F u l Ä a.
e^ulda, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Kur-hessens, liegt am rechten Ufer des hier noch nicht schiffbarenFlusses Fulda, in dem Winkel, welchen die von Nordost sich her-ziehende hohe Nöhn mit dem von Nordost nach Südost streichen-den Vogclsberge macht. Die Nähe dieser Berge, welche sich oftschon im September mit Schnee bedecken und bis tief in denApril ihre weißen Hauben behalten, bewirken freilich ein rauhesKlima, verleihen aber der Gegend einen großen landschaftlichenReiz, der durch die, Fulda zunächst umgebenden Hohen, welchemit Walfahrtsorten, Klöstern und ehemaligen Probstcicn gekröntsind, eigenthümlich erhöht wird. Besonders anmuthig erscheintdie Stadt mit ihrer Umgebung vom nahen Frauenberge, währendman von der Spitze des PetersbergeS einen wirklich großartigenUcberblick der ganzen Gegend, namentlich eine prachtvolle An-sicht des Nöhngcbirges genießt.
Die Entstehung Fulda's ist innig verwoben mit der ältestenKulturgeschichte Deutschlands. Winfried Bonifacius, der Apostelunseres Vaterlandes, hatte die hiesige Gegend ausersehcn, umin der Mitte der Völker, denen er das Evangelium verkündet,ein Bcnedictinerkloster zu errichten, welches durch Lehre und Bei-spiel den von ihm ausgestreuten Samen Pflegen und bewahre»sollte. Mühselig drang sein Schüler Sturmi in die damals un-bewohnte Waldöde um die geeignetste Baustelle aufzusuchen , undnachdem Winfried von den Franken Karlmann und Pipin dieSchenkung der gewählten Stelle erlangt hatte, begann der Baudes Klosters im Jahr. 744. Dasselbe wuchs unter dem erstenAbte Sturmi und seinen nächsten Nachfolgern bald an Bedeutung,als Bonifacius nach seinem Märtyrertode 755 hier seine Ruhe-stätte gefunden und unzählige Pilger aus allen Gegenden ihreGabe an seinem Grabe niederlegten. Auch die Klosterschule erhobsich bald zur berühmtesten und besuchtesten des Frankenreiches,besonders unter dem 5. Abte Irabanus Maurus, dem größtenGelehrten seiner Zeit. Im kl. Jahrh, trat jedoch für die Abteiein Wendepunkt des Gedeihens ein, die seitdem an Wohlstandund literarischem Ruhme abnahm, was auch einige spätere Aebtethun mochten, um den alten Glanz zu erneuern. Das bedeutende
Klostergcbiet, im Laufe der Zeiten zum Range eines Fürstcnthumserhoben, wurde endlich, nachdem dessen Existenz in den Stür-men des 16. und 17. Jahrhunderts mehrmals gefährdet worden,in Folge des Liineviller Friedens 1892 säcularisirt und dem Erb-prinzen Wilhelm von Oranien übergeben. Dieser verlor dasLand wieder durch die Schalcht bei Jena, indem es Napoleonbesetzte und später zu dem Gebiete des Fürsten Primas schlug.Im Jahr 1813 nahm es Oesterreich in Besitz, trat es jedoch1815 wieder an Preussen ab, von dem eS endlich 1816 anKurhessen gelangte, während einzelne Theile an Bayern undSachsen-Weimar fielen.
Der Ort Fulda, schon frühe durch weltliche Ansiedler nebenden Klostermauern entstanden, wurde um 1160 ummauert underhielt bald darauf Stadtrechte. Im 14 Jahrhundert fühlte sichdie Stadt bereits stark genug, um den freilich unglücklichen Versuchzu wagen, sich der Obergewalt des Fürstenabts zu entziehen.Obgleich von unregelmäßiger Anlage, hat die Stadt doch meistbreite, freundliche Straßen, welche mit schmucken Häusern besetztsind. Einen wirklich überraschenden Eindruck macht sie beimEintreten von der Nordseite durch das Paulithor; die stattlichstenGebäude finden sich hier zusammengerückt und werden durch dasGrün der den Domplatz umgebenden Alleen und des anstoßendenSchloßgartens gehoben. Unter jenen verdient näher betrachtetzu werden:
1) Der Dom. Statt der ersten kleinen Klosterkirche erhobsich seit 779 eine größere Basilika über dem Grabe des heiligenBonifacius, welche 819 eingeweiht, aber schon 937 dergestaltdurch Feuer verheert wurde, daß sie nach vollständiger Erneue-rung erst 948 wieder eingeweiht werden konnte. Durch 2 Chöreund doppelte Säulenvorhallen nach Osten und Westen ausgezeich-net, mit einer Taufkirche und andern Kapellen umgeben, hattesich dieser prächtige Bau trotz mehrfacher Unfälle bis 1704 in denHauptmassen erhalten, wo er leider niedergebrochen und durch diejetzige Kirche, deren Einweihung 1712 erfolgte, ersetzt wurde.Wenn gleich den geschmacklosen Styl damaliger Zeit an sich tra-gend, fehlt es dieser doch nicht an würdiger Größe, namentlich