er in Karlsruhe zu bleiben, dasselbe aber zu einer wahren Stadt um-zuschaffcn.
Als er im 1.1750 von seinen Reisen zurückkam, beschloß er vorerstein neues Schloß aus Stein auf den Grundmauern des früheren zu er-bauen, und verwendete dafür nicht unbedeutende Summen. Bald erhobauch die Stadt wieder neue Klagen und bat um weitere Bestätigung derPrivilegien, welche mit dem Jahre 1752 zu Ende gingen. Nach langerErwägung ließ Karl Friedrich einen neuen Verfaffungsbrief entwerfen,worin Karlsruhe noch viele bedeutende Freiheiten erhielt; der Magistratwar aber nicht damil zufrieden, und bestürmte den Markgrafen mit neuenBitten und Klagen, so daß er endlich unwillig wurde, und sich höchlichdarüber verwunderte, daß die Stadt bei so vielen Freiheiten und Rechtennicht zufrieden sei. — Es verblieb also bei dieser Verordnung, und KarlFriedrich bot Alles auf, um das Aufblühen der Stadt zu fördern; es wardies aber erst dann mit gutem Erfolg möglich, als die alte Generationausgcstorben und eine neue an deren Stelle getreten war.
Um das Entstehen schöner Häuser zu fördern, verwilligte Karl Friedrichallen denen, die solche zu erbauen gedachten, einen Bauzuschuß von 3 ff.für den Schuh Breite, und ließ einen Kanal von Durlach nach Karls-ruhe graben, damit die Bausteine leichter herbeigeschafft werden konnten.In derselben Zeit wurde auch die Straße nach Durlach schöner angelegt unddie Pflasterung der Straßen Karlsruhe's schneller ausgeführt. Aber dochwäre diese Stadt nie das geworden, was fie jetzt ist, wären nicht bald daraufbesonders aber mit dem Beginne dieses Jahrhunderts Ereignisse eingetre-ten, welche Plötzlich die ganze Lage der Dinge änderten und eine neueZukunft eröffneten.
Als nämlich in der Nacht vom 2». auf den 2t. Oktober t77l mitMarkgraf August Georg die ältere Badische Fürstenlinie ausstarb, fielenderen Länder vermöge des bestehenden Erbvertrags an Karl Friedrich,und Karlsruhe wurde Residenz eines Landes von etwa 169,999 Seelen.Mit der Vergrößerung der Markgrafschaft vermehrten sich auch die Mittel,und Karl Friedrich konnte um so besser seine wohlthätigen Absichten inVerwirklichung bringen. Er gründete alsbald eine eigene Baukasse, damitmehr Häuser entstanden, was nothwendig war, weil sich das Regierungs-pcrsonal bedeutend vergrößert hatte, und die Folge dieser Aufmunterungwar, daß man im Jahre 1793 schon 28 herrschaftliche, 6 städtische und499 Privatgebäude, und in Meinkarlsruhe 239 Häuser zählte. Um demOberamte die Geschäfte zu erleichtern, errichtete der Markgraf im 1.1784eine eigene Polizeideputation, welche ihm Rapporte zu machen hatte.Auch für die Armen wurde nach Kräften gesorgt, und ein eigenes Spinn-und Gewcrbhaus errichtet, worin im Jahre 1787 schon 69 Kinder und39 erwachsene Leute beschäftigt waren, während 43 Personen zu Hausefür dasselbe arbeiteten, Ein Hospital wurde 1789 angelegt, und 1799bildete sich ein Verein zur Unterstützung ertränkter Dienstboten. Schonfrüh bestand hier eine Buchdruckern; seit 1757 erschien eine politische Zei-tung, die fürstliche Bibliothek wurde stark vermehrt, das Gymnasium imI. 1789 erweitert, 1783 ein Taubstummeninstitut gegründet und 1786 eineWittwenkasse von der Bürgerschaft errichtet. Auch Kleinkarlsruhe genoßdas fürstliche Wohlwollen; seine Bewohner, die anfangs blos Hinter-sassen waren, konnte» unter nicht schweren Bedingungen Bürger der Stadtselbst werden und bildeten endlich eine eigene Gemeinde.
