und dessen Freundes Corvinns, das segensreiche Werk der Re-formation im Jahre 1530 begonnen und im Jahre 1540 inMunden zu Stande gekommen, welches später durch die Be-strebungen deS bigotten Erich's II. zwar wohl beunruhigt, aberdort nicht wieder gestört werden konnte. Ein anderes tiefein-greifcndcS historisches Ereigniß hatte die Stadt bis dahin nichterlebt, sie hatte wie andere Städte sich stets deö Schutzes ihrerFürsten erfreut und diesen mit Gut und Blnt beigestanden. Durchden im Mittclaltcr sehr bedeutenden Handel zwischen Bremen unddein mittleren und südlichen Deutschland, begünstigt durch einfrüh verliehenes Stapclrecht, war die Stadt sehr wohlhabendgeworden, wie ihre in jener Zeit errichteten Bauwerke und manchezur Einschränkung eines übermäßigen Lurus der Bürger erlasseneVerordnungen des Magistrats beweisen. Aber nun begann unterder Regierung des Herzogs Friedrich Ulrich von Wolfenbüttelder für ganz Deutschland so unheilvolle Krieg von 30 Jahre»und Münden wurde der Schauplatz einer schrecklichen Begebenheit,welche seinen Wohlstand für mehr als ein Jahrhundert zerstörte.Diese Begebenheit, ein Vorspiel des wenige Jahre später fol-genden und von denselben KriegShorden angerichteten Magde-burger Blutbades, wird in der grcuclvollen Geschichte jener Zeitmir beiläufig erwähnt, deshalb wollen wir solche nach authen-tischen handschriftlichen Quellen hier etwas specieller schildern.
Der Herzog hatte aus Furcht vor dem katholischen Bundedem zum Obersten des uicdersächsischcn Kreises erwählten KönigeChristian IV. von Dänemark im Jahre 1625 sich angeschlossenund seine Städte hatten dänische Besatzungen eingenommen. Baldgab er aber aus Furcht vor Tilly und dessen verheerenden Schaa-ren jenes Bündniß wieder auf, ohne von diesen Schonung odervon ven Dänen Räumung seiner Städte zu erreichen. In Mün-den lag eine dänische Besatzung von etwa 800 Mann unter demBefehle eines Obristlicutcnants, der Lawis oder Lauch genanntwird, welche trotz mehrfacher Mahnung des Herzogs nicht ab-gezogen war, als Tilly mit einem über 8000 Mann starkenHeere aus dem Hessischen kommend, am 26. May 1626 dieStadt umzingelte und zur Uebcrgabe aufforderte. Die Stadtvon jeher nur schwach befestigt und außerdem von den nahenBergen dominirt, war gegen eine solche feindliche Macht umsoweniger zu vertheidigen, als der in Göttingen commandirendedänische Obrist Graf Reinhard von Solms die Besatzung vonMünden nicht hatte verstärken, noch zum Entsatze herbeieilenwollen. Deßhalb war der Bürgermeister Christoph von Men-gershausen im Einvcrständniß mit dem Rathe bereit die ange-botene Capitulation anzunehmen, indeß widersetzte sich der Com-mandant Lawis diesem Vorschlage auf das Entschiedenste, weilder König von Dänemark nur ihm die Stadt zur Vertheidigunganvertraut habe, und es seine Pflicht sey sich bis auf das Acußcrstezu wehren. Der wahre Grund dieser blinden Hartnäckigkeit desCommandanten war aber der, daß er früher als kaiserlicherOffizier desertirt sein Schicksal vorherschen konnte, wenn er,selbst durch Capitulation, in Tilly's Hände gerietst. Da er durchdie Besatzung die Gewalt in der Stadt hatte und ihm gelungenwar die Bürger zu überreden an der Vertheidigung derselbenthcilznnehmen, so wurde von ihm jede Uebergabe in Gegenwartdes eingeschüchterten Magistrats am 29. May entschieden abge-
