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Die Ebene vor dem Eingange in den Schwarzwald durch dasHöllenthal und die Vorhügel dieses Gebirges waren gewiß schon in derfrühesten Urzeit bewohnt, und die Kelten hatten an verschiedenen OrtenNiederlassungen. Solche waren gewiß das jetzige Zarten, so wie an-dere Dörfer in der Nähe von Frciburg, und die Römer, welche denEingang zum Höllenpaß so gut benutzten, indem sie sich in Tarodu-num HZarten) niederließen, benutzten wohl auch den Schloßberg zueiner Warte, welche mit dem alten Breisach in Verbindung stand, daman diese Stadt von dem erwähnten Berge aus zu sehen vermag.Wo aber jetzt Freiburg steht, war jedenfalls im Anfange des eilftenJahrhunderts weder ein Dorf, noch ein Hof gestanden, denn sonsthätte dessen in der Urkunde vom Jahre >008 gedacht werden müssen,da darin Kaiser Heinrich II. dem Bischöfe Adalbero von Basel denWildbann im Brcisgau verlieh, und die Gränze desselben von Uff-hausen und Adelhauseu nach Wühre und von da nach Zähringen zog,also gerade über den Platz, worauf jetzt die Stadt erbaut ist. GegenEnde des eilften Jahrhunderts scheine» sich erst einige Jäger und Fi-scher hier angesiedelt und dadurch die Ursache zur Gründung einesOrtes gegeben zu haben; auch meldet Albertus Argcntinensis in seinerChronik, daß ein Herzog von Zähringcn einst von seinem Schwager,dem Herrn von Khburg, die Erlaubniß erhalten habe, auf dem Schloß-berge ein Jagdhaus zu erbauen. Diese Nachricht entbehrt freilich derBegründung, an die erwähnte Art der Entstehung Frciburgs erinnernaber jetzt noch die alten Gassenbczeichnungen Egclgasse, Wolfs-höhle u. dgl. Auf dem Schloßbergc erhob sieb jedenfalls zuerst eineBurg, und unterhalb derselben bildete sich nach und nach ein Dorfheran, bis dasselbe in eine Stadt umgewandelt wurde. Gegen Endedes eilften Jahrhunderts hatte nämlich Herzog Berthvld II. das SchloßZähringen gegründet und zu seiner Wohnstättc gemacht. Sein SohnBerthoid III , dessen Regierung in noch unruhige Zeiten fiel, hattemehrere Feldzüge gemacht, und dabei das schöne Stadlwcscu zu Kölnkennen gelernt. Eine ähnliche Stadt wünschte er auch am Oberrhcinentstehen zu sehen, und faßte somit den Entschluß, eine freie Rieder-lags- und Handelsstadt zu gründen. Hierzu erlas er sich die Ansied-lung unterhalb des Schloßbcrgcs, und erhob im Jahre 1120 das bis-herige Dorf zu einer wirklichen Stadt. Sein Bruder und NachfolgerÄonrad übergab der neuen Stadt in einer Urkunde die Grundzüge desstädtischen Gemeinwesens, und Kaiser Heinrich V. ertheilte derselbenseine Zustimmung. Auf solche Weise gehörte also Freiburg zu denersten Städten, welche eine feste und geregelte Vcrfaßung erhieltenund dadurch bald zu kräftigerer Blüthe gelangten. Herzog Äonradsorgte auch für das äußere Ansehen der neuen Stadt und faßte denPlan zum Münster, das er begann und so weit fortführte, daß schonim Jahre 1146 der heil. Beruhard darin predigen und zur Annahmedes Kreuzes auffordern konnte. Auch die übrigen Herzoge von Zäh-ringen pflegten die Künste des Friedens, legten mehrere Städte an,und sorgten auf jegliche Weise für deren Emporkommen. Nachdemaber Herzog Berthold V. auf dem Schlosse zu Frciburg am 14. Februar>218 verstorben und im Munster begraben worden war, wurde dasErbe dieses Geschlechtes vielfach zerstückelt, und die Stadt Freiburgals vorgebliches Rcichslehen zum Reiche