ungeachtet wußte Egon es dahin zu bringen, dass ihm Neichspfän-dungcn und Achtserklärungcn gegen die Stadt und die Gräfin verab-folgt wurden; doch kamen solche nicht zur Ausführung, weil die Grä-fin Klara gegen eine Geldentschädigung auf den Besitz der Stadt ver-zichtete. Auf solche Weise hatte also 'Freiburg einen Herrn erhalten,der ihr aufgedrungen war, und schon deßhalb ihren Widerwillen er-regen mußte. Weil der Graf neue Schulden machte, verbot der Stadt-rath dem Bürgermeister ein Gesuch des Grafen um Bürgschaft, Ver-pfändung oder Verkauf herrschaftlicher Güter vorzutragen, und da-durch wurde» beide Theile nicht wenig gereizt, doch kam es noch nichtzu Thätlichkeiten und die Stadt vertraute auf ihre Verbindungen. Aberder Graf suchte durch List in den Besitz der Stadt zu gelangen, undverband sich heimlich mit mehreren Fürsten und Edlen. Da wurde dieStadt durch einen ausgewiesenen Bettler gewarnt, und es ertönte dieSturmglocke, als die Feinde eben heranzogen; als sie aber diese ver-nahmen, kehrten sie wieder um.
Wegen solchen Verraths erhoben sich die Bürger voll Erbitterungund zerstörten zuerst das Schloß oberhalb der Stadt; dann zogen sieauch vor das Schloß Weiher bei Emmendingen; es mehrte sich aberdes Grase» Macht, während die Frciburger Endingen stürmte». DerGraf überfiel nun am 18. Oktober 1367 die Bürger vor Endingen,welche 300 Speere und 5000 Gewaffuete zählten, und schlug dieselbenin die Flucht; über tausend Freiburger fiele», vierhundert wurden inden Rhein getrieben und gegen dreihundert gefangen.
Groß war über solchen Verlust die Trauer in Feiburg, aber dessen-ungeachtet blieb die Stadt muthig, rüstete sich aufs Neue und warbnahen und fernen Adel für seine Dienste. Auf solche Weise kehrte dasalte Ansehen zurück, und nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen,sich der Stadt zu bemächtigen, fühlte der Graf seine Ohnmacht zusehr, so daß er Unterhandlungen begann, die endlich auch zu einemvölligen Vergleiche führten. Die Stadt Freiburg kaufte nämlich dieBurg und Herrschaft Badenwciler, und gab diese nebst einer Summevon 15000 Mark Silber am 30. Mär; 1368 dem Grafen, der bei die-ser Gelegenheit noch weitere 5000 Mark für die Auslösung der ge-fangenen Bürger und Bundesgenossen erhielt, wogegen sie jedoch jetztvom Grafen ledig und frei wär, aber innerhalb sechs Monaten einemneuen Herrn sich unterwerfen mußte. —
Das Haus Habsburg, das längst seine Hand nach dem reichenBrcisgauc ausstreckte, wandte alsbald seinen Augenmerk auf Freiburg,und fand Hände genug, die für sein Interesse thätig waren. Auf solchePraktiken geschah es denn, daß sich die Stadt am 23 Juui^ 1368 andas ErzHaus freiwillig übergab, und bald darauf kam an dasselbe auchdas übrige Breisgau. —
Bei solchen Veränderungen und Verhältnissen mußte natürlicher-weise die kräftige und schöne Zeit Frciburgs vorüber sein, und sie ge-rietst in große Schuldenlast, während ihre edelsten Söhne im Diensteihrer Dränger, namentlich in der Schlacht bei Sempach, gefalle» wa-ren. Dort that sich besonders Mariin Maltcrer ans Frciburg vor,der mit seinem Leibe des Herzogs Leichnam schützte und mit dem Ban-ner von Freiburg ehrenvoll fiel. Bald darauf ging auch das Ge-schlecht der Grafen von Freiburg zu Ende, weshalb wir noch kurzdesselben gedenken. Auf den Grafen Egon iv, dessen wir oben ge-dachten, folgte im Jahre 1386 sein Sohn Konrad lil Dieser ver-kaufte die Herrschaft Badenweiler an den Herzog von Oesterreich, undverminderte so das Vermögen seines Geschlechtes, das endlich imJahre 1457 mit seinem Sohne Johann erlosch. —
Judessen hatte die Stadt mancherlei Schicksale zu bestehen. Weilnämlich Herzog Friedrich von Oesterreich dem entsetzten Papste Jo-hann XXlll. in Freibnrg und andern Städten eine Zufluchtsstätteans einige Wochen gegeben hatte, so wurde er in die Reichsacht er-klärt, und Freiburg schwur am 15. Mai 1415 dem Reiche. HerzogFriedrich kam aber bald wieder zu Gnaden und am >0. November>427 huldigte ihm Freibnrg zum zweitcnmale, nachdem mehrere herr-schaftliche Gefalle vom Kaiser verpfändet und die Einnahmen derStadt bedeutend gemindert worden waren.
