Druckschrift 
7 (1848)
Entstehung
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aufgeführt und hat die Gestalt eines Kreuzes, das sich von Abendgegen Morgen richtet. Im byzantinischen Style ist der Quer-bau, der älteste Theil der Kirche ausgeführt, der früher mit einerflachen Wand geschlossen war und in eine von allen Seiten freie acht-cckigte Kuppel endigte. Das Langhaus folgte nach diesem Bau, undist durch sechs Pfeiler auf jeder der zwei Seiten in drei Schisse abge-theilt. Es ist durchaus im deutschen Style aufgeführt, und dasmittlere Schiff ist 175 Fuß lang, und 27 Fuß breit. Die mit 10 Stä-ben umgebenen Bündelpfeiler sind 7 Fuß dick; die Höhe des mittlerenKreuzgewölbes beträgt 82 Fuß. Im Mittelschiffe sind acht p>cnsterüber den Dächern der Abseiten, diese haben nur vier hohe Fenster,unter sämmtlichen ziehen aber durchbrochene Gallerie» hin. Dasuntere Dritttheil des Thurmes bildet ein Viereck und entha.tdas Portal, das zwischen 8 Fuß dicken und 13 Fuß hervorspringen-den Stützpfeilern des Thurms 30 Fuß weit ist, an den Weitenwänveu,Wandsäulen und an der Gicbelverdachnng einige Bildwerke hat. AnBildwerken ist auch die Vorhalle reich, welche von den Mauerndes Thurmes umschlossen ist; Bildsäulen erheben sich an den Bogen-stellungcn, die an den Wänden fortlaufen; die daran stoßende innereperspektivisch geordnete Pforte hat ebenfalls Stabwerk und bildlicheVorstellungen, und ist durch einen Zwischcnpfeiler, den die Bildsäuleder Maria ziert, so getheilt, daß dadurch zwei Thüren entstehe». DieVorhalle, welche zwischen beiden Portalen liegt, hat ein Kreuzge-wölbe, und in der Mitte desselben befindet sich eine Oeffnung. Figu-ren aus der Leidensgeschichte Christi füllen den Raum vom Thürge-simse des zweiten Portals bis zur Spitze des Bogens in 3 Abthei-lungen aus. Ueber der Vorhalle gegen Innen liegt die durch dreigroße Fenster erleuchtete Empore, die gegen das mittlere Schiff offen»st, ein durchbrochenes Geländer und ein Kreuzgewölbe hat. Ober-halb der Empore bildet der Thurm ein Zwölfeck und ist mit einerdurchbrochenen Gallerte nach Außen umgeben. Aus dem Zwölfeck gehtaber sogleich ein Achteck hervor, welche Form auch die Pyramidehat, unter welcher sich die obere Gallerie herumzieht. Ueber derEmpore befindet sich inwendig das Uhrwerk, oberhalb desselben dieWohnung der Wächter, welche die Stunde» nachschlagen müssen, dieFeuerwache haben und hier nie Feuer unterhalten dürfen. Noch höherliegt die Glocken Halle mit zehn Glocken, von welchen die ältesteaus dem Jahre >258 stammt. Wegen ihres reinen Klanges ist dasSilberglöckchcn merkwürdig, das jeden Morgen und Abend eine Vier-telstunde lang geläutet wird. Außer dieser und den zwei kleinsten sindin neuester Zeit sämmtliche