weiterer, 6 Handels- und Kunstgärtner, K Jnstrumentenmacher, 148Kaufleute, 16 Küfer, l Kupferdruckerei, 6 Kupferstecher, 4g Kutscherund Fuhrleute, >0 Maurermeister, 56 Metzger, 24 Modistinnen, 7 Mö-belhändler, 20 Sattler, lg Schlosser, 15 Schmiede, l08 Schneider,46 Schreiner, ll6 Schuhmacher, 17 Seifensieder, 14 Tapeziere, 10Weinhändler, 77 Wirthe und 8 Zimmermeister. Fast alle diese Gewer-betreibenden haben hinlänglich zu arbeiten und viele derselben werdenreich, worauf sie ihr Geschäft aufgebe» und als Partikuliers von denZinsen ihrer Kapitalien leben; doch geschieht dies nicht mehr so häufig,wie vor etwa 20 Jahren, wo kaum die Hälfte der jetzigen Anzahl Ge-werbetreibenden hier zu finden war. Ungeachtet dieses Reichthums Ein-zelner müssen aber auch viele kümmerlich ihr Brod verdienen, theilsweil ihre Gewerbe zu stark besetzt sind, theils auch weil das Wirths-hausfitzcn hier sehr überHand nimmt. Denn nicht nur werden Bier-und Weinwirthschaften ziemlich stark besucht, sondern, während frühernur das Museum für Beamte, und die Lesegesellschaft für gebildetereund angesehene Bürgerliche bestand, sind jetzt noch zwei neue Gesell-schaften aufgetaucht, von welchen der Bürgerverein von den niederstenBürgern gebildet wurde, jetzt Bälle, Kränzchen, Abendunterhaltungcngibt, ein Liebhadertheater errichtete und mit den übrigen Gesellschaftenin jeglicher Hinsicht zu wetteifern strebt. Auf solche Weise mußte esgeschehen, daß Lurus und Modesucht bis in die niederste» Stände dran-gen und auch den besten Verdienst völlig aufzehren.
Bei solcher Lage, wo Karlsruhe mehr auf Gewerbe beschränkt ist,sollte man erwarten, daß Fabriken und Handel besonders betriebenwerden; zu Ersteren ist aber kaum ein Anfang gemacht, Letzterer be-schränkt sich meistens nur auf den Kleinverkauf, der sich vorzüglich aufMode-, Tuch-, Eisenwaaren und Spezereien erstreckt. Auch derSpeditions- und Transithandel ist von weniger Bedeutung; zu Ersteremliegt Karlsruhe nicht gut, zumal zwei Handelsstraßen auf beidenSeiten an Karlsruhe vorüber ziehen, ohne diese Stadt zu berühren,und die Rheinschifffahrt stark geht; Letztere ist großentheils im Besitzeder Mannheimer Handelshäuser, und auch die Vollendung der Eisen-bahn wird für Karlsruhe in dieser Hinficht keine großen Veränderungenbringen. Wechselgeschäfte und Geldhandel sind hier ebenfalls nichtblühend, obwohl wir hier bewährte Banquierhäuser wie v. Haber,Klose, Kusel u. A. haben.
Wenn wir von den Fabriken sprechen, so ist besonders die Ma-schinenfabrik von Keßler u. Martiensen hervorzuheben, welche mitder Zeit eine sehr große Ausdehnung gewinnen wird. Sie hat alsTriebkraft eine Dampfmaschine und lieferte bereits eine Lokomotive,welche auf der Mannheim-Heidelberger Eisenbahn ihre Vortrefflichkeitschon bewies. Kommt überhaupt das Fabrikwescn, geschützt durch dendeutschen Zollverein, zu größcrem Aufschwünge, so dürfte dieses Etablisse-ment einen beccntenden Wirkungskreis erhalten. Sie beschäftigt über100 Arbeiter. — Schon seit längerer Zeit besteht hier die Tabaksfabrikvon Griesbach, welche ungeachtet der ungünstigen Zollverhältnissedoch jährlich etwa 3000 Ccntner deutschen und 1500 Centner amerika-nischen Tabak verarbeitet, und theils in Baden, theils in der Schweizabsetzt. — Die Bijouteriefabrik von Zuber u. Comp. besteht ebenfallsschon lange und liefert vorzügliche Arbeiten. — Weniger stark wird dieReiß'sche Chaisenfabrik betrieben. — Andere Etablissements find dieTapetenfabriken von Kammerer, Franz und Helm, die Chemi-kalienfabrik von Hallwachs und Geper; die Senffabrik vonSamsreiter und mehrere Möbelfabriken.
Im Allgemeinen zählt Karlsruhe über 1200 gewerbetreibendeEinwohner mit etwa 2000 Gehülfen und einem Betriebskapital vonmehr als i'/z Million Gulden.
