M etlmra i
B e s ch r
<Vrciburg in» Brcisgau, der Sitz der Mittelrheinkrcis-Re-gierung, eines Hofgerichtes und einer Universität, sowie des Erzbi-schofs der oberrheinischen Kirchcnprovinz, liegt ain Fuße des Schwarz-Waldes, wo die Dreisani in die Ebene hinaus fließt, etwa 866 Fußüber dem Meere, in einer der freundlichsten und fruchtbarsten Gegen-den des ganzen basischen Landes. Ueber die ziemlich hohen Häuserragt mächtig der Münster empor, den man schon aus weiter Ferneerblickt, hinter der Stadt erhebt sich der Schloßbcrg, in weiterer Fernesteigen die gewaltige» Granitberge des Schwarzwaldes bis zu bedeu-tender Höhe, und "jenseits der üppigen Ebene thront am rechten Uferdes Rheins der Kaiserstuhl. Von welchen Punkten man auch die Stadtsehe» oder überblicken mag, von allen Seiten liegt sie schön und freund-lich da. Das herrlichste Panorama des ganzen Brcisgau's bieten je-doch der Schloßberg und die Lorettokapclle. Außerhalb der Stadtziehen sich schöne Gärten um den ehemaligen Wall und die Gräben,welche jetzt meistens geebnet, ausgefüllt und zu fruchtbaren Nebgelän-den umgcschaffen worden sind.
Freiburg besteht aus der eigentlichen Stadt, der Stephanien-Vor-stadt, die früher Schnecken-Vorstadt hieß, und dem im Jahre 1826 er-öffneten neuen Stadtviertel, das man gewöhnlich als Zährin ger-Aorstadt bezeichnet. In die Stadt führen vier Thore, nämlich vonNorden das Zähringerthor, von Westen das Predi gcrthor,von Südost das Schwabcnthor und von Südwest das Breisach er-thor. Das Erstcrc derselben ist ganz neu und besteht aus zwei freund-lichen Gebäuden, welche für die Wache und den Oktrvierhcbcr bestimmtsind. Daö Predigerthor erhielt seinen Namen von dem einst nahedabei gelegenen Dominikanerkloster; das Vreisacherthor dient alsArbeitshaus. Das Schwabenthvr stammt noch aus älterer Zeit,hat eine doppelte Thurmuhr, und auf der inner» Seite ein Freoko-bild das einen schwabischen Landmann darstellt, welcher einen belade-nen Weinwagcn nach seiner Heimath führt. Außer diesen bestand nochkürzlich dasMartinsth or, das jedoch nur die innere Stadt mit derStephanien-Vorstadt verband. Der heil. Martin war zu Pferde auf ihmabgebildet, und unter demselben befand sich eine Steintafel mit fol-gender Inschrift: „Denkmal den Freiwilligen Frciburgs unterdem Herrn Major und Stadtrath Caluri, und allen Waffenbrü-dern des österreichischen Breisgaues, die sich durch Treue undTapferkeit den vii. Juli VllillllXttVI., für Kaiser und Vaterlandkämpfend, auszeichneten, gewidmet von ihrem General Freiherr» vonDuminique." Der Katzcnthurm, das alte Thor der Vorstadt vorder Befestigung durch die Franzosen, wird nicht mehr benutzt.
Wie alle alte Städte, so hat auch Freiburg keine schönen und ge-raden Straßen. Nur die Kai ferstraßc, welche vom Zähringerthorebis zum Martinsthore führt, ist breit, weniger winklicht und enthältdie schönsten Häuser; es wimmelt hier immer von Menschen. Von denübrigen Straßen und Gassen, verdient noch die Salzgasse, Je-suitengasse und die Münstergasse einer besonderen Erwähnung,die übrigen sind schmal, winklicht und unschön. Eigenthümlich ist die-ser Stadt, daß fast durch jede Straße ein Helles Bächlein fließt, wasbesonders vorthcilhaft ist und die Gesundheit fördert.
Wie schon oben erwähnt, stießt südlich an Freiburg die Drcisamvorüber, die zwar kein großes Gewässer hat, aber oft ziemlich an-schwellt und Verheerungen anrichtet. Aus derselben hat man etwa einehalbe Stunde oberhalb der Stadt den Gcwerbskanal abgeleitet,der ein Hammerwerk mit einer Zainschmiede, zwei Papiermühlen, eine
Meisgau.
i b u n g.
