vier andere Kirchen. Auch außer dem alten Münster, mit dem bis1804 ein Collcgiatstift verbunden war, enthält Ueberlingen mehreremerkwürdige Gebäude, wie das Rathhaus, Balbachsche und Pflum-mernsche Haus, St. Johann und das ehemals sehr reiche Spital. DieStadt besitzt eine Bibliothek mit verschiedenen historischen und andernHandschriften, worunter wir die Reutlingcrsche Chronik von Ueberlin-gen hervorheben, und eine Badanstalt, welche erst in neuerer Zeitwieder zu einigcm Ansehen gelangt ist. Nach der neuesten Analyse ent-hält das hiesige alkalisch-erdige Eiscnwasser in einem Pfunde folgendeBestandtheile:
Schwefelsaures Natron . . . .
3,8981
Gr.
Chlornatrium
3,0282
-
Kohlensaures Natron . . . .
I,49l0
-
Chormagnesium
1,3843
-
Kieselerde
2,3600
>
Kohlensauren Kalk
9,4500
-
- Magnesia. . . .
5,3110
»
Thonerde
0,4000
-
Kohlensaures Eisenorpdul . . .
4,6664
-
- Manganorpdul. .
0,3852
-
Phosphorsanre Thonerde . . .
0,1000
-
Organische Substanz und Verlust.
4,5758
-
Zusammen 37,0500 Gr.
Das Wasser ist heilsam gegen chronische Hautkrankheiten, Geschwüre,rheumatische und gichtische Leiden, Bleichsucht u. dgl.; die Badanstaltwird aber nur wenig besucht.
Der Stadt Ursprung reicht in die dunkelste Vorzeit zurück, undes wird dieses Orts schon in der alten Sage vom Herzoge Gunzo ge-dacht. Später trat die Stadt dem Städtebunde bei, erhielt von Kon-radin die Freiheit und kaufte sich 1397 vom Kaiser los, so daß sie freieReichsstadt wurde. Aber später litt sie sehr viel durch die Drangsaledes 30jährigen Kriegs und die Ueberfälle Wiederholds. Jetzt nährtsie sich hauptsächlich durch Handel und Schifffahrt.
Ueber Nußdorf, Neubirnau und den Hof Maurach führt nun dieStraße noch weiter gegen Südosten und bringt uns, nachdem wir nochdie Orte Seefelden und Unteruhldingen besucht haben, nach der altenStadt Meers bürg sogenannt, weil man den Bodensee früher auchdas Deutsche Meer hieß.
Diese Stadt liegt an der Abstufung einer hohen Felscnwand dichtam Bodensee, ist Sitz eines Bezirksamtes u. zählt 1500 E. in 210 Häusern.Die obere und untere Stadt, nach ihrer Lage also genannt, ist durcheine Berggasse verbunden, die Stadt selbst erscheint aber fast nur alsAnbau und Anhängsel an das alte und neue Schloß, worin einst dieConstanzer Bischöfe residirten, deren Letzter der berühmte Carl Theo-dor von Dalberg, nachheriger Fürst Primas von Deutschland undGroßherzog von Frankfurt war. Das alte Schloß wurde vielleicht schonvon König Dagobert aufgeführt, und hat einen alten Thurm. Zwi-schen dem Schlosse und der Stadt liegt eine Felsenschlucht und nur eineZugbrücke stellt die Verbindung her. Gegenwärtig ist dies Gebäudeim Besitz des bekannten Alterthumsforschers Freiherrn Joseph v. Laßberg,der hier seine reiche Bibliothek, Handschriften und Glasgemäldesamm-lung aufgestellt hat. — Der Name dieses würdigen Mannes verdientbesonders in der Geschichte jenes herrlichen Denkmals der mittelhochdeut-sche» Poesie, des sogenannten Nibelungenlieds, die ehrenvollste Er-wähnung. Dieses Lied ist bekanntlich aus zwanzig uralten Volksliedernals seinem Grundstoffe durch eine zweite und dritte Bearbeitung mit um-ständliche» Zusätzen weiter ausgeführt worden. Die dritte Bearbeitungnun hat Freiherr von Laßberg aus der ihm gehörenden Handschrift vonHohenems abdrucken und durch einen ihm befreundeten Pfarrer O. F. H.Schönhuth zu Dörzbach herausgeben lassen. Derselbe Pfarrer veröffent-