Die Nahrungsmittel, welche man auf dem täglichen Markte ein-kaust, sind ziemlich theuer, ebenso auch das Holz, weßhalb man hier
in neuester Zeit auch viele Steinkohlen und Torf braucht. Schlecht istdie Milch, welche die Bewohner der umliegenden Orte in die Stadtbringen, gut ist dagegen gewöhnlich Fleisch und Brod.
Als Residenzstadt eines Landes von mehr als 1,280,000 Einwohnernkommt täglich eine Menge von Fremden hier an, und während desWinters halten sich hier auch viele Engländer und Franzosen auf. AnWein- und Bierwirthschaften hat man deßhalb keinen Mangel, auchfindet man hier einige vortreffliche Gasthäuser. Von diesen nennen wirals die ersten das zum Erbprinzen, Englischen Hof, PariserHof, Zähringer Hof und Römischen Kaiser, doch sind dieselbennicht so elegant eingerichtet, wie man es erwarten sollte, ebenso auch dieBier und Kaffeehäuser. Die letzteren find durchaus nicht schön und ein-ladend, und ein elegantes großartiges Kaffeehaus ist immer noch eingroßes Bedürfniß, obwohl sich hier 4 gesellschaftliche Vereine gebildethaben. Diese sind: das Museum, die Lesegesellschaft, Ein-tracht und der Bürgerverein, welche ziemlich viele Mitgliederzählen. Das Erstere besitzt ein schönes Lokal, ein reiches Lesekabinetmit vielen Zeitungen und einen abgesonderten Garten, worin imSommer wöchentlich eine Abcndunterbaltung mit Musik stattfindet. Vonden übrigen Gesellschaften hat die Eintracht die meisten Mitgliederund besitzt auch einen Garten.
Im Allgemeinen kann das gesellschaftliche Leben Karlsruhes nichtsehr gelobt werden. Es leben hier zu viele Beamten und auch dieBürger sind zu abhängig, als daß an ein freieres Leben zu denkenwäre. Ueber öffentliche Angelegenheiten wird nur sehr behutsam ge-sprochen und Gegenstand der Unterhaltung find wenig bedeutendeTagesinteressen und Stadtneuigkeiten; deshalb findet man es in denmeisten Gesellschaften langweilig, zumal es scheint, daß die öffentlichenVergnügungen meistens nur dazu dienen, daß die vornehme Welt ihreKleiderpracht zur Schau tragen kann. Wissenschaftlichere Unterhaltun-gen trifft man selten, auch ist hier der Antheil, den man an den neue-sten Erscheinungen auf dem Gebiete der Literatur nimmt, nur gering.
Bis jetzt haben die Bewöhner Karlsruhes noch keinen eigenthüm-lichen Charakter sich erworben, denn die Stadt ist »och zu jung undentstand aus Bewohnern sehr verschiedenartiger Gegenden, so daß bis-her sich noch kein Gesammtcharaktcr herausbilden konnte. OertlicheEinflüsse auf die Gesundheit beobachtet man nicht, nur entstehen inFolge des starken Zugwindes in den Straßen häufig akute Krankheiten.
Für den öffentlichen Unterricht sins mehrere Anstalten ins Lebengetreten, die wohlthätig wirken. Außer den gewöhnlichen Elementar-schulen geben sich noch verschiedene Leute beiderlei Geschlechts mit Hal-tung von Privatschulen ab, und es bestehen mehrere gute Institute,wie z. B. das für Frauenzimmer von Boisot. Für erwachsene Mädchenist die höhere Töchterschule errichtet worden.
Die höhere Bürgerschule ist besonders für Gcwerbtreibcnde vonNutzen; eine größere Bedeutung hat aber die politechnischc Schule,welche nach einem großartigen Plane angelegt ist, von der Regierungjedoch etwas stiefmütterlich behandelt wird. Im Jahre 1825 von Groß-herzog Ludwig errichtet, aber nur geringe Fonds besitzend, konnte dieseAnstalt ihre» hohen Zweck nicht erfüllen, deshalb wurden ihr im Jahre1331 von den Landständen größere Geldmittel zugewiesen, so daß sie seitdieser Zeit eine völlige Umgestaltung erhielt. Ihre Einrichtung ist fol-gende: sie theilt sich in zwei allgemeine mathematische Klassen und 5besondere Fachschulen, nämlich 1) Ingenieurschule; 2) Bauschule;3) Forstschule; 4) höhere Gewerbschule; 5) Handelsschule. Eine land-wirtschaftliche Schule sollte wohl billigerweise damit verbunden werdenund die ganze Anstalt überhaupt größere Pflege erhalten. — Die Ve-terinärschule ist die einzige dieser Art im Großherzogthum Baden,und verdient alles Lob. — Das evangelische Schullehrerseminarwurde im Jahre 1823 neu errichtet und steht unter der Leitung des