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7 (1848)
Entstehung
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mit dein Ueberlinger See zu Baden, sowie der Untersce oder Zellersee,welcher durch den Rhein mit dem Bodensee verbunden ist und einen Flächen-inhalt von N/,0«, sUMeilcn hat. Letzterer ist nicht sehr tief und hat zwi-schen der Neichcnau unv Wollmatingen eine so seichte Stelle, daß manoft zu Fuß hinübergehen kann.

Auf badischer Seite stieße» in den See mehrere Bäche, worunter dieSeefelder Nach, Stockach, Goldach, Stcinach und Aach die Bemerkens-werthcsten sind. Das Klima des Bodenssees ist ziemlich mild, dochfriert er häufig zu und schon mehrmals konnte man auf dem Eis den Seeüberschreiten. Morgens weht gewöhnlich der Ostwind, Mittags der West-wind, bei stürmischem Wetter braust aber die von Süden kommende Föhngewaltig über das Wasser und regt es in seinem innersten Grunde auf.Oft schon gingen bei solchen Stürmen Schiffe unter. Von Zeit zu Zeitsteigt das Wasser plötzlich gegen das Ufer an und sinkt dann wieder zurück,was man die Rüheß nennt. Es ist dies fast mit der Fluth und Ebbe desMeers zu vergleichen. Schon seit der frühesten Zeit ward die Schifffahrtauf dem See stark betrieben, ebenso die Fischerei; aber erst in neuererZeit, wo das Zunftwesen aufgehoben wurde und Dampfschiffe auf demSee gehen, hat die Schifffahrt zugenommen. Schiffswerften sind zu Hard,Wallhausen, Petershausen, Bodman» und auf der Reicherm». Im 15.und Ist. Jahrhundert versuchte man es sogar, Schiffe mit Kanonen zu be-setzen und einen Seekrieg hier zu führen. Die Dampfschifffahrt bestehtseit 1824 und jetzt nehmen drei Gesellschaften daran Theil; Einigkeit wäreihnen aber vor Allem zu wünschen, welche in letzterer Zeit leider sehr ver-mißt wurde.

Nachdem wir also den Bodcnsee im Allgemeinen betrachtet haben,wandern wir über die Rheinbrücke bei Constanz und betreten die ehemaligeReichsabtei Peters Hausen, jetzt Schloß der Markgrafen von Baden.Sie wurde vom Bischof Gebharv von Constanz gestiftet, der im I. 983die Klosterkirche gründete und den Bau 992 vollendete, auch für das neueKloster die Gebeine des heil. Gregor erhielt. Durch das ConstanzcrConcilium erhielt der Abt das Recht Znful und Stab zu tragen undwurde, 1683 in die schwäbische Beneviktinercongrcgation aufgenom-men. In den Jahren 1489 und 1495 sank das Stift sehr in Armuthund litt auch im dreißigjährigen Kriege viel, erholte sich aber bald wie-der und erhielt durch den Abt Georg Strobel ein neues Conventgcbäude.Nach der Aufhebung im I. 1893 ward das Kloster mit dessen Gütern denMarkgrafen von Baden zugetheilt, das Kloster in eine Kaserne verwandeltund die Kirche abgebrochen.

Von hier führt der Weg durch einen Wald nach dem PfarrdvrfeWollmatingen und an das Gestade, wo man sich nach der Reichenauüberschifft. Weiter gegen Nordwestcn liegt dann das kleine DörfchenHegne mit Schloß, Park und Kapelle, welche zwei schöne Basreliefs vonHans Moring enthält. Das Dorf Allensbach liegt dicht am See, istsehr alt und war früher viel größer, erlitt aber durch den Bauernkriegim I. 1525 eine große Verheerung. Von hier aus gelangt man nachdem uralten Dorfe Markelfingcn und dann zur Stadt Radolphs-zell, welche über 999 Einwohner enthält und durch Ratodls Zelle ent-standen sein soll. Im Anfange des 15. Jahrhunderts wurde RadolphszellReichsstadt, huldigte aber schon 1454 dem Herzoge Albrecht von Oester-reich. Das Städtchen ist jetzt Sitz eines Bezirksamts und hat eine alteKirche mit Reliquien. In der Nähe liegt bei dem Dorfe Möckingen einSee von großer Tiefe. Die Dörfer auf dem westlichen Ufer des Unter-stes bieten wenig Bemerkenswerthes dar; sie sind Böhringen, Jtznang,Gundolzcn, Hemmenhofen, Marbach, Wangen, Gattenhorn und Oeningen.Letzteres ist merkwürdig wegen seines alten Grafengeschlechts und der hierbestandenen Probstei und des Stifts regulirter Chorherren, das 1534 ein-gezogen wurde.

Merkwürdig vor Allem ist die Insel Reichenau, ein liebliches Ei-land mit herrlicher Aussicht und einer reichen Fülle jeder Gaben der Na-tur; wie ein Garten sieht sie aus und Weinberge wechseln mit Gärtenund Felder» ab. Die schönste Aussicht hat man auf der Hochwacht. DreiPfarreien befinden sich auf dieser Intel mit etwa 399 Häusern. Der Bo-den ist so vertheilt, daß 354 Joucbart auf die Aecker, 343 I. auf dieWiesen und 496 I. auf die Weinberge kommen. Der beste Wein die-

ser Insel ist der Schlaitheimer, aus Reben gezogen, welche vom Jo-hannisberg hierher verpflanzt wurden. Mehr »och durch die Schönheit derNatur ist die Reichenau merkwürdig, als wegen seiner ehemaligenAbtei, die einst Hauptpflanzstättc des Christenthums in dieser Gegendwar, und deren Ursprung in die früheste Zeit zurückreicht.

