Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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macht das Innere einen vortheilhasten Eindruck. Bei einer Längevon 327 Fuß steigt das Gewölbe des Mittelschiffs, auf mäch-tigen, mit Lissencn römischer Ordnung besetzten Pfeilern bis zu80 Fuß empor und über dieses wieder die Kuppel bis zu 150Fuß innerer Höhe. Das Langhaus ist im Ganzen 121 Fußbreitwovon 43 auf das Mittelschiff kommen. Die beiden Glockcnthürmeder Vorderseite sind 226 Fuß hoch. I» dem mit guten Sculp-turcn aus Alabaster und schwarzem Marmor gezierten Altare derGruftkirche ruhen die Gebeine des heil. Bonifacius; gerade dar-über erhebt sich der Hauptaltar der Oberkirche, dessen Baldachinvon sechs korinthischen Säulen aus schwarzem Marmor von 17Fuß Höhe getragen wird. Der Dom hat in allem 16 Altäre.

2) Die St. Michaelskirche liegt wenige Schrittevom Dom auf der nördlich sich erhebenden Anhöhe nnd ist alswohl erhaltener Nest karolingischen Baustyls eine der größtenMerkwürdigkeiten nicht bloß Fulda's, sondern Deutschlands über-haupt. Nach der ursprünglichen Anlage des Baues in den Jah-ren 821 bis 822, die sich noch großentheils erhalten hat, bildetsie eine Rotunde von 48 Fuß Durchmesser, aus einem Mittel-raume, von acht Säulen umstanden, innerhalb welcher sich eineNachbildung des Grabes Christi befand, bestehend, um welchensich ein schmaler Umgang herumzieht. Die Säulen haben nochganz in antiker Weise gebildete korinthische und römische Knäufe,auf deren Deckplatten halbkreisförmige Schwibbögen aufgesetztsind, welche ursprünglich wieder eine steinerne Kuppel trugen.Die sehenswerthe Krypta, in welcher von der Südseite eineTreppe hinabführt, hat dieselbe Anordnung, nur daß eine rundumlaufende Mauer den Säulcnkreis der Obcrkirche ersetzt. DerMittelraum, dessen niederes Gewölbe in der Mitte von einerkurzen Säule mit rohem ionischen Knäufe gestützt wird, steht durchvier Bogenöffnungen mtt dem Umgange in Verbindung. Dieserwurde im Laufe des 11. Jahrh, durch eingezogene Schcidemauernin Zellen getheilt, welche Klausnern zum Aufenthalte dienten. Derleere Steinsarg eines derselben, des 1043 hier gestorbenen Anim-cad, befindet sich mit dem Grabe des Gründers Eigil vereinigtan der Ostscite des Altars der Krypta. Gegen 1092 wurde

eine Probstei mit der Kirche verbunden und dieselbe durch Anfü-gung eines Langhauses und Glockenthurms gegen Westen, durchden Aufbau eines oberen Umganges so wie durch 2 Flügel gegenOsten und Süden erweitert. Im Jahr 1716 endlich wurde dieKirche im damaligen Rococostyle ausgeputzt und mit neuen Fen-stern und Thüren versehen. Vor den andern Kirchen Fulda'szeichnet sich die des Benedictinernonnenklosters dadurchaus, daß sie, obgleich mit dem Kloster erst 1625 gestiftet, nochin gutem Spitzbogenstyle ausgeführt ist. Die Stadtpfarrkircheund die Kirche des heil. Geistspitals wurden im 18. Jahrh,erneuert und bieten nichts bemerkenswertheö dar; die einfachekleine St, Severinkirche ist um die Mitte des 15. Jahrh, erbaut.

Unter den weltlichen Gebäuden gebührt dem Schlosse dieerste Stelle. Mit der jetzigen Domkirchc gleichzeitig erbaut, istes sowohl durch seine Größe, als durch seine Lage am höchstenPunkte der Stadt und zur Seite des anmuthigen Schlcßgartensausgezeichnet. Ihm gegenüber befindet sich das 1842 errichteteStandbild des heil. Bonifacius, von Professor W. Henschcl zuCassel meisterhaft in Erzguß ausgeführt.

Fulda hat 1087 Häuser und nahe an 10,000 meist kath.Einwohner, deren gewerblicher Verkehr im Ganzen gegen früherzurücksteht. Namentlich ist das ehemals berühmte Gewerk derWollweber fast ganz eingegangen und nur das der Lohgerber zuerwähnen. Unter den Fabriken verdient eine, welche weithin ver-sandte musikalische Instrumente und eine andere, welche Baum-wollenzeuge liefert, genannt zu werden.

Fulda ist der Sitz des Landesbischofs, eines Domkapitels,so wie mehrerer oberen Justitz- und Verwaltungsbehörden. VonUnterrichtsanstalten besitzt die Stadt außer mehreren städtischenElementar-und Gcwerbschulen ein kathol. theologisches Seminar,ein Gymnasium und ein Schullehrcrseminar. Außerdem ent-hält die Stadt ein Franciscancrkloster und zwei Nonnenklöster,welche letztere den städtischen Mädchenschulen vorstehen. Ein vorwenigen Jahren errichteter Convent barmherziger Schwesternwidmet sich der Kinder- und Krankenpflege im heil. Geist Spitaleund im Landkrankenhause.