Glocken zu einem doppelten harmonischenGeläute umgegossen worden. Auf der Plattform, wo die er-wähnte Pyramide beginnt, hat man eine herrliche Aussicht, und dasAuge überschaut das wie ein Garten ausgebreitete Breisgau, und ruhtrückwärts auf den Bergen des Schwarzwaldcs. Das Achteck ist hiervollständig ausgebildet, und auf den acht schmalen Pfeilern, welcheebensoviel Fenster mit hohen Spitzbogen einschließen, ruht die kühndurchbrochene Pyramide, welche 513 Schuhe hoch ist, und nur anden steinernen Rosen von Außen erstiegen werden kann. Das Chorist höher als das Langhaus, fünfseitig geschlossen und hat ei» netzför-miges Gewölbe; es ist 157 Fuß lang, hat Fenster die höher sind alsdie des Mittelschiffs, und einen Umgang, der wieder von Kapellenund der Sakristei umgebe» ist. Dies das Hauptsächlichste über dieallgemeine Bauart des Münsters, und wir gehen nun über auf dieAusschmückung des Innern. Noch stehen in diesem Dom sechs Altäre,von welchen besonders der Hochaltar merkwürdig ist. Derselbe ent-hält mehrere Meisterwerke von Hans Baldung aus Schwäbisch Gmünd,die in zwei Hauptbildcr» und acht Vorstellungen die Himmelfahrt Ma-riä, die Kreuzigung Christi, die zwölf Apostel die Verkündigung, dieHeimsuchung, die Geburt Christi, die Flucht nach Acgypten und einigeHeilige vorstellen, und sämmtliche im Jahre 15lti gemalt wurden.Die Universitäts'kapellc mit den zwei Altarbildern vom jünger»Hans Holbein, die Geburt Christi und Opferung der drei Könige dar-stellend, ist ebenfalls schenswcrth, wie noch mehrere geschnitzteAltärc,die theils von älteren Holzschneidern herrühren, theils erst in neue-ster Zeit von Glänz verfertigt wurden. Die Fenster enthalten vor-treffliche Glasmalereien aus alter und neuerer Zeit. Die BrüderHeimle aus Breitnau bei Frciburg lieferten dafür besonders die vierEvangelisten und die Passion nach Dürer, welche sehr ausgezeichnetsind, und auch Glaskünstler Hcrrmann aus Neustadt hat die Rund-fenster der Abseite» mit gemalten Scheiben ausgefüllt, die an schönensonnige» Abenden ein zauberisches Farbenspiel über dem Estrich ver-breiten. Der Boden ist in neuerer Zeit mit abwechselnd weißen undrothen Sandsteinplatten belegt, wcßhalb die vielen Grabsteine wegge-bracht wurden. Von den noch vorhandenen Grabmälern nennen wirdie der Gräfin Anna und des Grafen Konrad il. von Frciburg in derChorwand; diesen gegenüber das des Generals Noth. Aus der Klo-sterkirche zu Thennenbach wurden in neuester Zeit die Gebeine desGrafen Egon II. von Freiburg, der Markgräfin Agnes und des Mark-grafen Otto von Hochbcrg in die Münsterkirche versetzt und mit ihrenDenksteinen in die ehemalige Kapelle des Oelbcrges gebracht. Ausge-zeichnet vor Allen ist aber das Grabmal des Herzogs Bcrthvld V.