Seidenzwirnfabrik, Knochenmühle, Stärke- und Oelmühle, Färberei,Kartenfabrik, Lohmühle und zwei Fruchtmühlen in Bewegung setzt,bei der unteren Papiermühle sich in zwei Theile, den sogenanntenMühlbach und die Wasserleitung scheidet, welch' Letztere biszum Schwabenthore überwölbt ist, und sich dann in die verschiedenenBächlein in den Straßen vertheilt, während der Mühlbach noch meh-rere Wasserwerke treibt und, nachdem er hinter dem Zuchthause dieStadt verlassen, sich wieder mit der Drcisam vereinigt.
Das vorzügliche Brunnenwasser erhält die Stadt durch 32öffentliche und 84 Privatbrunncn mit 266 Röhren, eS wird vom Bronn-berge her in dieselben durch zwei Reihen eiserner Deiche!» geleitet;außer diesen giebt es noch eine Menge Pumpbrunncn, besonders inden Gärten. Von den öffentlichen Brunnen ist, außer des beim Mu-seum in der Kaiserstraßc stehenden, der eine doppelte Reihe Steinbil-der, und schöne Verzierungen in altdeutschem Stple hat, der Ber-tholdsbrunnen am Fischmarkte in der Kaiserstraße zu nennen.Dies dem stiftenden und erhaltende» Rcgentenhause gewidmete Denk-mal wurde im Jahre 1807 aus dem Fonde beurbaricr Bürgergütererrichtet und es steht auf dem Brunnen die Statue des Herzogs Ber-thold III. von Zähringcn. Die Säule trägt folgende vier Inschriften:
Iiurgensix ZllltlOtlV II; gegen Ost: Ilii Itcrlliolilui» III X.iiinginn
Ducrin, tjui cnu<llilit, olvitntr'in llbninn, oouxlltuit. l'ri-
Ina,» cisi Iicnanai» »»ix Ingilius vivore j»»»it. AltlXX; gegen Süden:Vlonrurlu» X:>iingi»e <Iux, Ilri llroläl I II. l'i»tt!r, Ilurguntli.xe reetor,
»>»»!»,» eonllore c»>?>>it VILXXIIl. Und gcge» West: It>ntI>uI<Ii I. X»-I'ingl.xei »I »»< ^»» XXIV. »ei«:»l!»i UI» ^Vo»tl,:ru!»in, »b .Vlbi'rttt »u»t»i-aco II tlttltt. VI I i'iü»I lu»<Iul!>in, 1i,i»»vit Ii!j-il>u«, rcilitiliu»a»xit VIOlltlllV I
Größere öffentliche Plätze liegen in der Stadt nur wenige; derbedeutendste ist jener um den Münster, wo die Messen und Wochen-märkte abgehalten werden; vor dem Nathhause liegt ebenfalls einfreier Platz, der aber nichts Merkwürdiges darbietet. — Die Stadtenthält 1A63 Hänser, wovon 16 dem Staate gehören; vor fünfzigJahren betrug die Anzahl nur 666, während sie in der Mitte des sechs-zehntcn Jahrhunderts bis auf 1766 gestiegen war. — Uebcrgehendauf die einzelnen Gebäude, beginnen wir gleich mit dem herrlichenMünster, einem Meisterwerke für alle Zeiten. Wer den Grundsteindazu gelegt, ist nicht gewiß, wahrscheinlich wurde aber der Bau dessel-ben i» den Plan schon bei der Gründung Frciburgs aufgenommen.Daß Konrad, Herzog von Zähringen, der von 1122 bis 1152 herrschte,den Münster begonnen, meldet die Sage, und Graf Konrad I. vonFreiburg, dessen Regierungszeit in die Jahre 1236 bis 1272 fällt, vol-lendete ihn; beide Personen wurde» aber später im Munde des Vol-kes in eine verschmolzen, Gründung und Vollendung des Bauesdem Herzoge Konrad zugeschrieben. Der ursprüngliche Bau umfaßtwohl gegen ein und ein halbes Jahrhundert, war aber im Jahre1146 schon so weit gediehen, daß der heil. Bernhard darin predigenund zum Kreuzzugc auffordern konnte. Der Thurm wurde jedoch erstin der Mitte des 13. Jahrhunderts vollendet, der neue Chor im Jahre1354 begonnen, vom Jahre 1471 durch Meister Hans Niescnbergcraus Grätz fortgeführt', und im I 1513 eingeweiht. — Was die Bau-art des Münsters betrifft, so ist dieselbe ganz aus rothen Sandsteinen