Wenn auch im Allgemeinen die Erzherzoge von Oesterreich dasFortblühen der Stadt gehemmt und für immer vernichtet hatten, sohaben doch einzelne Glieder dieses Hauses auch wieder gute Einrich-tungen hervorgerufen. Solches that besonders Albert vi. indem erdie Universität gründete, welche unter mannichfachen Schicksalen sich bisin die neueste Zeit erhalten hat. Einen nur kurzen Bestand hattendagegen die Einrichtungen, welche der Erzherzog im städtischen Ge-meinwesen traf. Er hob nämlich die Zünfte ein, theilte die Stadt insechs Bezirke ein und setzte die Zahl der Nechtsglieder auf vier undzwanzig herab; doch hatte diese Einrichtung nur eine Dauer von fünfJahren. —
Die Stadt war zwar schon mehrmals verpfändet worden, aberErzherzog Siegmund gab dieselbe im Jahre 1468 mit seinen sämmt-lichen Lande» im Elsaß, Sundgau, Breisgau und aus dem Schwarz-walde um 80,000 Gulden an den Herzog Karl den Kühnen von Bur-gund, ohne nur die Wiedcreinlösung zu bedingen. Ursache dieser Ver-pfändung war seine große Schuldenlast, so wie sein Haß gegen die
Schweizer. Frciburg huldigte auf dem Tage zu Ensisheim und Petervon Hagenbach, ein ausschweifender, harter Mann wurde zum Vogtgemacht. Da kamen bald eine Menge von Klagen und Beschwerdenüber den Landvogt an den Erzherzog, der jedoch dagegen nichts zuthun wagte, bis endlich die Städte Basel, Kolmar, Schlettstavt undStraßburg sich verbanden und den Pfandschilling für das verpfändeteLand zu Basel niederlegten. Aber Karl der Kühne wollte diese Be-sitzungen nicht herausgeben, und sein Landvogt zog in Breisach ein,um diesen Schlüssel Deutschlands für den Herzog zu schützen. Als ersich bald darauf wieder neue Ausschweifungen erlaubte, erhoben sichdie Bürger und nahmen den Landvogt gefangen, der sodann auf desErzherzogs Befehl vor ein Geschwornen-Gericht gestellt und enthauptetwurde. Darüber erbittert grisi der Herzog von Burgund zu denWagen und begann einen Krieg, wo die Schlachttage bei Gransonund Murten vorsielen und er selbst im Jahre 1477 in der Schlachtbei Nancp fiel. Die Freiburger haben in allen diesen Kämpfen ruhm-voll gefochten, und Veit Weber aus Freiburg ihre Thaten in herr-lichen Liedern gepriesen.