von Zähringen, der in vollständiger Rüstung, mit gefalteten Händenauf einem Löwen stehend abgebildet ist. Seine Grabschrift lautet:Itürlbolill V., ullimus I)»x, XIV. Vebruarii lUtlLXVIII

regui!^runt. Die Denkmale der Herzoge Bcrthvld IN., Konrad,Berthold IV. und Rudolph von Zähringcn sind vom Bildhauer Hau-ser in neuerer Zeit verfertigt worden; von demselben Künstler rührtauch das Abendmahl her, welches sich in einer besonderen Kapellebefindet. Aelter ist dagegen das heil. Grab; ebenso die Kanzel, welcheSteinmetz Jörg Kempf aus Reincck im I. 15til verfertigte. Einigeandere Bildsäulen und Denkmale, die in neuester Zeit gesetzt wurden,übergehen wir.

Eine andere schöne Kirche, welche im Gegensatze zum Münster,erst in unserer Zeit erbaut wurde, ist die evangelische Ludwigskirche,die in der sogenannten Zähringer-Vorstadt liegt. Nachdem die 1800in Freiburg entstandene evangelische Kirchengemeinde zwanzig Jahrelang die Kirche des ehemaligen Allerhciligenklosters benutzt hatte, wurdedieselbe zu enge und das Bedürfniß einer größeren immer fühlbarerGroßherzog Ludwig wünschte daher, als ihm die Stadt um 15000 fl.ein Monument setzen lassen wollte, weil er in Freiburg ein Erzbis-thum errichtet hatte, daß dies Geld zum ersten Fond einer neuen evan-gelischen Kirche gemacht werde, und beschloß, die Kirche zu Thennen-bach, welche gerade zum Abbrüche versteigert werden sollte, nach Frei-burg versetze» zu lassen. Obcrbaurath Hübsch wurde damit beauf-tragt, und unter ihm leitete zuerst Bezirksbaumeister Lumpp, dannBauaufseher Füger die Ausführung. Am Ludwigstage des Jahres1829 wurde damit begonnen und im I. 1838 die Kirche vollendet.Sie ist in Form eines Kreuzes erbaut, steht etwas erhöht, von allenSeiten frei, und hat vorn eine Treppe von 5 Stufen, die sich längsder Fa^-ade hinzieht. Vorn führen drei Haupteingängc in das In-nere, und die mittlere derselben hat auf beiden Seiten acht Säulen.Ueber der Thüre befindet sich die Auferstehung Christi, ein Basreliefvon Nauffer, und über den zwei Seitenthnren die Anbetung undTaufe Christi. Ein Nadfenster und über demselben eine Kreuzesöffnnngist oberhalb des Portals angebracht; letztere auch über dem Wccken-thurm. Die Kirche im Hauptschiff mit zwei nur halb so breitenAbseiten, ist 17l Fuß lang, 53V- Fuß breit, und im Querbau 90 Fuß.Von jeder Abseite sind 0 >m Rundbogen geschlossene Fenster; Nadfen-ster beleuchten den Qucrbau auf jeder Seite. Das Chor ist 75 Fußhoch und 42 Fuß breit. Der Thurm, welcher sich in der Mitte desKreuzes erhebt, geht nach seiner innern Konstruktion ans einem läng-lichen Viereck in ein regelmäßiges Achteck über, während er von Außenals vollständiges Achteck in drei Stockwerken emporsteigt, von welchendas erste mit einer Gallerie überbaut ist, das zweite nach jeder Scckeeine Fensteröffnung hat und die Glocken enthält, und das dritte die-selben Fensteröffnungen wiederholt. Die Seiten schließen sich durchsieben Fuß hohe Giebel, mit welchen sich die 40 Fuß hohe achteckigePyramide erhebt. Der Thurm ist 195 Fuß hoch. Wie das Aeusiere,so ist auch das Innere schon und einfach.

Die übrigen Kirchen Frciburgs bieten wenig Bcmerkcnswerthes dar;die Pfarrkirche zu St. Martin, dem Rathhause gegenüber, stammtaus dem sechszehnten Jahrhundert und war früher Kirche des Franzis-kaner- und nachher des Augustinerklostcrs. Die Universitätskirchc,worin der Gottesdienst für die katholischen Schüler des Lyzcums gehaltenwird, ist klein und unbedeutend, ebenso die ehemalige evangelische Kir-che, die jetzt geschlossen ist. Dagegen ist freundlicher die Wem ina«riumskirche, an welche das ehemalige Seminariumsgebäude stößt,das jetzt zu einem Convikte für katholische Theologen eingerichtet ist.Klöster waren früher zu Freiburg in Menge, denn man zählte daselbstaußer den Häusern der Johanniier und Deutschen Herren >0 Manns-,7 Fraucnklöster und 0 Ncgelhäuser; da aber sämmtliche längst nichtmehr bestehen, so unterlassen wir es, hier davon zu reden.

Die übrigen Gebäude der 'Stadt bieten nicht viel Interessantesdar, weshalb wir nur die bcmerkenswertheren hier hervorheben. DasMuseum, im I. 1823 erbaut, liegt in der Münstergasse, und reichtsowohl in die Äaiscrstraße als auf den Müusterplatz; es ist in schönemStyle erbaut, und gut eingerichtet. Das Theater in der Salzgasseist klein, faßt etwa 1200 Personen und wurde 1823 eingeweiht, eswird aber nur im Winter darin gespielt, und die Stadt gibt demUnternehmer eine jährliche Unterstützung von 5000 fl. Ein anderes,durch sein alterthümliches Aussehen merkwürdiges Gebäude ist dasKaufhaus am Münsterplatzc. Fünf Säulen aus Stein bilde» eineRundbogenhallc, über welcher eine steinerne Gallerie längs der Vor-derseite des Gebäudes hervortritt, die mit dem Hauptsaalc durch zweiThüren in Verbindung steht. Derselbe hat fünf hohe und breite Fen-ster, zwischen welchen die Statuen der vier aus dem österreichischenHause entstammten Fürsten: Kaiser Maximilian I, König Philipp I.von Spanien; Kaiser Karl v. und Ferdinand I, gcharrnischt und Neichs-insignien tragend, stehen. Zwei kleine erkerartige Thürmchcn tretenan den beiden Ecken des Gebäudes hervor und sind mit Wappen ge-schmückt, sowie mit bunten Ziegeln bedeckt. Der Hauptsaal wird oftzu Rcdouten, Concerten u. dgl. benutzt, im unteren Theile des Ge-