Als nämlich im Juni 1709 Markgraf Friedrich Magnus starb,folgte ihm sein Sohn Karl Wilhelm, der bereits mit Auszeichnung imKriege gedient hatte und im I. 1704 zum kaiserlichen Geueral-Feldmar-,schall ernannt worden war, in der Regierung nach. Er fand sein Land durchKriege verwüstet und die Kassen erschöpft; durch weise Maßregeln ordneteer aber bald wieder alle Verhältnisse, und suchte überall selbst zu sehenund zu handeln. Seine Unterthanen hörte er gerne an, und wer mit Be-scheidenheit und Offenheit zu ihm kam, der fand immer strenges Recht.So lobenswerth jedoch sein öffentliches Wirken als Regent war, so wenigläßt sich dies auf sein Privatleben anwenden. Er lebte zwar ziemlichmäßig, war aber sinnlichen Lüsten außerordentlich ergeben, und hielt des-halb nur weibliche Bedienten, welche ihn, wen» er ausritt, in Husaren-uniform begleiten, Musikstücke, besonders Opern und Tänze, aufführenund Gärtnerei verstehen mußten.
Karl Wilhelm, welcher gern Bauten aufführen ließ, beantragte mehr-mals, daß Durlach erweitert und eine neue Vorstadt angelegt werde.Da aber dadurch viele Fremde sich eingedrängt hätten, widersetzte sichdie Gemeinde diesem Vorschlage, was den Markgrafen nicht wenig kränkte.Noch mehr wurde er aber verletzt durch den häufigen und starken Tadel,den er erlitt, weil er eine Menge Freudenmädchen hielt; deshalb faßte erim Monat Mai des Jahres 1715 den Entschluß, in der Abgeschiedenheitdes Hardtwaldcs sich ein Lustschloß zu erbauen, wo er ungestört den Nei-gungen seines Herzens leben könnte.
Am 17. Juni des nämlichen Jahres wurde nun in Gegenwart desgesammten Hofstaates der Grundstein zum neuen Schloß gelegt, undzum fortwährenden Andenke» daran der Hausordcn der Treue gestiftet.Der neue Bau rückte schnell vorwärts, weil er aus Holz und nur derachteckige Thurm aus Stein erbaut wurde; als aber der Markgraf in derFolge sah, wie beschwerlich es sei- alle Lebeusmittel weit herholen zulassen, und so weit von den Regierungsstellen entfernt zu sein, beschloßer, um dies Schloß auch eine neue Stadt anzulegen, wozu er auch denPlan selbst machte. Schon am 24. September desselben Jahres ergingein Rcscript an alle Aemter, und wurde durch öffentliche Blätter verkün-det, des Inhaltes nämlich, daß Jedem, der sich in Karlsruhe niederzu-lassen gedenke, bedeutende Vergünstigungen und Freiheiten zu Theil werdensollten, welche in achtzehn Paragraphen näher angegeben waren. Kaumwar dies Ausschreiben bekannt geworden, so meldeten sich schon unterneh-mende Leute aus der Nähe und Ferne, weil sie in dieser neu zu gründen-de» Stadt sich schnell zu bereichern hofften, und mit dem Ende des Jahres1719 standen außer den öffentlichen Gebäuden schon hundert Privathäuscrund waren hundert sechs und zwanzig Bürger aufgenommen. Das Schloß,wozu aus allen Theilen des Landes Beisteuern eingingen, hatte dreiStockwerke, die Privathäuser durften aber nur nach dem vorgeschriebenenModelle gebaut werden, ein Stockwerk hoch sein und mußten Mansar-dendächer haben; alle Häuser wurden aus Holz aufgeführt. Anfangswaren blos neun Strahlen des Fächers zu Straßen bestimmt, welche aberau der langen Straße, damals noch Mühlburger Allee genannt, endigte»;südlich von derselben lagen Gärten und Feld.
Um den Fortbau der Stadt noch mehr zu förder» und eine größereAnzahl Baulustiger herbeizuziehen, vermehrte der Markgraf die Gerecht-same und Freiheiten der Bürger, und erlaubte den ärmeren Leuten undTaglöhncrn, sich in Kleinkarlsruhe niederzulassen, wodurch^cr verhinderte,daß die eigentliche Stadt durch allzuschlechte Häuser verunstaltet würde;Klcinkarlsruhe lag südöstlich an der Stadt, bilvete aber damals noch keineeigene Gemeinde.
Werfen wir nun einen Blick auf das damalige Aussehen von Karls-ruhe, so hatte das Schloß so ziemlich die äußere Gestalt des jetzigen; zubeiden Seiten desselben standen der Marstall, das Ncithaus, die Kanzleiund die Orangerie; vor demselben breitete sich ei» schöner Blumengartenaus, worin man gegen 6999 ausländische Bäume, 5090 Arten von Tul-
pen, 809 von Hyazpnthcn, 699 von Nelken, 599 von Aurikeln, 499 vonRanunkeln, 299 von Anemonen u. s. f. zählte; hinter dem Schlosse lagdie Menagerie und der Hardtwald.
