Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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bäudes befindet sich das Lagerhaus. Das erzbischöfliche Palais,welches nahe bei dem Kaufhause steht, ist ein einfaches Gebäude undwar einst Haus der breisgauischen Laudstände. Auf der entgegenge-setzten Seite des Münsterplatzes liegt die hohe, alte Korn Halle.Das großherzogliche Palais und das Negier ungsgcbäudein der Salzgasse sind ebenfalls große Gebäude, "zeichnen sich aber vorden übrigen Häuser» nicht aus. Das Postgcbäude, worin sich auchdas Hofgcricht befindet, liegt in der Kaiserftraße und hat ein altcr-thümliches Aussehen; ebenso auch das Rath Haus. Das alte undneue Uuiversitätsgebäude, Lpzeum und die Universitäts-bibliothek haben gleichfalls nnr alte Gebäude, welche nichts Bc-inerkcnswcrthcs darbieten. Dagegen ist ein sehr schönes Gebäude dieIn sanierte kascr n e welche beim nördlichen Eingange in die ältereStadt liegt, fünf Stockwerke hoch ist, und einen mit eisernen Staketenumschlossenen Vorplatz hat. Ihr gegenüber liegt die «tadtkom-manda ntschaft, cm nicht sehr großes, aber freundliches Gebäude.Außer diesen erwähne» wir noch des Zuchthauses und der beide»F r a u e n k l ö ster. Hinter der evang. Ludwigskirche liegt das Spital,ein sehr schönes Gebäude »>it vortrefflicher Einrichtung, das von Arnolderbaut wurde, die Gestalt eines gegen Norden offenen Vierecks hat,und auf dieser Seite durch ein Gitter abgeschlossen ist. Seine HintereLänge beträgt 233 Fuß, die der Nebeuflügel 133 Fuß, das Hauptge-bäude hat 3, die Nebeuflügel 2 Stockwerke. In dem Hauptgebäudeselbst sind 48 Zimmer, wovon 22 für Kranke bestimmt sind, 2 großeOperationssälc und ein medizinischer Hörsaal. Der obere Stock istfür die mevicinische Klinik, der mittlere Stock links für die chirurgische,der rechts für einen Theil der weiblichen, chirurgischen, und der gc-burtshülfiichen Klinik, der untere aber für die Verwaltung und Oeko-noniie bestimmt. Für die Kinderklinik ist im oberen Stock ein großerSaal eingeräumt. Außer diesen öffentlichen Gebäuden sind in Frei-burg noch eine Menge Privathäuser, welche schön sind und nicht we-nig zum freundlicheren Aussehe» der Stadt beitragen, ihre Beschrei-bung gehört aber nicht mehr hierher.

Nach der letzte» Zählung wohnen in Freiburg 1368 evangelische,12,636 katholische und 23 israelitische, zusammen 13,141 Mensche»,während die Stadt im Jahre 1786 blos 7691, und 1814 erst 9891 ge-zählt hatte. Im Jahre 1837 wurden daselbst 7V Ehen geschlossen,143 mäunl. und 148 weibl., darunter 75 uneheliche, Kinder geboren.Die Gemarkung umfaßt >2,317 Morgen Feld, darunter 1923 M. Accker,>444 M. Wiesen, 432 M. Rebgelände und 8376 Waldungen. DieWiesen werde» durch drei Nunsgcsellschaften vortrefflich bewässert, dieAecker tragen alle Arten von Früchten, die Waldungen sind holzreich,die Viehzucht ebenfalls nicht unbedeutend, und der Wein, welcher hier,besonders auf dem Schloßberge wächst, gehört zu den besseren Sortendes Landes.

Wie die Gegend sehr gesund, und die Einwohner stark und kräftigsind, ebenso sind sie im Allgemeinen auch »ermöglich, und nur wenigegehören zur ärmeren Klasse. Es herrscht gegenwärtig eine nicht unbe-deutende Gewerbsthätigkeit und noch mehr wird dieselbe in der Zukunftgehoben werden. Im Jahre 1838 berechnete man das Betriebskapi-tal auf 1,622,666 si.; das Kapital des persönlichen Verdienstes auf>,713,236 fl., und das von den Gewerbegehülfcn auf 357,266 fl. Da-mals betrug das Steucrkapital für Grund- und Gcfäll-, Häuser- undGewerbesteuer 8,374,333 fl., welches eine jährliche Steuer von etwa27,666 fl. abwarf. Es sind hier fast alle Handwerker vertreten, undvon vielen besitzt die Stadt treffliche Meister. Wir heben aus derneuesten Gcwerbeliste hervor: 4 Apotheken, 6 Bierbrauer, 3 Buch-drucker, 3 Buchhändler, 22 Gärtner, 31 Handelsleute, 24 Küfer,

