Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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Damen mehrmals schon vor eröffneter Sitzung nicht nur ihreLoge, sondern auch die Zugänge dahin in solcher Anzahl, daßNiemand hin- und wieder konnte."

Ueber diesen Andrang war seiner Zeit in Scherz und Ernstmanche Klage erhoben worden. Manche Frankfurter mochteneben keinen sonderlichen Gefallen finden an der lebhaften Sym-pathie ihrer Frauen für dieParlamentsherren", vor welchenplötzlich Alles in den Hintergrund treten mußte. Wollte man dochselbst gesehen haben, daß die Schönen bei einer treffenden Stelleoder einer raketenartig prasselnden Schlußwendung laut ihrenBeifall klatschten! Allein trotz allen Anfechtungen fanden sie sichstets zahlreich in den Sitzungen ein. L. Starklof, widmetedieser Betheiligung der Frauenwelt an dem ersten deutschen Par-lamente einen besonderen launigen Artikel:Die Damen inder P aul sk ir ch e", späterhin, bei der Uebersiedelung nach Stutt-gart, brachten auch die Münchenerfliegenden Blätter" eine be-zügliche Karikatur, etwas derber Art.

Der Zeichner hat auf unserem Blatte im Vordergrund dieKöpfe einiger hervorragenden Mitglieder der Linken angebracht,doch nahmen dieselben eigentlich andere Plätze ein. Wir begebenuns auf die Gallcrie über dem Präsidententisch, wo wir die ganzeVersammlung überschauen können, dieses geistige Schlachtfeld, aufdem sich alle politischen und socialen Elemente Deutschlands ver-sammelt fanden, wie dies vielleicht nie wieder der Fall sein wird..... Es ist Vormittags, ein Viertel nach neun Uhr, die Mit-glieder haben sich allmählig auf ihren Plätzen eingefunden;dieSitzung ist eröffnet, das Protokoll wird verlesen"hat der Präsident von seinem etwas erhöhten Mittelsessel herabverkündigt und endlich ist es ihm gelungen, einzelne Abgeordnete,die noch hartnäckig in den Gängen umherschweifen oder inkleinen Gruppen zusammenstehend, plaudern, mittelst seiner Schelleauf ihre Sitze zu bringen. Werfen wir nun, ohne durch dasGesumme beirrt zu werden, welches sich noch immer unten hörenläßt, einen Blick über das Haus.

Gerade vor uns, getrennt durch den mittleren Gang, wel-cher zu dem Präsidium führt, sehen wir das rechte und linkeCentrum. Diese Bänke sind stets am dichtesten bevölkert; hierhat die Mehrheit des Hauses ihren Sitz. Wir begegnen einerMenge einflußreicher und klangvoller Namen, aber auch vorzugs-weise jener Klasse von Abgeordneten, welche der witzige Dei-nt old im Bunde mit dem bekannten Genrcmaler Schrödteraus Düsseldorf so ergötzlich persiflirt und unter dem sprichwörtlichgewordenen NamenPiepmeyer" zusammengefaßt hat.

Mustern wir nur flüchtig die Bänke des rechten Cen-trums, so fällt uns gleich in vorderster Reihe das rothe, nochtn gesunder Frische lachende Haupt des alten Arndt in dieAugen. Ferner finden wir von wissenschaftlichen und gelehrtenBerühmtheiten Friedrich von Räumer, den Geschichtsschreiber,welchen man als Reichsgesandten nach Paris schickte, den gräm-

lich blickenden Da hl mann (die Mehrzahl jener berühmten göt-tinger Sieben, außer Dahlmann noch Jae. Grimm, Al-brecht und Gervin us hat sich wiederum hier zusammen-gefunden), die Holsteiner, Georg Besclcr, Georg Waitzund Droyscn, wie sich denn fast alleProfessoren" auf dasrechte Centrum gesetzt haben und ebenso durchgehcnds der ein-flußreichen sogen. Casinoparthei angehören. Auch der weiße, wal-lende Bart des Turnvaters Iahn, welcher sich in der Pauls-kirche als ein starker Fanatiker der Ordnung zeigte, taucht ausdiesen Reihen auf. Welker und Basser mann, die ehema-ligen badischen Liberalen, der marburger Jordan, Plathnervon Halberstadt, einer der hitzigsten Kampfhähne der konservativenSeite, von Schmerling, der tyrolische Pfarrer Beda We-ber mögen hier noch erwähnt sein. Vor allem aber darf nichtvergessen werden Herr Schncer, der Phylar der Tagesordnungund des Reiches Nothhelfer. Herr Schneer, Assessor aus Bres-lau, er saß ganz im Hintergrund war es, der mit uner-müdlicher Geduld, auf einem Paragraphen der Geschäftsordnung,dahin lautend, daß eine Stunde nach eröffneter Sitzung derIlebergang zur Tagesordnung gefordert werden könne, sich hcrum-tummelte; er hatte sich's zur Aufgabe gemacht, beinahe täglichalle, meist von der Linken eingebrachtendringlichen" Anträge,welche den vorbcstimmten Gang der Verhandlungen kreuzten,hiermit zurückzuweisen und in Anerkennung dessen wurden ihmdie obigen parlamentarischen Spitznamen beigelegt.

Die eigentliche Rechte ist die der Zahl nach schwächste Seite;ihre Bänke sind am dünnsten besetzt. Wir begegnen hier mancherPersönlichkeit, die aus der Geschichte des vormärzltchen Deutsch-lands nur zu bekannt worden. Der General von Radowitz,der großh. Hess. Staatsrath vr. von Linde, das Mitglied fürMuskau, der geh. Justizrath vr. M. C. Fr. W. Grävell mitseinen hartnäckigen Verbesserungsanträgen, machten sich wohl demPublikum zumeist bemerklich, auch die Redner des vereinigtenLandtages in Berlin, Graf Schwerin und v. Vinke hattenhier ihren Platz genommen. Noch in den letzten Stunden desHauses wurde dieser Seite das unverhoffte Glück zu Theil, einMinisterium aus ihren Reihen hervorgehen zu sehen, das Mini-sterium Grävell Merk Detmolv, dessen Ernennung be-kanntlich für eineBeleidigung der Versammlung" erklärt ward

Wir wenden uns nun zu dem linken Centrum. Gleichin den ersten Reihen gewahren wir Mitterina ier, Gabriel! Riesser, den würtcmbergischen Minister Römer und anderehervorragende Mitglieder. Was übrigens die Partheistellung be-trifft, so zählen viele der hier Sitzenden zu den Fraktionen desrechten Centrums. Es kam überhaupt mehr darauf an, wel-chem Klubb ein Abgeordneter angehörte; nur hieraus und ausseinen Abstimmungen ließ sich auf seine Stellung im Grundeschließen, natürlich mit Ausnahme der entschiedeneren Linken undRechten. Der beschränkte Raum verstattet uns nicht die Aufzählungdieser einzelnen Fraktionen von Halblinks und Halbrechts, von