Die Stadt selbst hatte noch wenig zur Verschönerung thun können;es fehlte ihr noch immer ein Pflaster und nur im äußeren Zirkel hattendie Häuser zwei Stockwerke. An der langen Straße, dem Schlosse ge-genüber, wo jetzt der Marktplatz ist, lag die evangelisch-lutheriiche Kirche,in der nächsten Straße östlich die reformirtc Kirche und in jener gegenWesten der Wasserthurm, welcher die Gestalt einer Kirche hatte. — Schonim Jahre 1721 wurde die erstere Kirche erbaut; 1722 begann man einst-weilen nur einige Klassen des Durlachcr Gymnasiums und wenige Jahrespäter diese ganze Anstalt nach Karlsruhe zu verlegen und im Jahre 1728wurve auch ein Rathhaus, und zwei Jahre später auch ein Pfarr- undSchulhaus erbaut.
Schon hatte in wenigen Jahren die Stadt ziemlich zugenommen, alsder Ausbruch eines Krieges manche Pläne wieder vernichtete. Im Jahre1733 gingen nämlich die Franzosen über den Rhein, Karlsruhe wurde nurdurch die Klugheit der Landesadmintstration gerettet, und der Markgraf flohnach Basel. Erst im Spätjahre 1736 kehrte er wieder in seine Residenzstadtzurück, weicherer wieder all seine Sorgfalt zuwendete; er ärndete abernur großen Undank, und nie hat eine Stadt sich schlechter gegen ihrenWohlthäter benommen, als Karlsruhe, dessen Bürger die erhaltenen Frei-heiten aufs Frechste mißbrauchten, und nur da sich thätig zeigten, wo ihreGewinnsucht befriedigt wurde. Die Metzger hatten nur faules Fleisch, dieBäcker schlechtes Brod, und der Wein, welcher in den Wirthshäusern aus-geschenkt wurde, war fast ungenießbar; so daß endlich die Staatsbehördeneinschreiten mußten, damit nur nicht Krankheiten daraus entstanden. Galtes aber Gemeindebedürfnissc anzuschaffen, so weigerte sich Jeder, undAlles murrte, als eine Umlage gemacht werden sollte, um eine Feuer-spritze zu erwerben.
Der Markgraf suchte vergebens diesem Unwesen entgegen zu steuernund erließ im I. 1722 einen neuen Privilegienentwurf; aber schon inkurzer Zeit wurde auch dieser vielfach verdreht und mißdeutet, so daß sichKarl Wilhelm genöthigt sah, im August 1724 einen Zusatz dazu entwer-fen zu lassen, wovon er endlich eine Beilegung der städtischen Wirrenhoffte. Aber es halfen weder Ermahnungen noch Gesetze, Mißbräuchefanden in Menge statt, und während der alte Schlendrian forthcrrschte,und Brod und Fleisch theuer und ungenießbar waren, erhoben die Bürgernoch Klagen, und remonstrirten gegen die markgräflichen Verordnungen.Dies mußte den Markgrafen schwer kränken, denn er hatte Alles aufge-boten das Wohl der Stadt zu heben und zu fördern, aber er hörte dochnicht auf bis an sein Lebensende treulich für dieselbe zu sorgen und ihrWohlthaten zu erzeigen. Er starb am zwölften Mai 1738 und hinterließsein Land in einem blühenden Zustande, während er es neunzehn Jahrezuvor schwer belastet und durch Kriege verwüstet gefunden hatte, als er1799 die Regierung antrat.
Sein Sohn war schon im I. 1732 gestorben, deshalb ging die Ne-gierung auf seinen Enkel Karl Friedrich über, welcher bei seinem Todejedoch erst zehn Jahre alt war. Die Verwaltung der Regierung wurdealso einer Landesadministration übertragen, welche anfangs von der Mark-gräfin Magdalene Wilhelmine und dem Markgrafen Karl August, seit1742 aber vom Markgrafen Karl Wilhelm Engen besorgt wurde. Vonderselben wurden im I. 1738 die alten Privilegien dee Stadt bestätigtund der frühere Zustand beibehalten. Diese Vormundschaft währte abernicht lange, denn Karl Friedrich wurde bald für volljährig erklärt undübernahm die Regierung selbst.
Anfangs war er unschlüssig, ob er nicht lieber seine Residenz in Dur-lach nehmen solle, als er aber einsah, daß Karlsruhe nur durch dieAnwesenheit des Hofs und der Landeskollegien bestehen könnte, beschloß