13 Schlosser, 36 Schneider, 23 Schreiner, 6l Schuster, 7 Uhrenmacher,26 Weinhändler, 28 Schildwirthe, 11 Kranzwirlhc, 7 Traiteurs, 5 Kaf-feewirthe, 17 Buschwirthe, 16 Zimmermcistcr. Von diesen betreibenbesonders die Bierbrauer, Buchdrucker, Hänfcr, Oeler, Nothqerber:c.ihre Gewerbe sehr stark. Aber auch eigentliche Fabriken hat Freiburgauszuweisen und unter diesen einige von Bedeutung. Die Cichorien-fabrik, Essig- und Champagnerfabrik von Kuenzcr Comp.wird stark betrieben und hat ei» herrliches Gebäude vor dem Zähringer-thore, ferner sind hier 3 Kunstmühle», Eisenhandlunge» von Audrsund Ferubach und von A. Kuenzcr, eine Fourniersäge", 2 vorzüglicheGlasmaler, die Gebrüder Heimle und L. Herrmann, 2 bedeutendeHanfgcschäfte, 3 Jnstrumentenmachcr, ein Orgelbauer, 3 chirurgischeInstrumenten-Verfertiger, eine Kartenfabrik, das Kunstinstitut vonHerder, früher eines der größten in ganz Deutschland, zwei Papier-fabriken, eine Seidenzwirnfabrik, Wachsbleiche, und eine Baumwoll-weberci. Diese Gewerbsthätigkeit wird noch bedeutend unterstütztdurch die Straßen, welche von hier durch das Höllenthal nach Coustanz,nach Basel, Breisach, Karlsruhe und Straßburg führen, so daßwöchentlich etwa 33 Frachlfuhren von hier abgehen, 23 ankommen und

14 Fuhren durchpassiren. Jährlich finden hier 2 Messe» Statt, undwöchentlich ein sehr großer Wochenmarkt, auf welchem der ganze obereSchwarzwald seine Bedürfnisse einkauft. Deshalb ist die Stadt auchimmer von Fremden belebt und im Jahre 1339 wiesen die Bücher nach,daß 363 Fuder We!» eingelegt, 366 Fuder Bier gebraut, >16 Fuder

Branntwein verbraucht und ausgeführt und außerdem noch ein bedeu-tendes Quantum von fremdem Bier ausgeschenkt wurde. Auch derHandel mit langen Waaren und Spezereicu ist bedeutend und es wer-den darin im Große» sowohl, als auch im Kleineu viele Geschäftegemacht.