lichte auch nach Laßbergischen Handschriften: die Klage sammt Sigenot undEggenliet, altdeutsche Dichtungen. Außerdem ließ Freiherr von Laßbergunter dem Titel: „Liedersaal" eine Sammlung altdeutscher Gerichte ausangedruckten Quellen veranstalten, welche zu Eppishausen herauskam. Dadies Werk nicht auf gewöhnlichem Wege in den Buchhandel kam, ist essehr selten, und Manchen nicht einmal dem Inhalte nach bekannt. We-gen seiner lebhaften Theilnahme für die mitteldeutsche Poesie und Kunstwird aber Laßbergs Name öfters neben denen von Grimm, Lachmann,Wackeenagel u. A. genannt, die sich um die Erhaltung jener Schätze deut-schen Volksthums unsterbliche Verdienste erworben haben und noch iinmererwerben. Im Laßbergischen Schlosse zeigt man noch heute ein Fenstermit einer herrlichen Aussicht, auß welchem sich der unglückliche Konradinvon Schwaben, kurz bevor er seine verhängnißvvlle Reise nach Wälsch-land antrat, die reizende Gegend betrachtet haben soll. Der als Verfassereiniger Gedichte, die den Bodensee verherrlichen, nicht nnbekannte LevinSchücking wohnte einige Zeit bei Freiherrn von Laßberg, und hat auchdiese Erinnerung an die Vorzeit aufgefrischt. — Das neue Schloß liegtjenseits der erwähntenBrücke, wurde von Bischof Anton von Siggun-gcn von Hohenburg erbaut und hat im zweiten Stocke schöne Zimmerund eine Terrasse mit herrlicher Aussicht. Das bischöfliche Semina.rium ist ein schönes Gebäude im östlichen Theile der Stadt. Vonden übrigen ist nur noch die Kapelle auf dem Friedhofe zu bemerken,weil darin das von Bildhauer Sporer in Constanz dem berühmtenMagnetiseur, O>. Meßmer, errichtete Grabdenkmal steht. Die Stadtselbst wird erst 1213 genannt, wo Kaiser Friedrich II. hier die Char-woche feierte, und gedieh später an das Hochstift Constanz. ImJahre 1333 hatte sie eine Belagerung auszustehen, hielt sich aber gut.Die Bürger gewannen durch die Verlegung des Bischofssitzes in ihreStadt sehr viel, und verloren deshalb auch bedeutend als nach demAnfalle an Baden, das Bisthum ausgehoben wurde.
Am Seeufer begegnen wir noch den Höfen Haltnau, der MühleHarlachen, dem Hofe Kutzcnhausen und gelangen dann nach Hagnau,einem alten Dorfe das im Lüneviller Frieden an Nassau-Dillenburg undim Frieden von Preßburg an Baden siel. Weiter südlich liegt derPachthof Kirchberg mit einem schönen Schlosse, worin der letzte Abtvon Salmannsweiler starb. Es gehört jetzt den Markgrasen von Ba-den, enthält einige gute Holzgemälde und ist ein sehr lieblicher Aufent-halt wegen der schönen Ausficht auf den Bodcnsee und dessen süowest-liches Ufer.
Unfern davon liegt das schöne, dem Fürsten von Salm-Krautheimgehörige Schlößchen Hersberg, das würtembergisch ist, jedoch vondadischem Gebiet ganz umgeben wird. Es hatte einst eine Adclsfamilieund kam dann an das Kloster Ochsenhauscn. Unterhalb von Hersbcrgbefindet sich das große Pfarrdorf Jmmenstaad mit 700 Einwohnern,Schifffahrt und Fischerei. Es gehörte einst den Geschlechtern Fürsten-berg, Montfort unv dem Kloster Weingarten, kam aber 1783 ganz inden Besitz von Fürstenberg. Von hier aus ist nur noch das SchlößchenHelmsdorf zu besuchen, das der Stammsitz eines alten Geschlechtswar, und anderthalb Viertelstunden weiter trennt die Lippach Badenvon Würtemberg, womit nnserc Wanderung beendigt ist.
Aber die so eben beschriebene» Orte sind es nicht allein, welchebesucht zu werden verdienen, man muß auch tiefer eindringen in dasLand, was wir später versuchen werden, und muß die so vielfältigenGelegenheiten benutzen, um auch das schwäbische Ufer und die Schwei-zerseitc zu besuchen, wo Friedrichshafen, Langenargen, Wasserburg,Lindau, Bregenz, Rorschach, Arbon und Nonianshorn die hauptsäch-lichsten Punkte sind; und gewiß wird Jeder, der diese Tour macht, die-selbe zu den schönsten Genüssen seines Lebens zählen und anerkennen,daß kein anderer Punkt in Deutschland scie, der diesem See mit seinenUmgebungen zu vergleichen wäre.