gelegenen Gebäuden, welche alle schön find, heben wir keines mehrhervor, sondern wir treten auf den freien Platz am Mühlburgcr Thore,von welchem man in die Stephanien-, lange und Amalicnstraße hineinfieht. Letztere besieht aus lauter neuen, meistens 2 Stockwerke hohenGebäuden, ist aber nicht sehr belebt. Sie stößt gegen Südost an denGarten des Grafen von Bis mark, worin ein schönes Palais steht.Dasselbe hatte ebenfalls den berühmten Weinbrenncr zum Baumeister,hat zwei Stockwerke und einen Halbstock, und lehnt sich südlich an einenkünstlichen Hügel, worauf man zum Balköne des zweiten Stockwerkesgelangen kann.
Der Ludwigsplatz mit einem schönen Brunnen liegt im westlichenStadttheile und wird von der Wald-, Blumen-, Karls-, und Erb-prinzenstraße berührt; dreimal in der Woche wird hier ein Markt ab-gehalten; die Gebäude, welche um ihn stehen, sind nicht schön. In derErdprinzenstraße liegt das einfach gebaute Palais des Fürsten von Für-stenberg, und neben diesem das Ministerium des großherzoglichenHauses und der auswärtigen Angelegenheiten. Bor denselbenbefindet sich ein schöner mit Bäumen besetzter Platz, in dessen Mitte diekatholische Kirche steht, welche zwar eine sehr schöne Lage hat, abervon Außen durchaus unfreundlich ist, und eher einer Ruine gleich sieht.Sie wurde im Jahre 1808 von Weinbrenncr in Form einer Rotundaerbaut, leider aber mit einer Menge von Anbaute» versehen, so daßdie ursprüngliche Gestalt nach Außen nicht mehr zu bemerken ist. DasInnere ist dagegen schön: die Kuppel hat eine Höhe und Weite von100 Fuß, und das Licht fällt durch ihre Decke in die Kirche. Das Al-tarblatt wurde von Fräulein M. Ellenrieder gemalt, und stellt denTod des heil. Stephan vor; die schöne Orgel ist von Silbermann ausStraßdurg und wurde aus der Kirche zu St. Blafien hierhergebracht.Nördlich an der Kirche ist ein Thurm angebaut, südlich befindet sich derHaupteingang »nt einem Portikus. Diese Kirche erlitt mit Recht hartenTadel, und paßt überhaupt nicht für den katholischen Kultus. An dem-selben Platze liegt das Ständchaus, wozu Weinbrenncr den Planmachte, der jedoch von Arnold abgeändert wurde. In demselben istbesonders der halbrunde Sitzungssaal der zweiten Kammer schön undgroß, obgleich er häufig die Zuhörer nicht faßt; der Sitzungssaal fürdie erste Kammer ist geschmackvoll dekorirt, aber klein. Im Innerndieses Gebäudes liegt ein Hof, und westlich davon ein Garten.
Weiter nach Osten und über der Ritterstraße liegt zu beiden Seitender Erbprinzenstraße der Erbprinzengarten, dessen beide Hälftendurch einen unter der Straße durchführenden Gang mit einander ver-bunden find. Im nördlichen Theile desselben liegt ein freundliches Land-haus mit einem Speisesaal, und vor dem unterirdischen Gange in dieandere Hälfte ein Stein, worauf die Gemahlin des Kaisers Alexandervon Rußland seine badische Prinzessin) folgende Verse graben ließ:Du kleiner Ort, wo ich das erste Licht gesogen.
Den ersten Echmeri, die erste Lust empfaich.
Sei immerhin, unscheinbar unbekannt.
Mein Herz bleibt ewig doch vor Allen dir gewogen.
Fühlt überall nach dir sich hingezogen.
Fühlt selbst im Paradies stch doch aus dir verbannt.
In dem Theile jenseits der Straße liegt eine schöne aber einfache Som-merwohnung mit einem Saale. Mehr verdient jedoch der gothischeThurm der Beachtung, welcher in der südöstlichen Ecke dieses Gartensliegt und über die Ahamauer hinaus bis in die Kriegsstraße reicht.An den runden Thurm ist ein Badhaus und eine Kapelle in altdeut-schem Stple angebaut; es steht darin das Denkmal aus Gpps, welchesdie Markgräfin Amalic ihrem bei Arboga umgekommenen Gatten vonScheffauer errichten ließ.