gezogen. Erst im folgendenJahre gab der Kaiser diese Stadt, nebst den zähringischcn Landen inSchwaben und auf dem Schwarzwaldc an Egon I. Graf von Hvhcn-llrach, der sich mit des Herzogs Bcrthold V. Schwester Agnes ver-mählt hatte. Er zog jetzt nach Freiburg, aber erst sein Sohn Egon II.schrieb sich davon, und erbaute daö feste Schloß Bnrghalden, um dieStadt besser im Zaume hallen zu können. Jetzt erhob sich Freiburgmehr und mehr, und gewann Kraft und Ansehen; wie jedoch ander-wärts, so entstanden auch hier im dreizehnten Jahrhundert innere Be-wegungen, und es erhoben sich Beschwerden über willkührliche Ge-schäftsführung des Rathes und die Verwaltung des Gemeindevermö-gcus. Um die dadurch gestörte Eintracht wieder zu heben, versam-melte sich nun im Mai des Jahres 1248 die gesammte Bürgerschaftauf dem Platze vor dem Münster, und beschloß, daß in Zukunft »ebendem auf Lebenszeit ernannten alten Rathe der Vicrundzwanzig eingleich starker junger Rath gewählt werde, der jährlich wieder neuzu wählen seie. So wie der ältere Rath aus den Geschlechtern ge-wählt wurde, so sollte dagegen der jüngere aus acht Edlen, achtKaufleuten und acht Handwerkern bestehen, welche zusammen mit demalten Rathe, dem noch die Justiz allein verblieb, die oberste Verwal-tungsbehörde bildeten; auch ein Ausschuß von vier Nathmanuen wurdeernannt. Daß diese neuen Einrichtungen nun wohlthätig wirken konn-ten, läßt sich leicht ermessen; die nächste Zeit rief jedoch noch manchesAndere in'S Leben. Gegen Ende des nämlichen Jahrhunderts tretennämlich die Zünfte, eine militärisch-politische Einrichtung, hervor,welche im Jahre >293 als >8 Abtheilungen organisirt erscheinen, undan ihrer Spitze >3 Zunftmeister hatten, die wieder einem Obristmeister
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untergeordnet waren. An der Spitze der Rechtspflege stand derSchultheiß, während der Obristmeister das Kriegswesen und der Bür-germeister die Verwaltung leitete. Dadurch verschwand wieder derAusschuß der vier Nathmannen, die übrigen Stadtvorsteherämter blie-ben aber bis in die neuste Zeit in Kraft. Auf solche Weise entwickeltesich das Frciburgcr Gemeinwesen zu größerer Blüthe, die alten Ge-schlechter wurde» in ihren Anmaßungen beschränkt, und zwei unddreißig Städte am Rhein, im Schwarzwald und in Schwaben nahmenFrciburg als ihren Obcrhof an.
Bis daher stand die Stadt mit ihren Grafen in gutem Einver-nehmen und half ihnen bei verschiedenen Fehden; bald aber kam eszu Mißverständnissen und endlich gar zu offenen Feindseligkeiten.Frciburg hatte nämlich den schwer verschuldeten Grafen außer demHofstaatziuse noch 200 Mark Silber als jährliche Steuer vcrwilligt,womit aber die Grafen noch nicht zufrieden waren und neue Eingriffein die Rechte der Stadt machten, so daß deren Bürger zu den Waffengriffen und die Burg Zähringen zerstörten. Jetzt suchte Kaiser Rudolphzu vermitteln, und die Stadt verstand sich auch zu einigen Gewäh-rungen an die Grafen; diese veranlaßten aber bald wieder neueBeschwerden, und so griffen die Städter zum zwcitenmalc zu denWaffen und zerstörten das EchGß Bnrghalden. Nun wollte HerzogFriedrich von Lothringen als «chicdsrichtcr auftreten, wurde jedochvon der Stadt nicht angenommen, weil seine Tochter an des GrafenSohn Konrad vermählt war; weshalb der Herzog im Jahre 1296Fehde verkündigte. Drei Jahre später zog nun Graf Egon III. selbstvor