Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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brauchbaren Pädagogen Stern, hat aber nur geringe Mittel. MehrereZeichnen- und Musikschulen bestehen schon seit längerer Zeit undwirken vortheilhaft.

Das Lyzeum leitet zu den gelehrten Studien an, und gehört zuden besseren des Großherzogthums. Es wurde vor etwa 120 Jahrenvon Durlach nach Karlsruhe versetzt und erfreute sich stets der besonde-ren Sorgfalt des dadischen Fürstenhauses. Mit ihm ist eine Vorbcrei-tungsschule und war bisher eine Realschule verbunden, mit welchen dieAnstalt 15 Abtheilungen zählt, von welchen neun das eigentliche Lyzeumbilden. Im Herbst 1840 wurde dasselbe von 700 Schülern besucht, wo-von jedoch 261 zu der Vorschule und 82 zu der Realklasse gehörten.Für körperliche Uebungen ist eine Turnanstalt damit verbunden.

An öffentlichen Sammlungen für Wissenschaft und Kunst ist Karls-ruhe nicht arm. Außer den Bibliotheken der technischen Behörden istdie H o fbib lio t h ek, welche gegen 100,000 Bände zählt, für jedenGebildeten geöffnet, nämlich am Mittwoch und Samstag. In dem-selben Lokale befindet sich das ziemlich reichhaltige Großherzogl. Anti-quitäten- und Münzkabinet, sowie im unteren Stockwerke des näm-lichen Gebäudes das Naturalienkabinet, welches durch die Sorgfaltdes verstorbenen Geheimen Hofraths Gmclin und des jetzigen Vor-stehers, Professor Aler- Braun, viel gewonnen hat. Der Gemälde-gallerie, für welche jetzt ein neues großartiges Gebäude errichtetwird, steht eine noch günstigere Zukunft bevor, indem sie durch neueAnkäufe und die Privatsammlung des Großherzogs vermehrt werdensoll;.die nicht unbedeutende Kupferstichsammlung wurde durch den thä-tigen Galleriedirektor Frommcl neu geordnet. Die vorzüglicheren Ge-mälde dieser Gallerie sind von Lukas Cranach, Corregio, A. Dürer,Holbein, R. Mengs, Netscher, Potter, Rembrand, Rubens, Tenicrs,Frl. Ellcnrieder, Frommel, Fries, Fohr, Kirner u. A. Das phy-sikalische Kabinet befindet sich im Lyzeumsgebäude und erfreut sichunter der Direktion des Professors Eisenlohr jetzt einer besseren Pflegeals zuvor. Die Instrumente sind gut und ziemlich vollständig vor-han en. Es ist zu wünschen, daß diese Sammlung ebenfalls im Lokaleder polytechnischen Schule aufgestellt werde, da sie doch von den Zög-lingen derselben am meisten benützt wird.

Auch für Musik haben sich hier einige Vereine gebildet. Im Mu-seum bestehen der Dile'ttantcnverein und der Verein für ernsteChor musik, und in der GesellschaftEintracht" ist das Lokal des Cä-cilienvereins, welche drei Vereine nicht wenig zur musikalischenBildung der Stadtbewohner beitragen.

Der Kunstverein, 1819 gestiftet, hat seit neuerer Zeit sich bedeu-tend erweitert und sich dem allgemeinen rheinischen Kunstvcrein ange-schlossen. Jährlich findet eine öffentliche Kunstausstellung statt, sowieeine Verloosung angekaufter Gemälde und Bilder, und außerdem er-halten die Mitglieder noch ein besonderes Bereinsblatt. Der land-wirthschaftliche Verein, 1819 durch den thätigen Ackermann in Ett-lingen gegründet, verbreitet sein wohlthätiges Wirken über das ganzeLand, und gibt ein eigenes landwirthschaftliches Wochenblatt heraus;die Feld- und Wiesenkultur, und besonders der Weinbau Badens habenihm sehr viel zu verdanken. Anch der 1832 gestiftete Gewerbe-verein ist für Karlsruhe schon nützlich geworden. Das allgemeineLandesgestüt, wofür ein jährlicher Aufwand von etwa 65,000 fl.erforderlich ist, besteht schon seit langer Zeit, erhielt aber erst imJahr 1832 die jetzige Einrichtung. Weil die Kosten den Nutzen über-steigen sollen, schlug im Jahr 1842 die Kommission der Landstände vor,das Institut aufzuheben; für jetzt ging aber dieser Antrag »och nichtdurch.