Die Erbprinzenstraße, an welcher noch das herrschaftliche Wobn-gebäude für den Finanzminister liegt, führt aus das R ondel, in dessenMitte ein Brunnen steht. Auf demselben erhebt sich zwischen zwei Grei-
fen ein Obelisk, gewöhnlich Constitutionssäule genannt, denn sie wid-mete, der Inschrift gemäß, „dem Gründer der Verfassung diedankbare Stadt Karlsruhe." Am nämlichen Platze, aber über derSchloßstraße, welche ihn von Norden nach Süden durchschneidet, liegtdas Palais der Markgrafen von Baden, ein einfaches, aber schö-nes Gebäude von zwei Stockwerken. Der Portikus, welcher zu diesemGebäude führt, ist sehr schön und wird von sechs korinthischen Säulengetragen; im oberen Stockwerke ist besonders der Saal sehenswerth,worin 4 Ansichten des Bodensees vom älteren Kunz sich befinden, diesehr schön sind. Dies Palais reicht mit den Nebengebäuden bis zumEttlinger Thore, und hinter ihm liegt ein schöner Garten, der biszum Rüppurrer Thore sich erstreckt und freundliche Parthieen hat, wieunsere Ansicht zeigt.
Vom Nondele führt die Spitalstraße gegen Osten auf den Spi-talplatz, der zum Holzmarkte dient und an dessen östlicher Seitedas städtische und Militärspital liegt.
Hinter der evangelischen Kirche liegt das Postgebäude, welchesjedoch vermöge seiner Lage und geringen Größe seiner Bestimmung nichtganz entspricht, und bald verlegt werden dürfte.
Von dem übrigen Theile der Stadt ist wenig zu berichten, dennhier werden die Gebäude niedrig, unansehnlich und endlich betreten wirKleinkarlsruhe, das früher eine eigene Gemeinde bildete, und nurdie Wohnungen von ärmeren Bürgern und Taglöhnern enthält. Ob-gleich es schon seit dreißig Jahren mit der eigentlichen Stadt ganz ver-einigt ist, so trägt es poch noch immer seinen alten Charakter, undseine Bewohner sind wegen ihrer Händelsüchtigkeit und Raufereienbekannt.
Südlich von diesem Theile Karlsruhes, am Ausgange der Wald-hornstraße, liegt der Friedhof, eher einem Garten vergleichbar, alsder Behausung des Todes; eine einfache, aber schöne Kapelle ziert ihn.Mancher wackere Mann ruht hier, wir nennen von Allen blos Win-ter, den unvergeßlichen Minister, und Stilling. Anordnungen zurHerstellung von Familiengruften werden gegenwärtig getroffen. —
Dies die Stadt in ihrem Aenßcrcn, und wir gehen nun über zuihren Bewohnern, dem Leben und der Gewcrbsthätigkeit, ehe wir denLeser außerhalb der Stadt geleiten, um sich dort umzuschauen. —
Gegenwärtig wird Karlsruhe von 23,803 Menschen bewohnt, vonwelchen 142 im Hofbezirke, 10,344 zwischen dem Durlacher Thore unddem Marktplatze, 11,070 zwischen letzterem Platze und dem MühlburgcrThore wohnen, und 2,343 Mann die Garnison der Stadt und desnahen ebenfalls zu Karlsruhe gehörenden Gottesau bilden. Hinsichtlichder Religionsverschicdenheit gibt uns blos die Zählung von 1839 nähereNotizen, damals bekannten sich nämlich von den 22,034 Einwohnernder Stadt 13,948 zur evangelischen, 7003 zur katholischen, 2 zur me-nonitischen, und 1101 zur jüdischen Religion. Sieht man auf die nachund nach erfolgte Zunahme der Bcvölkerungszahl, so betrug dieselbeim Jahre 1800 nur den dritten Theil der jetzigen, nämlich 6,936 evan-gelische, 1250 katholische und S35 jüdische, so daß in einem Zeitraumevon etwa 40 Jahren die Evangelischen und Juden in gleichem Ver-hältnisse zunahmen, nämlich um das Doppelte, die Katholiken aberum mehr als das Fünffache, was besonders daher kommt, weil in dieserZeit eine Menge katholischer Beamten nach Karlsruhe kam.
Der größte Theil dieser Bewohner gehört zur Klasse der Gewerbe-treibenden, wie es auch in Karlsruhe nicht anders möglich ist, da dieseStadt keine Gemarkung hat, und blos von der großen Anzahl derhier wohnenden Beamten und Fremden, sowie von Handel lebt. Eswerden alle möglichen Handwerke und Gewerbe hier betrieben und invielen findet man sehr tüchtige Meister. Wir nennen nur folgende:S Apotheken, 44 Bäcker, 24 Bierbrauer, 4 Bildhauer, 8 Buchdruckercien,9 Buchhändler, 10 Conditor, 17 Fabriken, 19 Goldarbeiter und Zu-