Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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MT ü n Ä e n.

-^Jie Stadt Münden im Fürstenthum Göttingcn undLanddrostey - Bezirke HildcShcim in einem engen, aber schönenThale am Zusammenflusse der Flüsse Werra und Fulda gelegen,deren Mündungen dort den Weserstrom bilden, zählt laut desHof- und Staats-Handbuchs für das Königreich vom Jahre 4847543 Wohnhäuser und 3393 Einwohner.

Schönbewaldete Berge, wovon jetzt viele zu anmuthigenSpaziergängen umgeschaffcn sind, umkränzen das Thal vonMünden, welches von drei durch Schifffahrt belebte Flüsse,worin grüne angebauete Inseln liegen durchströmt und von etwa2990 wohlgepflegten, oft mit Sommerwohnungen versehenenGärten, die sich bis zuin Rand der Berge hinaufziehen, um-geben wird. Die Lage und Umgebung Mindens ist eine derschönsten, vielleicht die schönste des ganzen Königreichs, ja Ma-thisson sagt in seinen Erinnerungen und wohl nicht mit Unrecht:es sey eine der reizendsten Gegenden Deutschlands," selbstunser größter Dichter Göthe, nannte das Thal von Münden das Tempe Deutschlands" und schon vor mehr als 309 Jah-ren bezeichnete eine auf Befehl des Herzogs Erich verfertigteInschrift an dem im 18tcn Jahrhundert abgebrochenen Brücken-thurme Münden als ^mpkttritouia riäens.

Der Name der Stadt hat seinen »»bezweifelten Ursprungin ihrer Lage an der Mündung der erwähnten Flüsse; sie wurdenach den vorhandenen ältesten Urkunden des 13ten Jahrhun-derts Gemündcn oder Gemundcn, seit dem 14tcn Jahrhundertaber stets Münden genannt.

Der Ursprung der Stadt ist sehr alt. Schon in den Ca-pitularien Carl des Großen kommt eine villa ?almunäo» vor, alsim Lande der Franken im Thale am linken Ufer der Werra ge-legen, wahrscheinlich an der Stelle, wo das jetzige Schloß vonMünden steht, denn dort erbauete zuerst Otto Graf von Nord-heim im Jahre 1970 eine Burg auf dem Platze, wo eine villagestanden und die Burg wird bis zum löten Jahrhundert inallen Urkunden und Chroniken clat lui8 tom pal oder tom palanäo(Pfahlhaus) genannt. Jene Villa lag im Lande der Franken,welches hier durch die Flüsse gegen das Sachsenland begrenztwurde; in Münden wurde im Mittelalter nach Frankenrccht ge-richtet, wie aus Urkunden des 13tcn Jahrhunderts hervorgeht,und noch heutigen Tages unterscheiden sich die Einwohner derUmgegend an beiden Ufern der Werra und Fulda durch Spracheund Körperbildung.

Nachdem zuerst kaiserliche Pfalzgrafen ihren Sitz auf derVilla gehabt, fiel sie unter Kaiser Otto I. mit andern Ländernan Herzog Heinrich den Streitbaren von Bayern und dann andessen Sohn Hermann Grafen von Nordheim und Bomencburg.Durch Heirath kamen die großen Nordheimschen Güter an Lo-thar Grafen von Suppliugenburg und dann an den WelsenHerzog Heinrich von Bayern, von welchem sie auf Herzog Hein-rich dem Löwen von Sachsen vererbt wurden. Unter ihm kommtMünden zuerst als eine Stadt vor, welche Handel und Schiff-fahrt trieb, sie war also schon viel früher entstanden, wahr-scheinlich durch Ansiedelungen, um die Villa und Burg. Wäh-rend Heinrich des Löwen Acchtung und Entfernung aus seinenLanden, riß auch Münden sich von der Tcrritorialherrschaft losund wurde auf kurze Zeit eine freie oder Reichsstadt, denn sieergab sich freiwillig seinem Enkel Otto, genannt das Kind, demersten Herzoge von Vraunschwcig-Lüneburg, welcher dafür derStadt im Jahre 1246 ausgedehnte Privilegien zusicherte. Durchdie Theilung unter den Söhnen seines Nachfolgers Albrecht desGroßen, fiel Münden dem jünger», Albrecht dem Fetten zu,und dann wieder durch Theilung im Jahre 1318 dessen ältestemSohne Ernst, dem ersten Herzoge von Göttingen. Unter derHerrschaft der Fürsten dieses Hauses blieb die Stadt bis der letzte,Otto der Einäugige, seine Lande an seinen Better Herzog Wilhelmdem Aeltern von Lüneburg abtrat, worauf Otto im Jahre 1469im Schlosse zu Münden starb. Als Wilhelm's Söhne des Va-ters Fürstenthümer theilten, fiel Göttingen dein Sohne Wilhelmdem Jüngern anheim. Dieser trat noch bei seinen Lebzeiten imJahre 1483 die Regierung seinen Söhnen ab und Göttingenund Calenberg an Erich I., der ebenso wie der Vater und seinSohn und Nachfolger Erich II. häufig auf dem Schlosse inMünden residirte, wo ihre obersten Regierungsbehörden sich be-fanden und welches von ihnen ausgeschmückt, auch als es nie-dergebrannt war, von Erich II. in seiner jetzigen Gestalt, ver-größert und verschönert neu gebaut wurde. Mit dem kinderlosenTode dieses Fürsten gelangten dessen Fürstenthümer an die Wol-fenbüttel'sche Linie des Hauses Braunschweig im Jahre 1584und von da an hört Münden auf die Residenz der Fürsten undder Sitz ihrer Negierung zu seyn.

Unter der Regierung des katholischen, aber toleranten Her-zogs Erich I., war durch die eifrigen Bemühungen seiner pro-testantischen Gemahlin Elisabeth, der thätigen Gönnerin Luthers