Schon den Römern war die Insel bekannt, urbar wurde sie abererst im achten Jahrhundert gemacht, als ein gewisser Sindlas, wiedie Sage meldet, sie zu seiner Einsiedelei erkor. Später kam der Jr-länder Piromi hierher und gründete mit Erlaubniß der Herzoge Bcr-thold und Ncbi im I. 724 eine Zelle auf dieser Au. Schon früheblühte diese Stiftung auf und der wissenschaftliche Geist der darinherrschte, sicherte ihr einen bleibenden Bestand. Viele große Männerund Gelehrte der damaligen Zeit gingen aus den Schulen der Reichenauhervor, die schon durch Karl den Großen von der Gerichtsbarkeit der Bi-schöfe von Constanz befreit wurde. Die lange Reihe der Aebte hier anzu-führen, ist nicht unsere Absicht; die Abtei theilte mit noch vielen Anderndas Schicksal, daß sie ihren früheren Reichthum bald verlor u. in dürftigeUmstände gericth, aus welchen sie sich nur schwer wieder erholte, umdann mit den Bischöfen von Constanz in einen neuen Streit zu gera-then, der 1541 mit der Einverleibung der Abtei unter das Hochstiftendigte. Später waren nur noch wenige Geistliche hier und seit 1799besorgten blos drei Weltpricster den Gottesdienst auf der Insel. Alsoendigte das berühmte Stift, aus dem 25 Gelehrte, 69 Bischöfe, 18 Erz-bischöfc hervorgingen, woher 29 Mönche zu fremden Abteien, 22 zu Ka-nonikaten und 138 zur Gründung und Erneuerung fremder Klöster be-rufen wurden. Jetzt ist von der alten Herrlichkeit wenig mehr übrig,blos die Münsterkirche, so wie zwei andere Kirchen stehen noch undhaben einige Reliquien aufzuweisen. Sogar das Grabmal des KaisersKarl des Dicken ist nicht mehr kenntlich.

Wandert man von Constanz rechts, am User des Ucberlingersee's,weiter, so gelangt man über Hard, Allmannsdorf, Egg und St. Ka-tharina nach dem schönen aber kleinen Eilande Mainau, das wieein lieblicher Garten mit seinem Schlosse aus dem Wasser des Seesemporsteigt und durch eine hölzerne Brücke mit dem westlichen Uferverbunden ist. Einst gehörte die Mainau dem Deutschordcn, fiel 1895an Baden und wurde dann an den Fürsten Esterhazy verkauft, der sieseinem Sohne, dem Baron von Mainau übergab. Von diesem erwarbsie im Jahre 1839 die Gräsin von Langenstein, deren Lieblingsaufcnt-halt sie ist.

Die nächsten Orte auf dem Wege um den Ucberlingcrsce sind vongeringer Bedeutung. Man gelangt über Litzelstetten, Dingelsdorf,St. Nikolaus, Wallhauscn, Burg und Kargeck nach Bodmann an deruntersten Bucht des Sees, wo der alten Ruine gegenüber und nurdurch eine jähe Fclsenschlucht davon getrennt, das neuere SchlößchenBodmann steht. Von diesem alten Schlosse Bodmann leiten einige Ge-schichtsforscher und Geographen, z. B. Cannabich, den Namen des Bo-densees ab, und vielleicht nicht mit Unrecht, weil andere Ableitungen ge-zwungen erscheinen. Hier war einst die königliche Pfalz, auf der KönigDagobert und mehrere Kaiser so gern und so oft verweilte», und welchenachher einem Geschlechte den Namen gab, das noch jetzt blüht undauf den Gütern seiner Vorfahren sitzt. Die alte Burg brannte imI. 1397 ab und litt >499 im Schweizerkriege. Die Sage hat in dieGeschichte dieses Geschlechts liebliche Erzählungen verflochten und einschwäbischer Sänger dieselben in seinen Liedern verherrlicht.

Von hier führt der Weg nach dem nördlichste» Endpunkte des Sees,wo der neugegründetc Hafen beim Dorfe Scrnatingen, oder Ludwigs-hafcn, wie man es jetzt umzutaufen beliebte, liegt. Das Dorf selbstist nicht sehr groß, der Handel daselbst aber nicht unbedeutend. DieUmgegend ist sehr schön und romantisch, da wir aber bei der Beschrei-bung von Stockach und des Hegaus dieselbe ausführlicher betrachtenmüssen, so wandern wir am östlichen Ufer durch die Dörfer Sipplingenmit alten Heidenlöchern, und Goldbach nach der ehemaligen Reichs-stadt Ueberlingen, jetzt Sitz eines Bezirksamts. Dieses Städtchenvon 3199 Einwohnern liegt am Bodensee und hat ein ziemlich alter-thümliches Aussehen durch seine Thore, Thürme, das Münster und