Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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die runde Form des Innern Schuld sein mochte. Die Bundes-versammlnng bewilligte zu diesem Zwecke Gulden, dieKuppel wurde nun durch eine gerade Decke gesperrt und so konntekein störendes Echo mehr entstehen.

Treten wir durch die dem Tburm entgegengesetzte Thüre indas auf dem Blatt dargestellte Innere derconstituirendendeutschen Nationalversammlung", so fällt uns gleich über derGallerie, an der Stelle der Orgel, die Germania in's Auge,nach einer Zeichnung Philipp Veits sl kreseo gemalt.

Man hat diejungfräuliche Mutter" dargestellt, wie sie somancher Vaterlandsfreund in zukunftsfrohen Träumen nach Ab-schüttlung des vormärzlichen Bannes, in verjüngter Macht er-stehen zu sehen hoffte. Von schwerfaltigen Gewändern umwallt,den Eichenlaubkranz im vollen Haar, steht sie da, das still-ernsteund bchrc Antlitz von der Glorie einer Zukunft umflossc», welcheuns leider von Neuem und mehr denn je in graue Ferne ge-rückt ist, zu ihren Füßen die gebrochenen Ketten. Ihre Rechtehebt das Schwert empor, in der Linken hält sie das schwarz-roth-goldne Banner; die Brust des earmoisinrothen Untergewan-des zeigt den schwarzen zwieköpfigen Reichsadler. Hinter ihrstrahlt die Sonne in morgenrothem Glänze auf.

Zu beiden Seiten des Bildes sind, eingefaßt von mit sll warz-roth-goldncm Band durchschlungcncn Eichenkränzen, folgendeStrophen zu lesen, deren erste einem Gedicht Georg Herwcgh'sentnommen, nur daß nian stattFeuerband" das etwas zahmereLiebesband" setzte:

O walle hin du Opferbaud,

Hin über Land und Meer,

Und schling ein einig Liebesdand lsteuerband)

Um alle Völker her.«

Des Vaterlandes Größe,

Des Vaterlandes Glück,

O schafft sie, o bringt sieDein Volke zurück."

Unter dem Bilde der Germania ist der Präsidententisch,hinter dem wir auf unserem Blatte Heinrich von Gagernerblicken. Seine Rechte auf die Schelle gestemmt und mit er-hobenem Antlitz scheint er gerade einige Ordnungsstörcr zu er-mähnen oder einen Zwischenredncr zurechtzuweisen. Man weißwie reich die Verhandlungen in der Paulskirchc an stürmischenScenen waren, die oft zu ganzen Zwischenacten ausarteten,namentlich in der letzteren Zeit, als die gegenseitige Erbitterungtäglich wuchs.

Der Gagern zur Rechten sitzende Vicepräsident läßt sichallerdings aus unserem Blatte des kleinen Maaßstabes halbernicht erkennen. Doch soll dieser runde Kopf wohl dem ehema-ligen Mitglied? der badischen Kammer und Vorsitzenden desFünfjigcrausschusscS, Alexander von Soiron auS Mann-heim angehören. Der Umstand, daß unter Soirons Vorsitz und

durch seine Schuld die Versammlung mehrmals in völliger Auf-lösung auseinanderging, wie namentlich bei der samösen Ver-handlung wegen einer Amnestie für die Theilhaber der erstenbadischen Erbebung, veranlaßte später seinen Rücktritt vom Präsi-dium, zu dem er seitdem nie wieder gelangte. Dem Publikumin und außer der Paulskirche fiel aber Herr von Soiron, auchnach seinem Verschwinden vom Präsidentenstuhle, stets noch indie Augen durch seinen glänzenden rothenFranziskanerkopf"mit der stattlichen Glatze und durch seine wohlbehäbige, feisteGestalt.

Unter dem Präsidententische sind die Sitze der Schriftführerund etwas weiter die Stenographentische angebracht. Hier blie-ben noch zwei Tische frei, an welchen einzelne AbgeordneteAmendements, Zusatzanträge, Interpellationen und Erklärungenin der Hitze niederschrieben. Mitunter sah man die größtenWidersacher dicht neben einander sitzend. Ständige Personen andiesen Tischen waren jedoch einige Mitglieder der Linken, Vogt,Schaffrath, Rößler von Oels, der bekannteReichskana-rienvogel", Simon von Trier und Wilhelm Zimmer-mann von Stuttgart; auf einer Karikatur, die Nationalver-sammlung in der Unterwelt darstellend, sind sie deshalb auch andem Seitentische abgebildet, verdammt dieselbe Strafe zu leiden,die sie so lange auf der Oberwelt erduldet, nämlick nutzloseInterpellationen abzufassen.

Hinter den Sitzen der Stenographen, die unter der Ober-leitung des Abgeordneten Wigard arbeiteten, war die Mini-sterbank.

Die Redner bühne befindet sich grade vor dem Sitzedes Vorstandes und ihr gegenüber ziehen sich in weitem Kreise,im Hinteren Raume stufenförmig aufsteigend, die Sitze der fünf-hundert Abgeordneten hin. Die Berichterstatter der Zeitungensetzte man zum Theil zwischen die Säulen, welche das rundeSchiff einfassen, theilweise auf die vorderste Bank der für dieZuhörer freigelassenen Gallerie. Zur Rechten der Abgeordneten-sitze waren die hinter den Säulen emporsteigenden Bankreihenfür bevorzugte Zuhörer mit Einlaßkarten sowie für die Herrenvon der Diplomatie und Mitglieder der höheren Staatskörper-schaften bestimmt. Die Bankreihen zur Linken blieben den Da-men vorbehalten, so daß sich das schöne Geschlecht mit der bestenPlätze erfreute. Hiervon wurde denn auch hinlänglich Gebrauchgemacht.Die Damenloge, heißt es in denBrustbildern ausder Paulskirche", und die große Gallerie mit freiem Eintritt aufder Emporkirche haben das sicherste Ahnungsvcrmögcn für parla-mentarische Heftigkeiten. Wie die flatternden Möven auf dernoch ruhigen See den im Hintergrunde lauernden Sturm ver-kündigen, längst ehe ihn ein anderes Zeichen verräth, so weissagendie dichtgedrängten Zuhörermasscn droben und hier unten dieeng aneinander gepreßten Damenbüsten das heranziehende Wet-ter, ehe auch nur das Schiff der Debatte aus dem Hafen ge-laufen ist. In den August- und Septcmbertagen erfüllten die