Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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varin ist besonders Hebels Denkmal, von Berkmüllcr entworfen undzu St. Blasien in Eisen gegossen, der chinesische Tempel und derPhilosophcnweg sehenswert!». Oestlich davon liegt der Fasanen-garten, worin mehrere hundert Göld- und Silberfasanen gehegtwerden, und der Großherzoglichc Küchengarten. Hinter dem Oran-geriegebäude und dem Theater befindet fich der botanische Gartenmit mehreren Treibhäusern und über 10M9 Pflanzcnarten. Unterder Leitung des trefflichen Botanikers Gmclin gelangte er zu seinerBlüthe und gehört jetzt zu den besten Pflanzengärten in Deutschland.Vor dem Schlosse liegt ein engerer freier Platz, der mit Ketten um-schlossen ist und gegen Süden die Hauptwache hat. Außerhalb desselbenbreitet fich der größere Schloßplatz aus bis zum vordern Zirkel, istmit schattigen Bäumen besetzt und hat zwei Bassin's mit Schwanen.Am südwestlichen Ende des Schlosses und an der Linkenheimer Straßesteht das große neuerbaute Akademiegebäude zur Aufnahme derGemäldegallerie und Antikensamnilung bestimmt; es enthält trefflichevon M. v. Schwindt entworfene und ausgeführte Freskogcmälde; nebendemselben befindet fich das alte Galleriegebäude.

Gehen wir von hier weiter in der Linkenheimer Straße so trittuns beim Ludwigsthore das schöne Gebäude der Kriegsschule ent-gegen, worin auch das Lokal des Generalstabs und das topographischeBureau fich befindet; vor demselben ist ein geräumiger Platz, welcherdurch ein eisernes Gitter von der Straße abgeschlossen ist. Vonhier gelangt man in die Stcphanienstraße, wo die zweckmäßig einge-richtete nach Weinbrenners Plan im Jahre 1826 erbaute Münze steht.Ihr schräg gegenüber liegt der Garten des Grafen von Langen-stein mit einem kleinen Park und schönen Anlagen; er gehörte früherdein Großhcrzoge Ludwig, ein Theil desselben wurde aber in neuesterZeit davon getrennt und ist jetzt mit Häusern überbaut. Der vordereZirkel, welcher an den Schloßplatz grenzt, hat gegen diesen eine ReiheArkaden. In ihm stehen die Kanzlei des Ministeriums des In-nern, mit dem Gcnerallandesarchiv, das Kriegs Ministerialge-bäude und die schöne im Jahre 1828 von Hübsch erbaute Finanz-kanzle i. Dieselbe bildet ein trapezartigcs Quadrat und hat 116 Zim-mer und 292 Fenster; seine Faxade gegen dqs Schloß beträgt l99,gegen die Waldhornstraße 185, gegen den innern Zirkel 235 und ge-gen die Kronenstraße 184, und seine Höhe beträgt 47 Fuß. Es istdarin Luftheizung angebracht zmd überhaupt dqs Ganze sehr schön qus-geführt.

Die lange Straße enthält die schönsten, aber auch sehr schlechteHäuser; ihr schönster und gefälligster Theil liegt westlich von derSchloßfiraßc. An ihr stehen verschiedene Gebäude, welche wir hervor-heben müssen; beün Durlacher Thore liegt das Zeughaus, mit einemgroßen Vorhofe, der durch ein hohes Gitter abgeschlossen ist, es wurde1779 erbaut und war anfangs blos für ein Jagdzeughaus bestimmt;neben ihm liegt die Kavallcriekasernc und weiter westlich dieVcterinärschule; beide sind aber nicht schön. Ein großartigesGebäude ist die polytechnische Schule, welche aus rothen Sand-steinquadern in den Jahre» 183236 von Hübsch erbaut wurde, undin der Hauptfaxade, 157' lang und 55' hoch ist. Ueber dem Portalestehen die Statuen Kepplcrs und Erwins von Steinbach, beide vonRauffer verfertigt, aber etwas steif. Die innere Einrichtung ist sehrgut und besonders das Treppenhaus sehcnswerth. Auf der nämlichenSeite, wie dieses Gebäude liegt die Synagoge, eines der erstenGebäude Weinbrenners; die Faxadc ist im morgcnländischen Styleerbaut, auf beiden Seiten des Bogcnportals erheben fich zwei Thürmeund das Innere ist ebenfalls zweckmäßig, Westlicher als diese liegt dieGarnisonskirche, ehemals die reformirtc genannt, welche mitten inder Kreuzstraßc steht, und im Jahre 1771 von Müller erbaut wurde,aber nicht schön ist und abgetragen werden sollte, da fie die Straße