Nach solcher Treue, welche Freiburg dem ErzHause bewiesen, hättedie Stadt wohl auf Dank zählen dürfen, es wurde ihr aber nurschlecht gelohnt. Erzherzog Siegmund suchte diese Lande abermals anden Meistbietenden loszuschlagen , und schon hatten die Herzoge Albertund Georg von Baieru Lust, die Pfandschaft zu übernehmen, als Kö-nig Maximilian eine» Gesandten an die Stadt schickte und sie crmahnte,sie möge mit dem übrigen Lande an den König halten und sich jederVerpfändung widersetzen. Daher huldigten ihni auch Stadt und Landam 31. Mai 1400 und Maximilian suchte jetzt vor Allem Freiburg vonder großen Schuldeulast zu befreien und ihr zerrüttetes Gcmeindewcseuwieder zu heben. In der nämlichen Absicht wühlte er auch Frciburgim Jahre 1403 zu dem Orte für den Reichstag zur Einleitung desSchweizcrfriedcns, und gab der Stadt das Recht, goldene.Münze»nach den Rechten der Churfürsten zu prägen. —
Die ersten Jahrzehnte des sechszehuten Jahrhunderts riefen man-cherlei Bewegungen in Deutschland hervor, die auch Freiburg trafen.Es hatte nämlich im Jahre >513 Joß Fritz im nahen Dorfe Lehen dieFunken des Aufruhres unter dem Landvolke zu verbreite» begonnen undsich im Stillen Anhänger gesammelt. Bereits hatten die Verschwore-nen ihre Artikel berathen und die Verschwörung sollte zum Ausbrnchekommen, als der Markgraf von Bade» und die Stadt Freiburg Kundedavon erhielten, die Schuldigen verhafteten und strena bestraften,während Joß Fritz entkam. Auf solche Art ging diese Gefahr ruhigvorüber.
Um dieselbe Zeit (1520) wurde die städtische Verfassung durchden berühmten Ulrich Zasius von Cvnstanz umgeändert, was von nichtgeringer Bedeutung für die Stadt war. —
Jetzt brach auf einmal der Bauernkrieg aus, wovon obiges Er-eigniß schon ein Vorbote gewesen war. Im Jahre 1524 zogen großeHaufen von Bauern von Stühlingen und aus dem Klekgaue überden Schwarzwald herab nach dem Brcisgan und Kaiserstuhl, setzte»Alles in Bewegung und verkündigten göttliches und menschliches Recht.Sie zerstörten und brannten Schlösser, Klöster und Dörfer nieder,und hausten überall aufs Uebelste. Also kamen sie auch, mehr als20,000 Köpfe zählend, vor Frciburg, nahmen das Blockhaus auf demSchloßberge und feuerten mit Hackenbüchsen und Feldschlangen herabin die Stadt. Bald begannen Unterhandlungen, denn die Bauerndrohten Freiburg zu verheere» , auch sah man schon geheime Abgeord-nete der Bauern in die Häuser schleichen und Unzufriedene sich zusam-menschaarcn. Man beschloß also, dem Dränge der Umstände zu folgen,den Aufrührern 3000 fl. als Brandschätzung zu geben und denselbeneiniges schweres Geschütz zu leihen. Dadurch bewogen sie die Bau-ern, weiter zu ziehe», worauf Freibnrg sich schnell sammelte, sechshun-dert Knechte in ibre Dienste nahm, das Geschütz zurückrief und sichendlich von den Bauern ganz lossagte. Der Kampf endete mit derNiederlage der Aufrührer und es begann nun ein furchtbares Hin-schlachten und Morde» der Laudlcutc, die doch nichts Anderes zumAnfstandc bewogen hatte, als der übermäßige Druck ihrer Herren;Freiburg gehörte jedoch zu denjenigen, die bei der Bestrafung der Em-pörer am mildesten verfuhren.
Als die Reformation in Deutschland Eingang fand, mußte sichdie Stadt, als dem ErzHause angehörend, von jeder Neuerung i»Glaubenssachen entfernt halten; bald ließ mau es aber nicht mehrdabei bewenden, cS wurden die verdächtigen Bücher auf dem Münster-Platze verbrannt, mehrere Geistliche und Laien gerichtlich verfolgt, ei-nige Universitätslehrer mit dem Banne belegt, und selbst a» Hinrich-tungen wegen des Glaubens fehlte es nicht. Dazu kam endlich noch,daß im Jahre 1620 die Jesuiten in Freiburg eingeführt wurden, undvor ihnen jeder freiere Geist verschwand.
Jetzt wälzte sich auch der dreißigjährige Krieg in diese Gegend,und am 19. Dezember 1632 erschienen, wiewohl vergebens, die Feindezum Erstenmale vor der Stadt. Aber am 26. December kamen siewieder, und Obrist Bernhard Schaffalitzki fordete Freiburg im Namendes Fcldmarschalls Horn zur Uebergabc auf. Die Stadt suchte sich zu