M a r l s r n h e.
B e sch r
Karlsruhe, die Haupt- und Residenzstadt des GroßherzogthumsBaden liegt unter 49° 34" nördlicher Breite und 6° 4' 4" östlicherLänge, 39l Fuß über d. Meere in einer Sandfläche, welche westlichvom Rheine begrenzt wird, östlich bis zu den Vorbügeln des Schwarz-waldes reicht und gegen Süd und Nord vom Hardtwalde bedeckt ist.Kein Fluß durchströmt diese Ebene, nur die Alb wälzt ihr wenigesWasser, südlich von Karlsruhe, langsam gegen den Rhein und sendeteinen kleinen Arm in den trägen und übelriechenden Landgrabendurch die Stadt. Der äußere Anblick Karlsruhes ist von drei Seitendurch Bäume ziemlich beschränkt, und nur vom Rheine her ist er freier;aber nicht großartig erscheint hier die Stadt, denn es fehlen ihr hoheThürme und sie selbst liegt niedriger als die umliegenden Orte. DieNatur hat sie nicht reich bedacht und nur mühesam ersetzt die Kunst,was jene versagt hat; doch find die Anlagen gegen Mühlburg und dasWäldchen gegen Beiertheim und Rüppurr freundliche Punkte, welchewie ein liebliches Eiland in der Sandebene sich erheben. Gewiß hättekein ungünstigerer Ort für die Residenzstadt eines Landes gewählt wer-den können, es ist aber auch anzuerkennen, daß Alles von den hoch-herzigen Regenten Badens aufgeboten wurde, um den ursprünglichenFehler wieder gut zu machen und die Stadt in jeglicher Beziehung zuverschönern und zu heben.
Karlsruhe ist in Form eines Fächers erbaut, und seine Strahlengehen vom Bleithnrme hinter dem Schlosse aus, von welchen eilf durchdie Straßen der Stadt gebildet werden, während die übrigen einund-zwanzig den Hardtwald nach West, Nord und Ost durchschneiden. Esgewährt deshalb einen schönen Anblick, wenn man auf dem Bleithurmesteht, und in alle Straßen der Stadt hineinsieht; doch läßt sich dieselbevom Nathhausthurmc viel besser überschauen, weil man mitten in ihrsteht, und das geschäftige Treiben in den Straßen unter sich sieht, wäh-rend der Bleithurm außerhalb der Stadt liegt und also mehr eineFernsicht darbietet. Von den sieben Thoren find blos sechs für dasPublikum geöffnet, das siebente, gewöhnlich das eiserne genannt,führt von Norden in den Schloßgartcn. Von Ost gelangt man durchdas in altfranzösischcm Stple von Müller aufgeführte DurlacherThor mit ionischen Säulen und zierlichem Eisenwerk in die Stadt;von den gegen Süd gerichteten, ist das Rüppurrer Thor noch nichtausgeführt, das Ettlinger Thor, von Weinbrenner im Jahre IS03erbaut, liegt dem Schlosse gerade gegenüber, und ist zugleich Denkmaldes Anfalles der Rheinpfalz an Baden, worauf sich auch die Figurenauf dem Frontispice beziehen; das Karlsthor, nach Hübsch.'s Planerrichtet, ist einfach und schön, ebenso das Mühlburger Thor, wel-ches gegen den Rhein gewendet ist; das Ludwigsthor besteht auseinfachem Gittcrwerke. Von den zwölf Straßen, welche als die Strah-len des Fächers nach Südwest, Süd und Südost gehen, bildet dieSchloßstraße die mittlere, und führt auf das Ettlinger Thor. Sietheilt Karlsruhe in die östliche und westliche Hälfte, und wird durch
i b u n g.
die eine halbe Stunde lange Haupt- oder lange Straße quer durch-schnitten. Im Ganzen hat Karlsruhe 36 Straßen mit l323 Häusern;sonst liegen aber noch außerhalb der Thore 38 Häuser; über KKHäufergehören dem Staate oder der Stadt. Durch ihre Länge und Breitezeichnet sich die lange Straße vor den übrigen aus, sämmtlicheHäuser in derselben dürfen seit einiger Zeit nur dreistöckig erbaut wer-den; sie ist aber dessen ungeachtet nicht die schönste, weil noch zu vielekleine und unansehnliche Gebäude darin stehen. Im Allgemeinen istder westlichere Theil der Stadt viel schöner und geschmackvoller gebaut,als der östliche, wo sehr viele alte und kleine Gebäude sich befinden.Außer der langen Straße sind vorzüglich bcmcrkcnswerth die Schloß-,Stephanien-, Amalien-, Karls-, Akademie- und Erbprin-zenstraße, deren Häuser meistens in der jüngsten Zeit entstanden.Neue Straßen sind im südwestlichen Theile Karlsruhes projcctirt unddie älteren werden dort verlängert, überhaupt nimmt diese Stadtblos in jener Richtung zu, obgleich die Rcgicrungs- und Kanzleige-bäude meistens im nordöstlichen Theile derselben liegen; doch dürftedie Bollendung der Eisenbahn auch vor dem Ettlinger Thore neueBauten entstehen lassen. Alle Straßen sind gerade, breit, gepflastert,reinlich und zweckmäßig beleuchtet; es herrscht aber in denselben fastbeständig ein Zugwind, welcher einen feinen Staub aufweht, der denAugen und der Brust sehr schädlich ist.
So die allgemeine Lage der Stadt und ihre Straßen. Gehen wirnun zur nähern Beschreibung über, so beginnen wir billig mit demSchlosse, welches nördlich von derselben liegt und ziemlich groß ist.Es wurde im Jahre l7öl auf den Grundmauern des früheren erbaut,und ist drei Stockwerke hoch; seine beiden Seitenflügel lehnen sich instumpfen Winkeln an dasselbe, haben aber nur zwei Stockwerke undeine Reihe Mansarden; hinter ihm erhebt sich der Bleithurm, wel-cher noch von dem früheren Schlosse herrührt. Im Schlosse selbst sindder Spiegelsaal und der Marmorsaal sehenswerth. Im östlichen Flü-gel desselben ist die kleine aber freundliche Schloßkapclle, nebendaran in einem Seitengebäude befindet sich das Naturalienkabinet,welches nicht unbedeutend ist, und die Hofbibliothek, mit welcherdie Büchcrsammlungen der aufgehobenen badischen Klöster vereinigtworden sind; und an dieses Gebäude stößt der Großherzogliche Mär-st all mit den nöthigen Remisen und der Reitbahn. Westlich vomSchlosse stehen die Orangerie-Gebäude, in deren mittlerem derEingang zum Hoftheater ist. Dieses wurde im I. 1807 von Wein-brcnner erbaut, es fehlt aber noch immer die vordere Fa^ade. Dieinnere Einrichtung ist gut und zweckmäßig; das Auditorium ist 8ö Schuhehoch, Kl) Schuh tief und hat Raum für etwa zweitausend Personen;die Scene ist 48 Fuß breit und der Dachstuhl hat keine Längenverbin-dungen. Die gewöhnlichen Spieltage sind der Sonntag, Dienstag undDonnerstag. Hinter dem Schlosse liegt der ziemlich große Schloßgar -ten mit schönen Anlagen; er ist haldrund und eines Besuches würdig