Erst mit der Aufhebung der Jesuiten im Jahre 1773 traten wiederbessere Aussichten ein, die Kaiserin Maria Theresia vermehrte die Ein-künfte der Universität, wodurch verschiedene Anstalten derselben einebessere Einrichtung erhielten, und Kaiser Joseph förderte das freieAufblühen der Wissenschaften aufs Beste, und stellte sogar einen Pro-testanten als Lehrer an. Aber leider wurde diese Anstalt durch diefranzösische Revolution und die darauf folgenden Ereignisse wieder hartbetroffen und aller ihrer überrheinischen Besitzungen beraubt; dazukam noch, daß der Mönchsgeist sich wieder neu erhob und die Prälatender vorderösterreichischen Stände dahin wirkten, daß die theologischeund philosophische Fakultät den Benediktinern übergeben würden. Glück-licherweise erfuhr die Universität noch früh genug, was ihr drohe,schickte eine Addresse an den Kaiser und hintertrieb den gefürchtetenSchlag; und jetzt begann sie wieder sich zu heben und neu aufzublühen.Die theologische Fakultät schritt ermunternd voran, und namentlich wirk-ten in ihr die Professoren Klüpfel, Dannenmayer, Riegger, Sauterund Schinzinger für Aufklärung und Wissenschaftlichkeit, während auchdie übrigen Fakultäten einige tüchtige Männer aufzuweisen hatten. Untersolchen "Umständen fiel die Universität an Baden und erhielt nicht nureine bessere Dotation, sonder» auch noch andere Bortheile und Be-günstigungen. Zwar verbreitete sich im Jahre 1817 das Gerücht, dieUniversität solle aufgehoben werden, es wurde aber durch die Verfas-sung ihr Fortbestand bestätigt, und Großherzog Ludwig, den sie alsihren zweiten Stifter verehrt, suchte ihre Blüthe zu fördern. ImJahre 1829 wurde auch ein philologisches Scminarium errichtet, dieverschiedenen Sammlungen vermehrt und die Dotation noch bedeutenderhöht. Dabei wirkten jetzt wieder vortreffliche Lehrer an der Univer-sität, und die Namen von Bcck, Duttlinger, Ecker, Baumgärtner,Frommherz, Hug, Leukart, Mertens. Münch, Werber, Zell haben einenguten Klang erhalten, während Rotteck und Welcker selbst über demOcean eine seltene Berühmtheit erlangt haben. Gegenwärtig bestehenfür die Anstalt 48 Studienstiftungen mit 81 Plätzen und einem Kapi-talfond von 479,399 fl; es sind 27 ordentliche. 4 außerordentlicheProfessoren, 1 Prosektor, 6 Privatdocenten und 6 Lehrer und Ererci-tienmeister an der Anstalt thätig, und im Sommer l84l zählte man288 Studirende, von welchen 89 dem Auslande angehörten. Am stärk-sten ist die theologische Fakultät, die 194 Studirende zählt. In neue-rer Zeit hat man das theologische "Seminarium nach St. Peter ver-legt, und im bisherigen Seminariumsgebäude ein Confikt für Theolo-gen errichtet. Die Universität hat eineBibliothek, welche etwa 129,999Bücher und 599 Handschriften besitzt, an neueren Werken aber nochnicht sehr reich ist. Das Naturalienkabinet wurde erst unter KaiserJoseph il. angelegt, aber durch die Sammlungen aus St. Blasien, sowievon Ecker und Pfarrer Martin von Eichsel bedeutend vermehrt. In neue-rer Zeit entstanden erst die Sammlungen des mathematisch-phy-sikalischen Kabincts, des chemischen Laboratoriums, derbotanische Garten erhielt erst seit 1766 seine Gründung. DieKlinik, welcher ein großes Gebäude in der Zähringer Vorstadt ein-geräumt ist, hat eine vortreffliche Einrichtung, und es erhalten inderselben jährlich 389 Personen innere medizinische, 399 chirurgischeund 69 geburtshülfliche Behandlung. Das B li nd en i n stit ut, welchesim Jahr 1825 gegründet und 1837 nach Freiburg