Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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Straßen find krumm und die Häuser alt; dagegen find sehenswerth dasRathhaus, die Kaserne oder das ehemalige Schloß und der Schloßgarten,worin mehrere römische Denksteine aufgestellt sind. Bemerkenswerth finddie Durlacher Fruchtmärkte, welche sehr stark besucht werden. Viele Spa-ziergänger gehen noch weiter als bis hierher, und wandern entweder nachWolfenweiler, Grünwettersbach, oder nach der Augustenburg, wo derMarkgraf Wilhelm starke Landwirthschaft betreiben läßt.

Das ganz nahe bei Karlsruhe, vor dem Durlacher Thore gelegeneehemalige Kloster Gottesau ist jetzt Kaserne für die Artillerie unv denTrain des badischen Militärs. Das Gebäude ist viereckig/ hat vier Eck-thürme und ein ziemlich alterthümliches Ansehens.

Vor dem Rüppurrer Thore liegt das Landesgestütsgebäude, das Hübschaufgeführt hat, und weiter entfernt der Augarten mit einem Stahlbade,das aber wenig besucht ist.

Von diesem Thore an, südlich und westlich um die Stadt führt diesogenannteKriegsstraße, welche stark von Spaziergängern und Fah-renden besucht wird. An dieser, ganz südwestlich von Karlsruhe steht dasPromenadenhaus, wo öfters Tanzbelustiguugcn statt finden. Früherwar es besuchter als jetzt.

Vor dem Ettlinger Thore wird jetzt der Bahnhof mit demPostHause erbaut, und in der nächsten Zukunft werden hier auch nochmehrere Gebäude entstehen und Karlsruhe überhaupt fich in dieser Rich-tung erweitern.

Ein sehr freundlicher Spaziergang, wohl der schönste bei Karlsruhe,führt durch ein schattiges Wäldchen mit hohen und alten Eichen an derMaschinenfabrik vorüber nach dem '/, St. südlich entfernten Dorfe B e ic rt-heim, wo das Stephanienbad und das Gasthaus zum Hirsch täglichstark besucht werden. Ersteres liegt sehr freundlich und enthält ziemlich vieleBadkabinette, sowie einen Saal und eine freundliche Gartcnanlage. Nurdurch die schmale Alb vonBeicrtheim getrennt liegt dasPfarrdorfBulachmit seiner herrlichen von Hübsch meisterhaft in altdeutschem Style erbautenkatholischen Kirche, die zwei Thürme hat, und'/. Stunde hinter diesemDorfe liegt im Hardtwalde das großherzogl. Jagdschloß Scheibenhard.Dies find die gewöhnlichen Spaziergänge in der nächsten Umgebung

Karlsruhes; schönere und freundlichere find etwas entfernter. Stark be-sucht wurde bisher das ehemalige Bad Langensteinbach mit seinerfreundlichen Kirche. Nur l'/, St. entfernt liegt das gewerbsamc Städt-chen Ettlingen am Eingange in das Albthal. Hier find besonders dasv. Berstett'sche Gut, die Papierfabrik von Buhl und das katholische Schul-lehrcrseminar zu erwähnen. Hinter Ettlingen liegt die große Baumwoll-spinnerei und Weberei, ein großes und schönes Gebäude, worin oft gegensechshundert Menschen beschäftigt sind. Von da an verengert fich das Alb-thal immer mehr und wird wildromantisch, bis man nach Frauenalb,zur Marrmühle und nach Herrenalb gelangt. In ersterem Ortewar früher ein Nonnenkloster, jetzt ist daselbst eine Aktien-Bierbrauereierrichtet, und das ehemalige Kloster Herrenalb ist bekannt wegen dordaselbst befindlichen Kaltwasserheilanstalt. Von hier oder an der Straßelängs des westlichen Abhangs der Berge oberhalb Ettlingen gelangt mannach dem herrlichen Murgth al, bekannt als eines der schönsten Thälerin ganz Deutschland. Schöne Aussichten bieten darin die beide» SchlösserEbcrstein und Ebersteinburg, in Rothenfels hat man vor einigenJahren eine Quelle, die ein warmer, eisenhaltiger Sohlen-Säuerling ist,entdeckt und der Besitzer derselben, Markgraf Wilhelm, errichtete eineBadanstalt; in Gaggenau ist eine große Glashütte und ein Hammerwerk,derAmalienberg, von Rindeschwender aus einem öden Felscnabhangin ein herrliches Landgut umgeschaffen, liegt wunderschön am Saume derrasch vorüberfließenden Murg, Gernsbach ist bekannt wegen der starkenHolzstößerei, ebenso Forbach, und je weiter man in das Thal eindringt,desto schöner und romantischer wird es.

