solchen Umfang haben, daß ans einem derselben ein kleiner Blu-mengarten angelegt ist.
Die Stadt, fast oval von Gestalt, wird von vier Haupt-straßen durchschnitten, welche sämmtlich von einem Thore zumandern führen. Die Häuser sind gewöhnlich von Fachwcrk er-baut, nur wenige, die öffentlichen Gebäude ausgenommen, massiv.Da Munden seit Jahrhunderten mit heftigen Fcucrsbrünsten ver-schont worden, so finden sich dort noch viele alte Häuser, mancheseit 2 bis 3 Jahrhunderten in demselben Zustande. Sie sind abernicht von schöner Bauart oder mit Verzierungen versehen unddie niedrigen Stockwerke, treten eins über dein andern bis zumGiebeldache hervor. Noch vor etlichen Jahren fanden sich dorteinige Häuser auf der Außenwand mit allegorischen Darstellungensl lresco gemalt, jetzt ist aber keinS mehr anzutreffen.
Die öffentlichen Plätze, der Marktplatz vor dem Rath-hause und die Plätze um die beiden Kirchen, die ehemaligenKirchhöfe, sind nur klein.
An dem Ufer der Flüsse Werra und Fulda ziehen sich umdie Hälfte der Stadt gemauerte Quais, Schlachten genannt,welche zum Anlegen, sowie zum Ein ° und Ausladen der Schiffedienen. An den belebten, aber nicht sehr breiten Schlachtenstehen zwei in der neuesten Zeit im eleganten Style crbauetengroße städtische Lagerhäuser, von drei massiven Stockwerken,eins längs der Werra, das andere längs der Fulda, welche zurunversteuerten Niederlage der KaufmannSgüter und zu Steuer-bureaus eingerichtet sind. Vor dem Fulda-Lagerhause an derSpitze der Schlacht ist ein künstlicher gußeiserner Krähn vongroßer Kraft aufgestellt, welcher die schwersten Waaren mit dergrößten Leichtigkeit auf- und abwindet.
Eine von Quadersteinen stark und kräftig erbauete 16 Fußbreite Brücke von 7 Bogen führt über beide Arme des Werra-flusscs und die solche trennende Insel in die Stadt. Diese Brückewurde in den Jahren von 1397 bis 1492 von der Stadt er-baut. An jedem Ende der mit einem Dach bedeckten Brückestand ein hoher Thurm mit Thor und Fallgatter versehen undan dem innern Thorthurmc war seit dem Jahre 1464 eine Uhrmit einem künstlichen Uhrwerke angebracht, welches zwei Hirschezeigte die bei jedem Stundenschlage die Köpfe zusammen stießen.Die Brücke wurde im Jahre 1729 von der Bedachung und denThürmen befreit und das Uhrwerk auf das Rathhaus gebracht,von wo es im Laufe der Zeit verschwunden ist. Eine sehr deut-lichc Abbildung der Brücke in ihrem ältern Zustande findet sichin der 1654 erschienenen Mcrian'schen Topographie der Herzog-thümer Braunschwcig und Lüncburg.