verlegt wurde, er-hält eine sorgsame Leitung und verdient alle Anerkennung. Auch anPrivatsammlungen ist Freiburg nicht arm; Apotheker Keller hat einschönes Naturalienkabinet und bei Herrn Schlaar findet man eineantike Gemäldesammlung. Seit 1822 besteht eine Gesellschaft fürNaturwissenschaften, und seit 1826 eine solche für Beförderung derGeschichtskunde; ebenso seit 1827 ein Kunstverein, der jedoch nur we-nige Mitglieder zählt und seit 1836 ein Gesangverein. Wie fürWissenschaft und Kunst, so ist auch für Wohlthätigkeitsanstalten gesorgt,und hier sind besonders die reichen Stiftungen des Armeninstitnts, dasPfründnerhaus, Heiligegcist-Spital, Waisenhaus und die Sauticr-Reibeltsche Stiftung nebst dem Frauenvercine zu nenne». Auch einZuchthaus für etwa 299 Sträflinge besteht hier. — Für gesellige Ver-gnügungen bestehen hier mehrere Anstalten: das Museum, 1897 ge-gründet, mit einem schönen Lokal, einer nicht unbedeutenden Bibliothekund vielen Zeitungen und Zeitschriften und die bürgerliche Lesc-gcsellschaft, welche seit >835 besteht und über 369 Mitglieder zählt.Im Theater, das seit 1823 besteht, werden während des Winters so-wohl Schauspiele als Opern gegeben; Konzerte finden öfters Statt,und die Redoutenbälle im Kaufhause werden ziemlich stark besucht.Dazu kommen noch die vielen Wirthshäuser und Bierhäuser, welchesich alle eines zahlreichen Zuspruches erfreuen. Die vorzüglichsten Gast-häuser sind die zum Zähringer Hof, Engel, wilden Mann, Schwert,römischen Kaiser u. A. Ein Kaffeehaus, wie das zum Kopf, habenwohl nur wenige Städte in Süddeutschland auszuweisen, und inFreiburg wird vortreffliches Bier gebraut, das theils in der Stadtselbst, theils in den vier Bierkellern, von welchen besonders zwei eineberrliche Lage am Schloßberge haben, verschenkt wird. Außerhalb derStadt liegen ferner zwei gute Wirthshäuser zum Pfauen und zurStadt Wien. Ein schöner freier Platz und Vcrgnügungsort ist derKarlsplatz hinter der Kaserne, mit einigen freundlichen Anlagen. Zum
Schlüsse gedenken wir endlich noch des Friedhoses, der wie ein Gartenangelegt ist, und einige schöne Grabsteine und Denkmäler enthält.
Um die Stadt zunächst zieht sich ein freundlicher Spazierweg, derziemlich stark besucht wird; ebenso die Straße nach Karlsruhe, an de-ren beiden Seiten schöne Gärten mit Sommerhäusern abwechseln.Herrlich ist aber die Umgebung außerhalb der Thore, und schwer wirdhier die Wahl, welchen Weg man zuerst einschlagen, welcher Seiteman sich zunächst zuwenden soll, denn so reich an schönen Punkten, dievon den Höhen eine reiche Umsicht darbieten, ist außer Freiburg nichtleicht eine andere Stadt, und wäre die Dreisam noch ein stärkerer Fluß,so könnte sie allen übrigen den Preis streitig machen.
Hinter Freiburg erhebt sich ziemlich steil der Schloßbcrg, welchenman auf zwei Wegen emporsteigt, um oben, sei es nun auf der Burg-halre, dem ehemaligen Adlerschloß, oder auf dem Salzbüchslein, derfrüheren Stcrnschanze, eine herrliche Aussicht zu genießen, und dasBreisgau sowohl und den Kaiserstuhl zu überblicken, als auch rück-wärts in das Dreisamthal zu schauen, in dessen Hintergrund das Höl-lenthal beginnt. Vom Schloßberge aus gehen mehrere Wege wiederhinunter in die Ebene, oder rückwärts zum noch höheren Noßkopf,auf welchem man eine sehr weite Fernsicht hat.
Durch das Schwabenthor führt ein freundlicher Weg längs derDreisam nach der Kar thau se, oder waldeinwärts zur St. Otti-lienkapelle, an welche sich eine schöne Sage knüpft.