Sowie für Wissenschaft, Kunst und Gewerbe gesorgt ist, ebensofind mehrere wohlthätige Anstalten hier errichtet worden. Im bür-gerlichen Hospital werden jährlich über 700 Kranke verpflegt;

Carls ruhe. >1.

ebenso im Militärhospitale. Das Judenbospital wird durchBeiträge der Karlsruher Judengemcinde unterhalten. Zur unentgelt-lichen Verpflegung kranker Dienstboten hat man eine eigene An-stalt errichtet, welche ebenfalls durch Beiträge besteht. Die erst inneuerer Zeit durch Sammlungen und Stiftungen entstandene Karl-Friedrichs-, Leopolds- und Sophien-Stiftung ist mehrPfründnerhaus. Andere wobltbätige Anstalten und Vereine find: dasGewcrbhaus, der Rekrute n-Unterstützungsvercin, der Vereinzur Unterstützung der zum Militärdienst berufenen Söhne,der Frauen verein mit der Suppenanstalt, der Verein zur Beloh-nung treuer Dienstboten, die Kleinkinderbcwahranstalt, der Ver-ein für Besserung der Strafgefangenen, der Verein für Rettungsittlich verwahrloster Kinder, die Privat-Sparkassengesellschaft, 2 Sterbe -kassen, die Krankenkasse und die allgemeine Versorgungsan-stalt, welche immer größere Vortheile bietet und ihren Wirkungskreisschon über die Gränzen Badens ausgedehnt hat. Eine gleich wohlthätigeWirkung auf das ganze Großherzogthum zeigte bereits seit mehren Jahrender Militärstellvertretnngs-Verein von Gustav Schmicderer.Ueberhaupt ist seit wenigen Jahren für solche wohlthätige Anstalten inKarlsruhe schon sehr viel gethan worden und von der Zukunft noch vielmehr zu hoffen.

Obwohl Karlsruhe in einer Sandebene liegt, so hat die Stadt docheinige freundliche Spaziergänge in der Nähe auszuweisen, und die weitereEntfernung bietet mehr als viele anderen Gegenden. Eine gerade Straße,auf deren rechter Seite am Eingange in den Hardtwald freundliche An-lagen im Entstehen sind, führt nach dem'eine halbe Stunde entferntenStädtchen Mühlburg, wohin man um einen geringen Preis durch die be-reit stehenden Fiaker gefahren werden kann. Die Nähe der Residenzschadet freilich diesem Städtchen nicht wenig, aber doch blühen hier meh-rere Gewerbe, es ist darin eine Krappfabrik und eine neu errichtete Fisch-beinfabrik, die einzige in Deutschland. Der Herr von Seldeneck hat hierauch ein schönes Haus, das früher einem badischen Prinzen gehörte. Ge-wöhnlich bleiben aber die Karlsruher nicht hier, sondern gehen nach demnahe dabei gelegenen Dörfchen Grünwinkel, wo eine gute Gartenwirth-schaft ist. Hinter diesem Dorfe liegt ziemlich freundlich an der Alb dieAppenmühle, welche dem Markgrafen Maximilian gehört. Gewöhnlichwird von Spaziergängern im Garten Milch genommen, welche man hiersehr gut findet. Näher gegen den Rhein, etwa St. hinter dieserMühle, liegt das Dorf Darlanden mit seinen neuen Häusern. Hier ißtman gewöhnlich Fische und fast an jedem Sonntage finden sich viele Karls-ruher daselbst ein. Seit dem letzten Sommer ist aber ein anderer Spa-ziergang beliebter, nämlich der Weg von Mühlburg über Knielinge» nachder Marimiliansau, die am Rhein neben der Schiffbrücke liegt. DenNamen hat diese freundliche Anlage von ihrem Eigenthümer, dem Mark-grafen Maximilian, der eine Rheinbadcanstalt hier errichtete und jetztein schönes Wirthshaus erbauen läßt. Die über diese Anlage führendeStraße nach Rheinbaicrn, und Idie hier befindliche Landungsstelle derDampfschiffe beleben die Marimiliansau sehr, und noch mehr wird vicsder Fall sein, wenn eine Eisenbahn von Karlsruhe aus dahin angelegtwird, was wohl zu erwarten ist.

Gegen Nord liegt der Hardtwald mit dem großherzoglichen Wildpark,in den man nur mit Erlaubniß des Hof-Intendanten gehen darf. GegenOst führt eine Pappclallee nach Durlach; ehe man aber auf der eineStunde langen und geraden Straße dahin gelangt, liegt nordwärts ander Straße die Silberburg, ehedem Alleehaus genannt, womit eineBadeanstalt verbunden ist. Früher hatten sich hier oft viele KarlsruherBeamten eingefunden, jetzt aber ist es blos die Einkehr der niederstenStände. Nach Durlach geht und fährt jeden Tag, besonders aber anSonntagen, eine Menge von Menschen, welche theils in der Karlsburgtheils in andern Wirthshäusern einkehren. Durlach ist nicht schön, denn die