Von andern städtischen Bauwerken würde sodann daS Räth-st aus zu erwähnen seyn. Nachdem der Rath mehrere Jahr-hunderte hindurch seine Versammlungen in dem obenerwähntenalten Thurme zur rechten des Qbcrthors gehalten hatte, in wel-chem jetzt die Werkstätte eines Schmidts angelegt ist, beschloßderselbe im Jahre 1596 ein neues zeitgemäßeres Nathhaus zuerbauen und ließ in den Jahren 1693 bis 1619 das jetzigeRathhaus mit einem Kostenaufwandc von 19,786 Thaler, einerfür jene Zeit beträchtlichen Summe, errichten. Es ist in demnicht ungeschmackvollcn, wenn gleich nicht reinem Style jener
Zeit erbaut und die mit Statuen von Sandstein besetzte Frontedieses tüchtig und massiv gebauetcn Hauses imponirt dem Be-schauer. Eine breite Freitreppe mit schweren Balustraden vonStein führt von beiden Seiten zu der im ersten Stockwerk be-findlichen Haupteingangsthür und bildet vor dieser einen offnengeräumigen Altan, von welchem herab der Magistrat den dar-unter auf dem Marktplatze versammelten Bürgern die erkanntenTodesurtheile verkündete. Das Rathhaus dient zu den Sitzun-gen des Magistrats und Stadtgerichts, sowie zu den Acten-Registraturen derselben, auch zu Gefängnissen. Außerdem befin-det sich darin, wie in vielen Rathhäusern der frühern Zeit, dassogenannte Hochzeitshaus, ein sehr großer, aber niedriger Saalmit Nebenzimmern im obern Stockwerke, ehemals zu großenHochzeiten und Banketten der angesehenern Bürger, jetzt zuBällen und gelegentlich zum Theater dienend. Im Erdgeschossefindet sich nach alter Sitte der große Rathsweinkeller, welcheraber jetzt als Kcllcrniederlage an Kaufleute verpachtet ist und dieRathsapotheke nebst Wohnung des Apothekers. Besondere Merk-würdigkeiten, zumal aus älterer Zeit, finden sich im Rathhausenicht vor und die ältesten der dort aufbewahrten Urkunden stam-men aus dem 13ten Jahrhundert.
Münden besitzt zwei lutherische Kirchen, die St. Aegi-dienkirche und die St. Blasiikirche, beide aus alter Zeit herstam-mend , wo sie zur Erzdiöcese Mainz gehörten. Die erstere warursprünglich eine Kapelle des heil. Aegidius, wurde aber schonsehr früh, wahrscheinlich im 12tcn Jahrhundert als Kirche aus-gebaut und später vergrößert. Nachdem dieselbe durch das Auf-fliegen des Pulverthurms im Jahre 1626 gänzlich zerstört war,wie oben erzählt ist, blieb sie als Ruine bis zum Jahre 1731stehen. Als damals in der Blasiikirche die Menge der Andäch-tigen keinen genügenden Raum fand, wurde die Aegidienkirchewieder aufgebaut und dient seitdem als Parochialkirche, auch zurKirche der etwaigen Garnison. Sie ist von Stein mit einemniedrigen Thurme aus Machwerk bestehend, ohne alle architekto-nische Schönheit erbaut und enthält keine Sehenswürdigkeiten.
Viel interessanter in jeder Hinsicht ist aber die Hauptkircheder Stadt, die St. Blasiikirche. Ursprünglich stand auf derStelle dieser Kirche eine kleine Kapelle mit Altar Lestso NartssVti-Ainis genannt. Dann wurde im Jahre 1263 der Bau derjetzigen Kirche begonnen, aber erst im Jahre 1519 vollendet,offenbar mit häufigen Unterbrechungen wegen Maugels an Gelde,und daS Gotteshaus dem heil. Blasius geweiht. Die Reforma-tion mit ihren Folgen unterbrach dabei den Bau deS Thurms,welcher erst gegen Ende des 17ten Jahrhunderts in einem ganzandern und viel schlechter» Stile als die Kirche errichtet wurdeund eine Höhe von etwa 199 Fuß haben mag. Die Kirche istvon Sandsteinquadern in gutem altdeutschen Stile erbaut unddie Spitzbogenfenster sind geschmackvoll gearbeitet. Das Innereaus dem Mittelschiff und 2 Seitenschiffen bestehend, bildet mitdem Chor ein Kreuz, welches von 2 Reihen schlanker altdeut-scher Säulen mit gutverziertcn Capitälen getragen, einen freienund leichten Anblick gewährt. Der Hauptaltar auf dem Chöreist der früher so reichbegabte Altar der gedachten Kapelle und be-steht auS einem einzigen Sandstein von 14 Fuß Länge, 7 FußBreite und 1 Fuß Dicke.