Schon hatte sich Karlsruhe auf solche Weise bedeutend gehoben, alsder Frieden von Lüneville geschlossen wurde, und Karl Friedrich mit derChursürstenwürde einen bedeutenden Länderzuwachs erhielt, so daß er jetzt
mehr als 499,999 Unterthanen zählte. Dabei blieb es aber nicht, son-dern die Jahre 1395, 1896, 1898, 1319 und 1812 brachten noch bedeu-tendere Vergrößerungen und im Jahre 1814 umfaßte das GroßherzogthumBaden einen Flächenraum von 284 Geviertmeilen mit einer Bevölkerungvon mehr als einer Million Menschen. Dadurch mußte Karlsruhe alsMittelpunkt eines bedeutenden Landes eben so sehr zunehmen und schnellaufblühen, zumal die Fürsten dieses Landes Alles aufboten um ihre Re-sidenz zu verschönern und zu vergrößern. An die Stelle der alten Re-gierungsgebäude traten neue und die Baukasse bezahlte bedeutende Zuschüssezu Privatbauten. Vortheilhaft wirkte darauf ein der ausgezeichnete Bau-meister Weinbrenner, nach dessen Plänen die Kanzlei, Synagoge, dieJnfanteriekaserne, die evangelische und katholische Kirche, das Theater,die Kavallerieställe, Münze, das Museum, Rathhaus, Schlachthaus, dasEttlingerthor, das Palais der Markgrafen, Garten und Gebäude der Mark-gräfinnen Amalie und Friederike entstanden, und der eben so vortrefflicheSchüler bildete, welche, in der Ausführung noch glücklicher, als er selbst,nicht wenig zur Verschönerung der Stadt beitrugen.
Dem Großherzoge Ludwig hat besonders der Marktplatz viel zu ver-danken, und unter seinem Nachfolger entstanden noch mehr Gebäude, wozuvorzüglich Hübsch die Pläne entwarf. In den letzten zwölf Jahrenwurden von demselben das Finanzministerialgebäude, die Mädchenschule,die polytechnische Schule, das Landesgcstütsgebäude, das neue Akademie-gebäude und das Karlsthor aufgeführt und andere treffliche Baumeisterverschönerten die Stadt durch Privathäuser, die fie theils für Andere,theils auf eigene Kosten erbauten.
Auch die innere Verwaltung wurde vervollkommnet und manche treff-liche Einrichtung gemacht. Nach mehrmaligen Aenderungen wurde imI. 1812 dem Stadtkommandanten die Polizeidirektion übertragen undbald darauf ein eigenes Polizeiamt errichtet. Im Jahre 1812 kam auchendlich die Vereinigung der Gemeinde Karlsruhe und Kleinkarlsruhe zuStande, und im letzten Jahrzehnte führte die für das ganze Großherzog-thum erlassene Gemeindeordnung eine ganz neue und geregeltere Gemeinde-verwaltung herbei, wodurch Karlsruhe bereits schon Vieles gewonnen hat.
Auf solche Art ist die Stadt geworden, was sie jetzt ist, aber leidermüssen wir zugleich auch bemerken, daß sie es weniger aus eigenem An-triebe wurde, als vermöge der Bemühungen der edlen Regenten, die wederdurch Undank, noch durch andere Hindernisse sich abhalten ließen, unab-lässig für das Wohl und Beste ihrer Residenz Sorge zu tragen. Deshalbist es auch nicht anders zu erwarten, als daß die Bürger auf jeglicheWeise ihre Dankbarkeit und Anhänglichkeit an das Regentenhaus darzu-legen suchen, wie dies auch wieder im laufenden Jahre sich gezeigthat,als die Prinzessin Alerandrine ihre Verbindung mit dem Erbprinzen Ernstvon Sachsen-Koburg-Gotha feierte. —
Schon gehört Karlsruhe zu den schöneren Städten Deutschlands, eineglänzendere Zukunft steht ihr aber noch bevor, da jetzt die Eisenbahn vol-lendet ist, und wenn durch Einheit und Zusammenwirken der Bürger diestädtischen Interessen eine größere Förderung erhalten und die bestehendenEinrichtungen und Anstalten zu bedeutenderer Vervollkommnung gelangen.Kaum sind hundert sieben und zwanzig Jahre vorüber, seit welcher ZeitMarkgraf Karl Wilhelm, von welchem die Stadt ihren Namen erhielt,den Grundstein zum Schlosse legte, und schon hat Karlsruhe viele anderebereits Jahrhunderte lang bestehende Städte übertroffen, um wie vielglänzender wird fie darstehen, wenn noch ein Jahrhundert vorüber ist, undfie das zweite Säkulum ihres Bestehens feiert!