! versperrt und mit den ranebenstehcnden dreistöckigen Häusern ihrerNiedrigkeit wegen in schlechtem Einklänge steht. Nur wenige Schritteweiter liegt der Marktplatz, wohl der schönste Theil Karlsruhes.Er wird von der Langen-, Schloß-, Zährtnger- und Lyceumsstraßedurchschnitten, und bildet ein längliches Viereck, dessen nördliche, demSchlosse zugewendete Hälfte für die Abhaltung des Marktes bestimmtist. Die Gebäude, welche an ihm stehen, sind meistens schön, habendrei Stockwerke und über dem rechten Geschosse ein Halbstockwerk; siesind fich ganz ähnlich. An diesem Platze liegen mehrere schöne Ge-bäude: das Eck der Schloß- und langen Straße bildet das Gasthauszum englischen Hof; die Buchhandlungen von Bielefeld, und Creuzbauerund Nöldecke, von welchen besonders die erstere herrlich eingerichtet ist,liegen fich gerade gegenüber, und in der Mitte befindet fich eine sehrkleine, durch die ringsumstehenden hohen Gebäude fast zur Ironiewerdende Pyramide, unter welcher die Gebeine des Gründers vonKarlsruhe beigesetzt find; die Pyramide trägt die Inschrift:Hier, woMarkgraf Karl einst im Schatten des Hardtwalves Ruhe suchte, unddie Stadt sich erbaute, die seinen Namen bewahrt; auf der Stätte,wo er die letzte Ruhe fand, weiht ihm dieses Denkmal, die seine Ascheverschließt, in dankbarer Erinnerung Ludwig Wilhelm August," Inder Mitte zwischen dem nördlichen und südlichen Theile dieses öffent-lichen Platzes wird der Raum enger, denn die evangelische Stadtkircheund das Rathhaus treten etwas vor, und zwischen diesen steht auf einemBrunnen die Bildsäule des Großherzogs Ludwig. Die evangelischeStadtkirche wurde im Jahre 1897 pon Weinbrenner erbaut, und ist imrömischen Style aufgeführt. Das Fronton ruht auf sechs korinthischenSäulen, im Innern der Kirche find zwei Emporbühnen, die zwischen12 Säulen der gleichen Ordnung angebracht find. Auf beiden Seitendes Altars stehen zwei, von Ohnmacht verfertigte, Statuen, das Al-tarblatt, welches die Himmelfahrt Christi vorstellt, ist von Jagemanngemalt, aber nicht zu loben, Schöner find die Zeichnungen Feodors,welche von ihm und Zoll in den Seitengallerien grau in Grau aus-geführt find. Der Thurm dieser Kirche ist viereckig aber nicht schön;unter demselben befindet sich die neue Fürstcngruft. Im Allgemeinenfindet diese Kirche vielen Tadel, denn fie ist zu schmal und auf beidenSeiten find die Lyzcumsgebäude angebaut. Von demselben Baumeisterwurde im I. 1821 das Rathhaus aufgeführt, das breit und hoch ist,aber fich zu wenig aus dem Boden erhebe. Es hat drei Stockwerke,drei Höfe und bildet ein ganzes Quadrat; im Hinteren Theile erhebtsich ein ziemlich hoher, viereckiger Thurm, worin fich die Gefängnissebefinden. In diesem Gebäude haben die städtischen Stellen ihre Lokale,ebenso das Polizeiamt, Stfldtamt, Stadtamtsrevisorat, die Haupt-wache, das Auditorat, Leihhaus, die Mchlwage, das Hauptstcueramt,Lagerhaus u. A. Gehen wir auf rer langen Straße weiter, so tre-ten uns nun schon höhere und schönere Gebäude entgegen, wie dasKusel'sche und Habcr'sche. Rechts liegt iin Eck der Rittcrstraße dasMuseum, ebenfalls von Weinbrenner erbaut. Es hat drei Stockwerke,und ist ziemlich groß; im Erdgeschosse liegen die Wirthschafts- undGesellschaftszimmer, im zweiten Stockwerke die Lesezimmer und derschöne Saal mit 18 Kronleuchtern, und im dritten Geschosse befindet sichdie Bibliothek und die Wohnungen für den Restaurateur und Haus-meister. Dem Museum gegenüber liegt das Gasthaus zum Erbprinzen.Weiter gegen Weste» steht als Eckhaus der laugen und Herrenstraßedas Höber'sche Haus, wohl das schönste Gebäude Karlsruhes, vonFischer erbaut. Die Jnfqnteriekaserne wird von einem durch Kettenumgebenen freien Platz von der Straße getrennt, und wurde vonWeinbrcnner erbaut; sie ist drei Stockwerke hoch, bildet zwei Quadrate,die zusammengebaut sind und hat zwei Höfe, von welchen der nördlichegegen die Straße hin offen ist. Der Kaserne gegenüber liegt der schonerwähnte Garten des Grafen von Langenstein. Von den westlicher