Südöstlich von Freiburg in einem lieblichen Thalgrunde liegtGünterstbal, der beliebteste Spaziergang der Frciburgcr, zumalhier gute Wirthschaften und köstliches Bier zu finden ist. Hier standeinst ein adeliges Frauenstift, das bis zum Jahre 1896 bestand, undjetzt in eine Bierbrauerei und Baumwollenweberci umgewandelt ist.
Ein herrliches Panorama bietet sich bei der Lorcttokapclle,gewöhnlich das Bergle genannt, dar; und der Weg nach Mcrzhau-sen, in das Herenthälchen, nach Bollschweil und endlich auf denSchinberg ist sehr einladend.
Gegen Westen gelangt man am Gasthause zum Pfauen vorübernach Betzenhausen, Lehen, Umkirch, wo die Großherzogin Stephanieein Schloßchen hat, oder nach dem Heidenhof und dem Dorfe Hug-stetten mit dem Landsitze der Freiherr» von Andlau, »nd auf allendiesen Wegen wechseln schöne Scenen und liebliche Aussichten nachdem Gebirg miteinander ab.
Die Straße durch das Zähringerthor führt zur alten Burg Zäh-ringen auf dem Berge hinter dein gleichnamigen Dorfe, und erinnertmächtig an die schöne Zeit der Herzoge von Zähringen, deren einstigeweit ausgedehnten Länder sich über das Breisgau und den Schwarz-wald erstreckten und zum Theil wie ein blühender Garten von dieserHöhe überblickt werden können.
Dies sind die näheren Umgebungen Frciburgs; wer aber weitereSpaziergänge nicht scheut, der wandere das weite Dreisamthal hin-durch bis zum sogenannten Himmelreich, wo die Berge zusammentre-ten und die Straße durch das schauerliche Höllenthal nach Do-naucschingen und Constanz führt. Rechts erhebt sich der breite Fcld-berg mit seiner großartigen Fernsicht, und von diesem gehen dreifreundliche Thäler aus, die alle eines Bcsuchcs würdig sind: das Wie-senthal, Thal mit dem Tittisee und das Zartcnerthal. Auch die linksgelegene» Orte St. Märgcn und St. Peter verdienen einen Besuchnicht nur, weil hier einst reiche und berühmte Klöster standen, sonder»auch wegen der Schönheit der Gegend. — Zum Breisacher Thorehinaus führt eine schöne Straße entweder nach Staufe», dem Mün-stcrthale mit St. Trudpert, dem Bölchen, wo man die köstlichste Aus-sicht genießt und nach Badenweiler, wo neben dem alten Nömerbadedie neuen Badhäuser sich erheben und man auf dem alten Schlosseeine weite Fernsicht hat, oder nach Breisach, der uralten Stadt, dieso viele schwere Schicksale erlebte, und nach dem Kaiserstuhle mitseiner üppigen Vegetation und der köstlichen Aussicht auf der Höhe zuden neun Linden.
Gegen Norden wendet sich die Straße nach dem ziemlich belebtenEmmendingen, in dessen Nähe sich die Ruinen des Schlosses Hochbergerheben, die von bedeutendem Umfange sind, und Stammsitz der Mark-grafen von. Hochberg waren. Nahe dabei lag einst das Kloster Theil-st enb ach, aber längst sind die Gebäude zerfallen, und Wald bedecktdie einst heilige Stätte. Näher gegen Freiburg wendet sich eine Sei-tenstraße i» das Suggenihal und führt weiter ins Elzthal. Hier er-hebt sich zuerst die Burg Schwarzenberg, und seitwärts liegt das Glot-tcrthal mit seinem Bade, während an der Elz Waldkirch liegt, wovor Zeiten die Granaten-Industrie stark betrieben wurde. Die RuineKastelberg liegt in der Nähe dieses Städtchens, hinter welchem mannach dem romantischen Simonswalderthal gelangt, oder den Kandelbesteigt, der nicht nur seiner Aussicht wegen bekannt ist, sondern auch,weil 'er als der eigentliche Blocksberg des Schwarzwaldcs genanntwird. —