In Freiburg haben die Regierung und das Hosgericht des Obcr-rheinkreises, eine Nekrutirungsbehördc, ein Stadt- und Laudamt mitden dazu gehörigen Stellen, ein Forstamt, eine Wasser- und Straßcn-bauinspektion, eine Bezirksbauinspektio» und andere untergeordneteStellen ihren Sitz. Ferner befindet sich daselbst ei» Erzbischof mitdem Domkapitel, zwei katholische, eine evangelische Pfarrei, und dienöthigen städtischen Behörden, nebst den an der Universität, dem Lp-zeum und anderen Anstalten wirkenden Staatsdienern und Beamten.Auch halte» sich hier nicht wenige adelige Familien auf, welche meistensin den ehemals vordcröstcrrcichischcn Landen begütert, oder auch derelsässischeu Adelsmatrikcl einverleibt waren. Seit neuerer Zeit liegthier auch wieder ein Infanterieregiment. Für den öffentlichen Un-terricht ist in Freiburg auf vielfache Weise gesorgt, und es bestehendafür mehrere gute Anstalten. Außer der Knabenschule, Gewcrbsschule,und den zwei Mädchenschulen in dem Fraueukloster Adelhauscn unddem UrseUnerkloster, besteht jetzt auch eine höhere Bürgerschule. Zumgelehrten Unterricht leitet das Lpzeum an, welches bis in die neuesteZeit blos ei» Gymnasium war, und im Jahre 1626 durch die Jesuitenerrichtet wurde. Außer dem Direktor sind bei der Anstalt zwölf Lehrerbeschäftigt und die Schülerzahl stieg in neuester Zeit bis auf 326. Dieeigentliche Zierde FreiburgS ist jedoch die Albert - Ludwigsuni-vcrsität, welche die eilstälteste in Deutschland ist, und im Jahre1436 vom Erzherzoge Albert VI. von Oesterreich gestiftet wurde.Matthäus Hummel von Villiuge», und Thüring von Hallwil erhieltenden ehrenvollen Auftrag, diese Stiftung in's Leben zu rufen und fürAnstellung tüchtiger Lehrer zu sorgen. "Sie verfuhren auch dabei mitUmsicht und am 27. April 1466 wurde die neue Universität von Hum-mel, dem Nestor-Rektor derselbe», mit einer denkwürdige» Rede er-öffnet, worauf alsbald die Vorlesungen begannen. Zu den erstenLehrern an dieser Anstalt gehörten, außer Hummel selbst, der TheologeJohann Pfeffer, der Jurist Konrad Odernheim, und die Artisten Wolf,Seulnhofer, Mölvelt, Arnolt, Joff. Kcrer und Konrad Stiertzcl, undim ersten Jahre zählte man schon zweihundert und vierzig immalriku-lirte Zuhörer. Auch Disciplinargesetze entwarf Hummel, und baldblühte die neue Hochschule immer mehr auf, so daß sogar Fürsten undEdle ans allen Gegenden Deutschlands herbeikamen, und ihre Studienhier machten. Zwar mußte die Anstalt oft um ihre Güter kämpfen,sie machte aber kräftige Fortschritte und erhielt sogar von Sigmuudund Maximilian das Recht, ihre Lehrer selbst zu wählen, auch ver-mehrte Elfterer noch den Stiftungsfond. Mehrere Lehrer der Univer-sität erhielten ehrenhafte Berufungen nach andern Orten, und unterdiesen wurde Stierzel kaiserlicher Kanzler, Kerer Weihbischof in Augs-burg und Widemann Leibarzt des Herzogs Eberhard von Württemberg.Im sechzehnten Jahrhundert that sich besonders die Juristcnfakultäthervor, zu welcher Zasiuö, Derrer, Mpnsinger, Amelius, Streit, Mar-tini und die Italiener i!>>>»ii,< und .iv lusixii»» gehörten. Die medi-zinische Fakultät hatte an Schenk, Mock, Pistorius, Schiller, und dieArtisten an Konrav von Heresbach, Georg Rcisch, Locher, Philippvon Engen, Tcthinger, Glareau, Härtung, Frcigius, Beurer undSchrcckenfuchs berühmte Mitglieder. Unter den Theologe» glänztengleich Anfangs Johann Geiler, Jakob Wimphcliug, Vietnam, Mat-thias Zell, Jakob Sturm und Äapito, und die rheinische, Donau-,Straßburgcr und Schlcttstädtcr gelehrten Gesellschaften wirkten höchstanregend und wohlthätig auch auf Freiburg ei». Dies währte abernicht lange, denn die österreichische Regierung war jeder NeuerungFeind und hemmte dadurch die Wissenschaften nicht wenig; deshalberhoben Scholastik und Die leklik ihr Haupt wieder mit neuem Muthe,und vor den Anhänger» und Freunden des Rückschrittes mußten dieMänner echter und freier Wissenschaft nach und nach verstummen. DenTheologen war es meistens nur um Geld und hohe Würden zu thun,und so mußte die Anstalt immer mehr sinken. Da traf sie noch einneuer und härterer Schlag; am 13. November 1626 wurden nämlichdie theologischen und philosophische» Lehrfächer den Jesuiten eingeräumtund »un war der alte Glanz für immer dahin. Zwar lehrten hiernoch einige tüchtige Männer, wie Vollmar, Souucr, Kiefer, Hiero-npmus Frank, Helbling, Brunk, Vikari und Andere, die Blüthe warüber in ihrem Keime zerstört, und so war an kein Erheben mehr zudenke», zumal jetzt auch d.r dreißigjährige Krieg sich i» diese Gegendzog und vie meiste» Fonds der Universität sich minderten oder ganzverloren gingen. In Folge des Npmwegener Friedens H16794 wurdeFreiburg au Frankreich abgetreten, und die Universität nach Coustanzund Ravolphszell verlegt, wo sie natürlich nur schlecht gedeihen konnte,bis sie endlich im Jahre 1698 wieder nach Freiburg zurückkehrte. AISaber im spanischen Successionekricge Freiburg von den Franzosen wiedererobert wurde, flohen die Professoren im Jahre 1713 abermals nachCoustanz, um erst nach zwei Jahren zurückzukehren, und vor dem Ab-schlüsse des Friedens zu Baden war an keine Erhebung zu denken.