Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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Die Uaulskirclie.

Von I. W. Appell. -----

3»ls die obigen Worte, welche Boerne schon vor Jahrenschrieb, im Frühling 1848, zum Theil mindestens, wirklich inErfüllung gingen, als jenes röthlich finstere Haus in der Eschen-heimergasse mit seinen eisenvergitterten Vorsprüngen und den bei-den Schilderhäusern *) die lange verfehmten und in Trauerflorgehüllten schwarz-roth-goldnen Farben heraussteckte - da dach-ten wir nicht, das Werk der nationalen Befreiung und Einigungsolle so bald schon den Händen der Nation wieder entwundensein. Kaum sind achtzehn Monate verflossen, seitdem, unter demDonner des Geschützes und dem Geläut aller Glocken, die Ab-geordneten zur ersten deutschen Nationalversammlung aus demKaisersaal in die Räume der Paulskirche einzogen es waram 18. Mai 1848 und fast nur Erinnerungen sind uns ge-blieben von der über ein Jahr dauernden Wirksamkeit dieserVersammlung. Fürwahr! wenig erhebend für ein patriotischesHerz sind die Empfindungen, welche sich an die Paulskircheknüpfen, aber sie umschließt immer ein Stück der Geschichte unse-res Volkes und neben dem Römer mit seinem Kaisersaale, nebendem Dom mit seiner Wahlzelle wird sie stets als ein historischehrwürdiges Gebäude gelten.

Die evangelische Haupt- oder St. Paulskirche liegt ziemlichversteckt auf einem freien Platze, hinter dem alten Römer, wodie Kirche des ehemaligen Barfüßcrklosters stand. Letztere, aufderen Kanzel einst der in der Literaturgcschichtc bekannte Tho-mas Murner, der Verfasser derGäuchmatt", derSchel-menzunft", predigte, war im dreizehnten Jahrhundert erbaut undwurde zur Rcformationszeit von dem Quardian der Barfüßer,Peter Chomberg, sammt Kloster und Einkünften freiwillig derStadt übergeben. Im Jahre 1833 vollendet, obschon der Baubereits 1786 begonnen hatte, ist die Paulskirche die jüngste

Der fiirstl. thurn und tarische Palast, Siynngshaus des Bun-destages und Wohnung des österreichischen Präfidialgesandte».

»Frankfurt ist bestimmt, einst die Hauptstadt des deutschen Reichesund der Sitz der deutschen Nationalversammlung zu werden."

Boerne, Briefe aus Paris II. Bd. S. 158.

Kirchc Frankfurts. Sie ist ein massenhaftes etwas schwerfälligesGebäude im römischen Style, ganz aus rothen Sandsteinquadernaufgeführt, ein Oval von 132 Fuß Länge und 108 Fuß Breitebildend, und macht einen Eindruck, wie ihn eben eine unserermodern protestantischen Kirchen hervorbringen kann, wo derGlaube fehlt, welcher bei den himmclanstrcbcnden gothischenDomen des Mittelalters den Stein durchgeistcte. Als ein wesent-licher Ucbelstand ist öfters schon der gedrückte, wir möchten sagen,gestauchte Thurm bezeichnet worden, welcher in keinem Verhältnißzu der bedeutenden Höhe der Kirche selbst steht. Auch ist die Lage,wie oben angedeutet, nichts weniger als günstig zu nennen,obgleich die Hinteren Seiten des Römers und der mit Bildwerkengezierten neuen Börse angrenzen.

Das Innere der Kirche bildet eine mit einer Kuppel über-wölbte Rotunde. Im protestantischen Style ist es einfach abergeschmackvoll eingerichtet und räumig genug selbst für eine nochgrößere Versammlung. Die Emporbühnen, von vielen Säulengetragen, fassen wohl gegen zweitausend Personen. Schon beidem Vorparlamente war der Raum seiner neuen Bestimmung ge-mäß hergestellt worden und man hatte nur wenige Veränderungennoch zu treffen, um die Kirche in das Parlamentshaus Deutsch-lanvs umzugestalten. Die Stelle, von der einst der Priester denSegen gesprochen, war bereits zum Sitze des Präsidenten ge-macht, die darüber befindliche Orgel mit einem Gemälde derGermania überdeckt, und damit der Kirchendiener Meyer einenHuissier vorstelle, brauchte er sich blos den Schnurbart wachsenzu lassen, wie wir aus den von H. Laube und Robert HellerherausgegebenenBrustbildern aus der Paulskirche" erfahren.Es war außerdem nur noch einem akustischen Fehler des Bauesabzuhelfen, an dem die Höhe der Deckwölbung und wohl auch

Mit 4W0 Pfeife» uiid zwei Pedalen, von Walker in Ludwigs-bnrg.