Frciburg, konnte aber die Bürger nicht verhindern, einige kühneAusfälle zu machen, bei welcher Gelegenheit ein Freiburger" Metzgerden Bischof von Straßburg, Konrad von Lichtenberg, der deS GrafenSchwager war, erschlug. Jetzt zogen sich die Feinde zurück, und zer-streuten sich; die Stadt setzle, zum Andenken an die Stelle, wo derBischof fiel, ei» steinernes Kreuz und im nächsten Jahre kam endlichein Vergleich zu Stande, worin die Vtadt den Grafen mehrere Zuge-ständnisse machte, nämlich ihnen 17 Jahre lang 300 Mark Silber alsSteuer zu bezahlen, wogegen sie daö Recht erhielt, das Weinumgeldwährend dieser Zeit und noch 17 Jahre später zu beziehen, und dieGrafen sich verbindlich machten, die Stadt nicht mehr zu bekämpfen.Dadurch wurde aber das Ansehen der Grafen sehr geschwächt, währendsich das der Stadt so vermehrte, daß sich selbst die Markgrafen Hein-rich und Rudolph von Hochberg um das Bürgerrecht derselben bewar-ben.! Unterdessen starb Graf Egon III. im Jahre 13>6, der sich nur150 Mark Silber aus den Einkünfte» Frciburgs vorbehalten und be-reits im Jahre >315 die Herrschaft seinem Sohne Konrad II. überge-ben hatte. Im I. 1316 wählten schon die Nathsglieder den Bür-germeister und die Zünfte ihre Zunftmeister, so daß dem Grafen nurnoch daö Bcstätigungsrecht verblieb, auf das man ohnehin nicht achtete.Während die Grafen immer schwächer wurde», suchte Freiburg ihreRechte noch zu vermehren, und erkaufte sich im Jahre >327 um dieSumme von viertausend Mark Silber von ihren Herren das urkund-liche Gelöbniß, daß dieselben nichts mehr von ihren Gütern veräußern,oder an der Herrschaft ändern, keine ihrer Töchter vcrheirathcn odereinen Krieg führen wollten, ohne Wissen und Willen des Raths zuFreiburg. Dabei erhielten die Bürger die freie Erlaubniß, sich mitJedermann zu verbinden, ferner die Münze in ihrer Gewalt zu ha-ben, und sollte dies nicht gehalten werde», so feie die Herrschaft vonFreiburg ganz und gar den Bürgern ledig und hcimgefallen, und diesekönne» sich einen beliebige» Herr» wählen.
Von allen diesen Rechten war für die Stadt keines von größererWichtigkeit, als die unbeschränkte Freiheit, Bündnisse zu schließen.Bald machte sie auch davon reichlichen Gebrauch und verband sich nichtblos mit nahen und fernen Städten, sonder» auch mit den Markgra-fen von Hochberg und anderen Grafen und Edlen. Dadurch wuchsihre Stärke, ihr Ansehen, Handel und Gewerbe blüthen, der bürger-liche Meistergesang begann sich zu entwickeln, und die Sage verlegtin dieselbe Zeit die Erfindung des Schießpulvcrs durch den FreiburgerFranziskaner Berthold Schwarz. Auch in äußerer Hinsicht nahm dieStadt zu: mehrere Vorstädte bildeten sich, und diese erhielten imJahre 1339 durch Kaiser Ludwig die gleichen Rechte der Altstadt, wo-rin jetzt die meisten adeligen Familien des Breisgaues sich nieder-ließen.
Graf Konrad II. bestätigte der Stadt Freiburg das Münzrcchtund andere Gerechtsame und Freiheiten, da er aber zu viele Verkäufeund Verpfändungen einging, so sank er sehr in der Achtung der Bür-ger, auch kam unter ihm eine schreckliche Judenverfolgung vor. Aufihn folgte im Jahre 1350 sein Sohn Friedrich, der jedoch schon fünfJahre später starb, ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen. SeinHalbbruder Egon IV. folgte ihm nun, vertragsmäßig fiel aber dieStadt an Friedrichs Tochter Klara, Pfalzgräfin von Tübingen. Dessen-