lehnt. Unterdessen hatte Tilly auf einem nahen Berge ain linkenFnldaufer eine große Schanze aufgeworfen und mit 12 Stückgroben Geschützes besetzt, aus welchen er mit mehr als 800Schüssen die Mauer der Stadt so lange beschoß, bis darin einesehr große Bresche entstand, deren Trümmer den Graben füllten.Zwei kaiserliche Regimenter unter Anführung des Grafen Philippvon Fürstenbcrg drangen am 30. May Abends 8 Uhr mit stür-mender Hand durch diese Bresche und bis auf den Marktplatzvor, wurden aber von der Besatzung und vielen bewaffnetenBürgern mit blutigem Verlust durch die Bresche zurückgetrieben,welche auch ungeachtet mehrfacher Stürme der Kaiserlichen vonden Bürgern behauptet wurde. Da die Feinde hier den helden-müthigen Widerstand der Belagerten nicht besiegen konnten, soversuchten sie es hinter der Stadtmauer her bis zu der an beidenEnden durch Thürme verwahrten Werrabrückc vorzudringen. Aufder Brücke hielt sich eine Schaar Bürger neben einem großenGeschütze, welches von einem dabeibefindlichen Hufschmidt, Na-mens Asmus Teuffel, mit Raduägeln und alten Eisenstückengeladen war. Indem nun die Kaiserlichen das innere Brücken-thor mit Gewalt eröffnete, brannte Teuffel sein Geschütz auf sieab und viele fanden dadurch ihren Tod. Erschreckt flohen dieübrigen, aber bald mußte Teuffel mit seinen Genossen seinenPosten verlassen, denn der Feind hatte das äußere Brückenthorgenommen und war zugleich neben der Brücke über eine niedrigeMauer in die Stadt gedrungen; Teuffel und seine Kameradenhatten kaum noch Zeit unbemerkt sich von der Brücke herabzu-lassen und eine der Werrainseln zu erreichen, von wo sie glück-lich nach Göttingen gelangten. Tilly's Soldaten rückten vonder Brücke her bis in die lange Straße, die Hauptstraße derStadt vor, und kamen dadurch dem auf dem Markte postirten^ Häuflein Bürger und Dänen in den Rücke», welches nach mu-thigcr Gegenwehr der Uebermacht erlag. Jetzt drangen dieFeinde von allen Seiten in die Stadt, fanden aber in jederStraße den hartnäckigsten Widerstand. Auf dem St. Aegidien-kirchhofc hatte sich der Kommandant mit einer Schaar der seini-gen und vielen Bürgern aufgestellt; bald waren sie von dichtenFeindesrcihen umringt, und mit dem Muthe der Verzweiflungfechtend, jeden Pardon auSschlagcnd, starb die Mehrzahl dieserVertheidiger hier den Heldentod. Die übrigen etwa 60, schlugensich unter Führung eines Obristlieutenants Cloudt durch die dicht-gedrängten Haufen der Feinde in der Burgstraße, viele der letz-tern tödtend, bis zum Schlosse zurück und warfen sich dort hinein.Der Commandant Lawis ließ während des Gefechtes bei derAegidienkirche von seinem Bedienten mit einer Pistole sich er-schießen, um nicht lebend den Kaiserlichen in die Hände zufallen.In einer Schanze hinter dem in die Befestigungen der Stadteingeschlossenen und nur schwach besetzten Schlosse stand ein Haupt-mann von Rhedcn, „ein junger Holsteinischer von Adel," miteinem dutzcnd Soldaten. Tapfer schlug er mehrere Stürme zu-> rück, bis endlich die große Ucberzahl der Feinde in die Schanzel drang; von diesen tödietc er mit eigner Hand verschiedene undwurde dann, den mehrere Male angebotenen Pardon verschmähend,mit einer Partisane durchbohrt. Als Tilly den Tod dieses tap-fern Offiziers vernahm, sagte er zu seiner Umgebung: „derjunge Lecker hätte noch können zum braven Kerl werden, wenn