Häufig wird von Karlsruhern Baden besucht, wohin man bequemund wohlseil gelangen und am nämlichen Tag wieder zurückkehren kann.Der Rückweg führt dann gewöhnlich über Rastadt, das ander Murgliegt, ein Schloß, Lyzeum und Frauenkloster hat, und jetzt in einedeutsche Bundesfestung umgewandelt wird. Von hier führt eine schöne,meistens gerade, deshalb aber auch sehr langweilige Straße, längsdes Hochufers, an welchem einst der Rhein vorüber floß, nach Karlsruhezurück, dessen nähere und fernere Umgebung wir auf solche Weise kennengelernt haben.

G e s ch i ch t

Wo jetzt ein geräuschvolles Leben fich zeigt, und Tausende von Menschensich in thätiger Geschäftigkeit begegnen, war es vor zweitausend Jahrenstill und einsam, und nur die Thiere des Feldes belebten den Lußhard-Wald, der fich über die ganze Rheinebene, von der Murg bis hinab zumSaalbach und dem Neckar ausbreitete. I» frühester Zeit war sogar die-ser Landstrich eine völlige Insel, denn der Rhein sandte einen Arm längsdes Gebirgs bis in den Neckar und umschloß diesen Wald, bis endlichseine Gewässer zurücktraten , weil fie bei Bingen sich eine freiere Bahnbrachen und schneller abfließen konnten. Bald darauf ließen fich Keltenin dieser Gegend nieder und gründeten Durlach und andere Orte, woraufdie Römer von der Bäderstadt Kuri-Ii-, (Baden) aus Straßen

»ach dem Rhein und Neckar anlegten, und bei Ettlingen und DurlachNiederlassungen gründeten. Später gewannen zwar die Allcmannen dieOberhand und zerstörten die Bauten der früheren Bewohner; als fie abervon den Franken zurückgedrängt wurden, und das Frankreich aufblühte,gewann diese Gegend bald ein neues Aussehen und es erhoben sich nachund nach verschiedene Höfe, die später zu Dörfern sich vergrößerten. Sokommen in jener Zeit als im Pfalzgau gelegen vor die Orte Dettingen,Grötzingen, Kuielingen, Linkenheim, Nusheim, Spöck, Bcrghauscn u. A.;nnd als die Abtei Gottesau entstand, wurde die Umgegend schnell kulti-virtcr und begann aufzublühen.

Das Kloster GotieSau wurde im Jahre l l lst von dem GrafenBerthold von Hohenburg, wahrscheinlich aus dem Eberstcin'schcn Hause,das die Gaugrafschaft über den Oosgau inne hatte, gegründet, und wurde

mit l3 Benediktinermönchen aus dem Kloster Hikschau besetzt. Durch ver-schiedene Schenkungen gelangte dies Gotteshaus bald zu bedeutenden Be-sitzungen und galt eine Zeit lang für eines der reichsten Klöster; durchUeppigkeit und schlechte Haushaltung verfiel es aber so schnell wieder, alses aufgeblüht, und wurde endlich ganz aufgehoben. Die Bewohner diesesKlosters waren es nun hauptsächlich, welche die Wälder ausftockten, Sümpfeaustrockneten und das Land in fruchtbare Aecker und Wiesen umschulen,so daß es ein ganz anderes Ansehen gewonnen hatte, als diese Gegend,wahrscheinlich durch Heirath der Gräfin Judith von Ebenstem, an Herr-mann, Markgraf von Verona und Herzog von Zähringen, den Stifterdes Hauses Baden, kam. Unter diesem Fürstengeschlechte blühten nun dienahen Städtchen Mühlburg, Durlach und Ettlingen aul und wirkten aufdie ganze Umgegend sehr wohlthätig ein.

Als im I. l527 Markgraf Christoph starb und seine Söhne Bernharvund Ernst sich in die väterlichen Lande theilten, fiel der untere Theil der-selben der jüngeren Linie, die Ernst stiftete, zu, welche nun Pforzheimzur Resivenz machte. Aber schon im I. löstä verlegte Markgraf Karl II.dieselbe nach Durlach und erbaute fich daselbst das Schloß Karls-burg. Anverthalb Jahrhunderte lang regierten hier unter wechselndemGeschicke die Baden-Durlach'schen Markgrafen, bis plötzlich auch dieseStadt von denselben verlassen wurde, und wie durch einen Zauberschlageine neue Residenz aus dem Boden emporstieg, weiche in einer Zeit vonkaum hundert Jahren alle übrigen Städte des Landes verdunkelte und zneiner hohen Stufe der Blüthe gelangte.