sculptur dieses Monuments ist sehr gut, und besondersüberraschend ist die Aehnlichkeit Herzog Wilhelms mit der Fa-milienphysionomie vieler nachfolgender Fürsten des edeln Hausesder Welsen. Nachdem König Georg IV. von England und Han-nover bei seinem Besuche in Münden im Jahre 1821 diesesmerkwürdige Grabmal seines Ahnherrn gesehen hatte, ließ er esim folgenden Jahre mit einem geschmackvollen Eiscngitter umgeben.
Noch viel interessanter ist aber das Grabmal HerzogErich I. und seiner beiden Gemahlinnen, welches sichans dem Chöre der Kirche an der Wand links vom Hochaltarebefindet. Unter diesem Epitaphium liegt eine Messingplatte, unddarunter wurde der auf dem Reichstage zu Hagenau im Jahre1510 verstorbene Herzog am 28. September 1541 bestattet. DiesGrabdenkmal an der Wand von weißem italiänischen Marmorist in Basrelief von einem unbekannten Meister und ganz vor-trefflich gearbeitet. Am obersten Theile dieses Monuments istder Erlöser am Kreuze leidend abgebildet, neben diesem dieMutter Maria und Joseph und darunter zur rechten Seite Her-zog Erich in voller Rüstung, aber mir entblößtem Haupte knieendund die Hände gefaltet, zur linken seine beiden GemahlinnenCatharina und Elisabeth gleichfalls knicend »nd mit gefaltetenHänden. Unter diesen drei fürstlichen Personen steht deren Nameund Wappenschild mit nachfolgenden Inschriften für Erich undCatharina, während zwischen beiden ein unausgefüllter Platzoffenbar zu einer Inschrift für Elisabeth bestimmt, sich findet.Letztere in zweiter Ehe mit dem Grafen Poppo von Hennebergvermählt, starb im Jahre 1558 zu Ilmenau, der Besitzung ihresGemahls und wurde dort beerdigt. Ucbrigens hatte der Herzogdieses Denkmal schon bei seinen Lebzeiten verfertigen lassen undsind die Figuren der Fürsten darauf von etwa 2 Fuß Höhe. Diebeiden Inschriften des Epitaphs in lateinischen Lettern sind buch-stäblich nachstehende:
Xnno Uomi 111. u. XX. IIII. Xm X l'gK kkbrusrii istVersodiockou lüs UoeliKobolirono Kurstin brau Lslligrma2n eUvo Lro2Üer?oK>il 8igmuncks von Ustorreieti Doms!Uero?oßin ?u krsunsckvvili unck UunoburA ?n äor UotZeneäiK sei <1er Uocliloblioliell kurstin.
und zur rechten daneben:
Xnno Uomi U. U. XI,. am XXX. 'ksK ckulii ist versobie-cken cker ckurobleuolitiK kocliAeborno ?urst unck Herr HerrDriob llerorog ?u Ui-aunsoIi>veiKli unck UuneburK Xa^I.Hissest. Aaximilianus lloeklobliclier Ueckeektnus ZetrewerDiener ckem Uot ZeneckiZ unck bsrmkerUS sein vrolle.
Letztere Inschrift in der Ortographie von der crftern etwasabweichend, wurde auf Befehl der Wittwe Herzogin Elisabethdein Monumente hinzugefügt und dieses im Jahre 1822 unterGeorg IV. Regierung gut reftaurirt. Die erwähnte Messing-platte des Grabes des Herzogs ist 7'/- Fuß lang und 2'/, Fußbreit und wurde von der Herzogin errichtet, wie die Inschriftdarauf: Dlissbetli transtulit et ckonum ckockit (Elisabeth setzte undschenkte die Platte) beweiset. In den hübschen Randverzicrungender Platte findet sich der Name des Meisters mit den Worten:Uorckt Nenten üat mick AÜossen ?u Urunswile, und ist dieselbemit folgender etwas schwülstiger Grabschrift bedeckt, welche vonihrem Leibarzte, dem aus Hameln gebürtigtcn Doctor VurkardMithof verfertigt wurde.
Llauckitur koo o^ppo pereZrs tumulstus ZZrieus,Uux Urunsvieensis, Ularia summa Uomus,
Ueotore, gui tumickos inkracto eontuckit Iiostos,
Dt vsriis auxit roZna paterna loois.
Inprimis bollax erst Uilckesliemia testis,
Ducke Uatrem pstriae füre vooare ^ueas.tVomsn et XuZusti merito super ackckers tantum,l)uock ckexter lausto Narle peregit opus,
'kam beue cke populo meritus rvAnogue paterno,
Lumma sit ut Uatrias Uausgue Uecusgue meae.
Diese Inschrift lautet in möglichst getreuer Uebersetzung:„Umschlossen von diesem Grabmal ist der in der Fremde einge-sargte Herzog Erich von Braunschweig, der höchste Ruhm seinesHauses, welcher mit nie wankendem Muthe die stolzen Feindevernichtete und dem väterlichen Reiche mehrere Güter erwarb.HildeSheim ist der vorzüglichste Zeuge, daß er ein Krieger warund Vater des Vaterlandes kannst du mit Recht ihn nennen,auch den Namen Augustus gebührend beifügen, denn so Großeshat er mit Beistand des Mars glücklich vollführt und für seinVolk und sein väterliches Erbe so viel errungen, daß er meinesVaterlandes größter Schmuck und Preis geworden ist."
Wir wolle» endlich eine Sage nicht unerwähnt lassen,welche sich an diese Kirche knüpft. Catharina, die Tochter Her-zog Erich I., hatte einst auf einem Spaziergange in dem dichtbei Münden am linken Fuldaufer belegcncn einsamen Neinhards-walde sich verirrt. Manche Stunden lang war sie allein indem wilden umwegsamcn Forste am früh dunkeln Abend, dennes war der 25. November, furchtsam umher gewandelt, bis sieendlich eine Thnrmglocke 9 Uhr schlagen hörte. Sie erkannteden Ton der Glocke, es war die Thurmglocke der Vlasiikircheund deren Schalle nachgehend gelangte sie bald wieder glücklichnach Münden. Aus Dankbarkeit für ihre Rettung durch dieGlocke der Kirche stiftete sie ein Vermächtniß von 1 Malter Kornund Mast von 2 Schweinen in den herzoglichen Forsten für denKüster, welcher dagegen jedes Jahr vom 25. November an bis